- Finanznachrichten auf Cash.Online - https://www.cash-online.de -

Langstreckenlauf durch die “Zinswüste”

Am Freitag, den 13. hat sich die 13 als Glückszahl für die deutsche Versicherungswirtschaft erwiesen: Dank eines Wachstums der Einmalbeiträge in der Lebensversicherung um knapp 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr kann die Branche auf ein stabiles Geschäftsjahr 2014 zurückschauen. In Berlin erklärte Dr. Alexander Erdland, Präsident des Branchenverbandes GDV, mit welchen Mitteln die Assekuranz unbeschadet durch die “Zinswüste” kommen wolle.

“Wir beschönigen nichts”, entgegnete GDV-Präsident Dr. Alexander Erdland angesichts wachsender Sorgen über die finanzielle Stabilität der Unternehmen. Die Lebensversicherer seien gefordert, “an allen Stellschrauben zu drehen, um durch die Niedrigzinsphase zu kommen.”

“Es macht die Wüste schön, dass sie irgendwo einen Brunnen birgt”, ließ Antoine de Saint-Exupéry seinen kleinen Prinzen sagen.

Die Suche nach dem so überlebenswichtigen Brunnen bleibt für die deutsche Versicherungswirtschaft inmitten einer verdorrten Zinslandschaft eine immense Herausforderung.

Kein Sprint durch die “Zinswüste”

“Wenn wir gut durch die Zinswüste kommen wollen [1] und das Vertrauen unserer Kunden rechtfertigen wollen – dann müssen wir uns nicht auf einen Sprint einstellen. Sondern auf einen Langstreckenlauf”, sagte Dr. Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV [2]), anlässlich der Vorstellung der Branchenzahlen 2014 am Freitag in Berlin.

Die Zahlen für 2014 seien dabei “eine Ermutigung”, so Erdland. “Aber entscheidend ist der Weg, der noch vor uns liegt.”

Beitragseinnahmen auf 192,3 Milliarden Euro gesteigert

Zumindest den bisher zurückgelegten Weg durch überaus steiniges Gelände hat die Branche passabel absolviert. So konnte die deutsche Versicherungswirtschaft ihre Beitragseinnahmen um 2,7 Prozent im Vergleich zu 2013 auf 192,3 Milliarden Euro steigern.

Quelle: GDV

In der Lebensversicherung [3] kletterte das Beitragsaufkommen um 3,1 Prozent auf 93,7 Milliarden Euro.

Die privaten Krankenversicherer [4] verbuchten einen Beitragszuwachs von 0,7 Prozent auf 36,2 Milliarden Euro.

Bei den Unternehmen der Schaden- und Unfallversicherung legten die Beitragseinnahmen um 3,2 Prozent auf 62,5 Milliarden Euro zu.

Seite zwei: “Einmalbeitragsgeschäft kein Geschäft zweiter Klasse” [5]

“Dieses gute Ergebnis wäre ohne die erfreuliche Entwicklung im Leben-Bereich nicht möglich gewesen”, bilanzierte Erdland. Dabei wurde der Anstieg erneut vom Geschäft mit Rentenversicherungen gegen Einmalbeitrag getragen (plus 12,9 Prozent) – einem Geschäft, das die Lebensversicherer in früheren Jahren eher reserviert gegenüberstanden. Das ist nicht mehr so.

Das Einmalbeitragsgeschäft sei “kein Geschäft zweiter Klasse”, betonte Dr. Markus Faulhaber, Vorsitzender des Hauptausschusses Lebensversicherung/Pensionsfonds beim GDV.

Im Hinblick auf die umstrittene Zinszusatzreserve [6] merkte Faulhaber an, dass diese “weiterhin ein richtiges Instrument sei”, man müsse sich aber über “veränderte Parameter” Gedanken machen. So regte der Allianz-Manager etwa “eine flachere Aufbaugeschwindigkeit” bei der künftigen Bildung des Reservetopfes an.

Diskussion um Zinszusatzreserve

Ob die milliardenschwere Zinszusatzreserve ausreichen wird, um die gegenüber den Kunden ausgesprochenen Garantien auch bei einem Fortdauern der Niedrigzinsphase sicherstellen zu können, ist eine Frage, die derzeit stark diskutiert wird.

“Wir beschönigen nichts”, entgegnete Erdland angesichts wachsender Sorgen über die finanzielle Stabilität der Unternehmen. Die Lebensversicherer [7] seien gefordert, “an allen Stellschrauben zu drehen, um durch die Niedrigzinsphase zu kommen.”

Er betrachte dies “sehr aufmerksam”, erklärte der GDV-Präsident und vergaß dabei seinen Humor nicht: Er wünsche ihnen, rief Erdland den Pressevertretern zu, dass sie ihn auch in Zukunft zu einer möglichen bevorstehenden finanziellen Schieflage bei einzelnen Gesellschaften befragen werden, “denn dann ist ja noch nichts passiert”.

Gut sei, fuhr Erdland fort, dass die Branche weiter an der Produktentwicklung arbeite und bestrebt sei “Antworten auf die Niedrigzinsphase” zu finden. “Wenn uns das gelingt, wird auch das Vorsorgegeschäft in diesem Jahr gut laufen.” (lk)

 

Foto: GDV