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Invaliditätspolicen: Produktstrategien der Versicherer

Die Versicherungsbranche setzt hohe Erwartungen an das Geschäft mit Invaliditätsversicherungen. Die Versicherer rüsten auf und setzen dabei unterschiedliche Akzente. Während die Einen bestehende Berufsunfähigkeitstarife optimieren, kreieren Andere alternative Formen der Arbeitskraftabsicherung.

Der Versicherer Volkswohl Bund hat mit seiner Grundfähigkeitspolice eigenen Angaben zufolge “den Nagel auf den Kopf getroffen”. Die am häufigsten versicherten Berufe seien demnach: Krankenschwester, Altenpfleger und Dachdecker.

Michael Franke, Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg, warnt schon seit einiger Zeit davor, die BU zum “Maß aller Dinge” zu erheben.

Es mache wenig Sinn, so Franke, alle Produkte zur Arbeitskraftsicherung nur an der BU zu messen. “Wenn Sie ein Auto kaufen, vergleichen Sie es auch nicht ständig mit Luxusautos, die weit außerhalb Ihres Budgets liegen.”

Die BU sei für mindestens 50 Prozent der Erwerbstätigen “unerreichbar” geworden. Der Analyst fordert, dass andere Lösungen hermüssten, sonst verliere die Branche eine ihrer Kernkompetenzen.

“Seit über 20 Jahren ein reines ‚BU-Land‘”

Allerdings gibt Franke zu bedenken, dass sich der Markt noch an neue Produkte [1] gewöhnen müsse, “denn immerhin waren wir über 20 Jahre ein reines ‚BU-Land‘”. Man brauche daher “Stehvermögen” und dürfe “keine unrealistischen Erwartungen hegen”.

Die Chance, die Arbeitskraft überhaupt zu versichern, werde am Ende für den Schub in der Branche sorgen. Darauf hofft auch Dr. Markus Leibundgut [2], CEO von Swiss Life Deutschland und Mitglied der Konzernleitung der Swiss-Life-Gruppe.

Seite zwei: Hohe Erwartungen an Invaliditätsversicherungen [3]Sein Haus, das vor allem mit dem Vertrieb von selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherungen [4] (SBU) Erfolge erzielte, entwickelt inzwischen auch alternative BU-Lösungen, “um Menschen mit Risikoberufen und gesundheitlichen Einschränkungen anzusprechen”.

“Auch wenn ich die Berufsunfähigkeitsabsicherung für die beste Lösung halte, sofern es die finanziellen Möglichkeiten erlauben”, so Leibundgut, sei es leider ebenso wahr, dass sich viele Menschen wegen bestimmter Vorerkrankungen oder als Angehörige bestimmter Berufsgruppen nur schwer eine BU leisten könnten.

“Darum haben wir bereits zusätzlich über alternative Lösungen nachgedacht, um diesen Menschen einen verlässlichen Schutz anbieten zu können, die wir in Kürze vorstellen werden”.

Hohe Erwartungen an Invaliditätsversicherungen

Auch im VHV-Konzern setzt man hohe Erwartungen an das Geschäft mit Invaliditätsversicherungen [5]. “Bei den Deutschen besteht gerade in dem Bereich der Arbeitskraftsicherung ein hoher Nachholbedarf. In diesem Segment gibt es also noch viel Potenzial”, sagt Andreas Fabry, Vorstand Vertrieb und Marketing der Hannoverschen, dem Direktversicherer des Versicherungskonzerns.

So habe eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Hannoverschen ergeben, so Fabry, dass nur 22 Prozent aller Befragten eine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung [6] abgeschlossen hätten.

Rund 40 Prozent der 18- bis 24-Jährigen hätten sich zudem noch gar nicht mit der Absicherung der eigenen Arbeitskraft beschäftigt. “Hier setzen wir mit attraktiven Einsteigerangeboten an”, erläutert Fabry, dessen Unternehmen nach eigenen Angaben hinsichtlich des Neugeschäftes der größte Anbieter von Risikolebensversicherungen ist.

Seite drei: BU “immer wieder auf dem Prüfstand” [7]

“Im laufenden Jahr legen wir einen weiteren Vertriebsschwerpunkt auf unsere vielfach ausgezeichnete Berufsunfähigkeitsversicherung. Wir bieten hier die günstigsten Premiumtarife am Markt. Unsere Kunden profitieren zudem beispielsweise von umfangreichen, anlassunabhängigen Nachversicherungsgarantien, die bis zu einer Verdoppelung der ursprünglich vereinbarten Versicherungssumme führen können.”

Beim Volkswohl Bund in Dortmund geht man ebenfalls von einem guten BU-Jahr 2015 aus. Dabei stelle man die BU “immer wieder auf den Prüfstand” und ergänze und verbessere das Produkt laufend, sagt Unternehmenssprecherin Simone Szydlak.

“Serienmäßige Versorgungsgarantie”

So habe man im vergangenen Jahr unter anderem Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit [8] hinzugefügt. “Mit einer serienmäßigen Versorgungsgarantie haben wir darüber hinaus die Nachversicherungsmöglichkeiten bei Gehaltssteigerungen merklich erweitert”, so Szydlak. “Unser zweites, ebenfalls sehr erfolgreiches Standbein im Bereich der Arbeitskraftabsicherung ist unsere Einkommensvorsorge €xistenz. Damit sprechen wir vor allem Menschen an, die körperlich tätig sind und denen eine klassische BU häufig zu teuer erscheint.”

Bei €xistenz handelt es sich um eine Grundfähigkeitspolice [9], die eine monatliche Rente leistet, wenn der Kunde eine klar definierte Fähigkeit verliert, die meist auch Grundvoraussetzung für seine Arbeitsfähigkeit ist. Den Anteil der Biometrieprodukte am Neuzugang beziffert der Volkswohl Bund auf fast 30 Prozent, was im Marktvergleich “überdurchschnittlich viel” sei, wie Sprecherin Szydlak betont.

Auch die Resonanz der Vertriebspartner auf €xistenz sei sehr gut. Was den Bedarf angehe, habe man mit €xistenz “den Nagel auf den Kopf getroffen”. Interne Auswertungen ergaben, dass das Produkt genau bei der Zielgruppe ankomme. Die am häufigsten versicherten Berufe sind demnach: Krankenschwester, Altenpfleger und Dachdecker. (lk)

Foto: Shutterstock