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“Schluss mit Daten-Silos”

Die Fintechs kommen – und sie wollen bleiben: Das Münchener Start-up treefin versteht sich als “Kompass im Versicherungsdschungel”. Cash. sprach mit der Führung des Anfang des Jahres gegründeten digitalen Finanzassistenten über ihre Ziele.

Das Führungs-Duo der treefin AG, München: Andreas Gensch, Vorstand, und Reinhard Tahedl, Vorstandsvorsitzender (rechts)

Cash.: Wie ist das Geschäft bei Fundsaccess, der Gründer-Gesellschaft der treefin AG, in den letzten Jahren verlaufen?

Tahedl: Wir haben uns sehr erfolgreich entwickelt und konnten große Kunden gewinnen, wie etwa eine Swiss Life Select [1], eine FG-Finanz oder auch eine Telis. Darüber hinaus konnten wir im Bereich AIF auch eine Fonds Finanz von uns überzeugen [2] und bei Jung, DMS & Cie. unser Leistungsspektrum ganzheitlich ausrollen.

Jeder vierte deutsche Finanzdienstleister hat mittlerweile Zugang zur Fundsaccess-Technologie. Rechne ich die Versicherer wie eine Axa und eine Gothaer hinzu, dann ist die Reichweite und der Marktanteil noch einmal ungleich höher. Aktuell administrieren wir über unsere Technologieplattformen 33 bis 35 Milliarden Euro, verteilt auf ca. 1,6 Millionen Kunden-Depots.

Anfang des Jahres haben Sie als Anker-Aktionär die treefin AG gegründet. Was verbirgt sich dahinter?

Tahedl: Durch unsere tägliche Arbeit haben wir festgestellt, dass der Endkunde einen Überblick über alle seine Financial-Services nachfragt, diesen jedoch aktuell von keinem Finanzdienstleister erhält. Ergänzend hierzu sind wir der tiefen Überzeugung, dass das derzeitige Finanzsystem vor einer umfassenden Innovationswelle steht.

Im Bereich Asset Management kann der Berater über Fundsaccess bereits seit Jahren ganzheitliche Vermögensübersichten erstellen. Das ist nichts Neues. Anders sieht es auf der Konten- und Versicherungsseite aus. Dort gab es nichts Vergleichbares. Und so entwickelten mein Vorstandskollege und Mitgründer Andreas Gensch und ich die Vision, einen Dienst zu schaffen, der alle Konten, alle Depots und alle Versicherungen in einer Oberfläche konsolidiert und miteinander vernetzt. Herausgekommen ist “treefin – mein digitaler Finanzassistent”.

Mit einem einzigen Login hat der Kunde seine gesamte finanzielle Situation über nahezu alle Konten, Depots und Versicherungen immer im Blick. Dank der ganzheitlichen Darstellung von verschiedenen Finanzprodukten ist somit endlich Schluss mit Daten-Silos und der Endkunde hat einen spürbaren Mehrwert.

Seite zwei: “Kompass im Versicherungsdschungel” [3]

Auf welche Weise hilft treefin im Bereich Versicherungen?

Gensch: Treefin zeigt auf, welche Versicherungen der jeweilige Nutzer benötigt. treefin fungiert deshalb als Kompass im Versicherungsdschungel und bietet eine erste Bedarfsanalyse in Anlehnung an die Prinzipien aus DIN SPEC 77222 (“Standardisierte Finanzanalyse für den Privathaushalt”). Anhand eines Fragebogens zur Erfassung der persönlichen Daten wird ein Analyseergebnis – also der Versicherungsbedarf – generiert.

Treefin schafft somit die nötige Transparenz, trifft jedoch keine Aussage über Preisniveau und damit verbundene Leistungsunterschiede. Um diese Bedürfnis-Situation zu lösen und etwaige Optimierungspotenziale zu heben, hat der Nutzer die Wahl zwischen einem unabhängigen Finanzberater oder einem Onlineportal.

Treefin steht dabei jederzeit zu 100 Prozent in der Ecke des Kunden und verdient erst dann, wenn der Nutzer mit Dritten Kontakt aufnimmt.

Was heißt das konkret?

Gensch: Wenn der Kunde versucht, sein Problem zu lösen, entweder über einen Finanzberater oder über ein Vergleichsportal, bekommen wir für den Kundenkontakt einen Lead. Auf diese Weise verdienen wir Geld. Das heißt, treefin will nach dem Motto “Digital Native trifft offline Beratungskompetenz” die beiden Welten bestmöglichst vernetzen, um für alle Beteiligten Mehrwerte zu erschaffen. Wir glauben aber auch sehr stark daran, dass die einfachen, wenig erklärungsbedürftigen Produkte perspektivisch zunehmend online abgeschlossen werden, während es bei den komplexen mehr denn je eine Daseinsberechtigung für den Berater gibt.

Seite drei: “Kontinuierliche Weiterentwicklung der Features” [4]

Wie kam der Name treefin zustande?

Tahedl: Der Name treefin entstand unter anderem aus der Analogie zu einem Baum. Ein Baum wächst und ist stark verwurzelt. Am Ende wollen wir als starker Partner gelten, mit dem Ziel, Finanzen nachhaltig wachsen zu lassen. Der Baum beziehungsweise das Logo besteht aus den drei Segmenten Konten, Kapitalanlagen und Versicherungen. Das Motiv ist, dem Nutzer einen ganzheitlichen Überblick über die eigene Finanzsituation zu geben. Daraufhin haben wir uns alle URLs gesichert und die Marke schützen lassen.

Gibt es eine Zahl von Nutzern, die Sie zukünftig anpeilen?

Tahedl: Generell adressiert treefin mit seinem Leistungsangebot jeden Bürger, da überall die gleiche Bedürfnislage vorliegt – nämlich das Streben nach Transparenz und Optimierungsmöglichkeiten. Potenziell wird die Zielgruppe aufgrund der höchsten digitalen Affinität in dieser Altersgruppe zwischen 20 bis 45 Jahren liegen. Durch unsere langjährige IT-Erfahrung und der Durchführung diverser Vorprojekte bereits im Jahr 2014 haben wir die IT-Architektur, Prozesslandschaft und Sicherheitsanforderungen so entwickelt, dass diese für eine hohe Anzahl an Nutzerzahlen ausgelegt ist.

Wie geht es bei treefin weiter, was sind die nächsten Schritte?

Tahedl: Mit treefin wollen wir die Chance nutzen, die erste digitale Drehscheibe für sämtliche Financial Services zu etablieren. Als vollumfänglich “im Lager des Kunden stehend” wollen wir die Transparenz für den Kunden durch eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Features erhöhen, um weitere Optimierungspotenziale aufzuzeigen. Einer steht für uns als digitaler Assistent immer an oberster Stelle: der Kunde.

Interview: Julia Böhne

Foto: Christof Rieken