- Finanznachrichten auf Cash.Online - https://www.cash-online.de -

“In manchen Bereichen ist eine Garantie nicht mehr darstellbar”

Hermann Schrögenauer, Vertriebsvorstand Zurich Leben in Deutschland, spricht im zweiten Teil des Interviews über die Frage, ob Kunden mit dem neuen “Garantieschieberegler” von Zurich überfordert sein könnten und erklärt, warum er gegen eine 100 Prozent Beitragsgarantie in der geförderten Altersvorsorge ist.

“Die Digitalisierung bietet der gesamten Versicherungswirtschaft neue Möglichkeiten, um das Geschäft voranzubringen und mitunter auch neu zu gestalten.”

Seit Oktober haben Sie einen sogenannten “Garantieschieberegler” bei fondsgebundenen Produkten eingebaut. Was hat Sie zu dieser Idee bewogen und wie funktioniert der Regler?

Schrögenauer: Wir wollten unseren Kunden die Möglichkeit bieten, die Renditechancen der Kapitalmärkte noch stärker zu nutzen und dabei gleichzeitig auf Wunsch mit einem Sicherheitsnetz vor den Risiken des Kapitalverlustes ausgestattet zu sein. Dies ist mit unserer neuen Investmentpolice nun umsetzbar. Die fondsgebundene Rentenversicherung Vorsorgeinvest Spezial verfügt über ein wählbares Garantieniveau. Je nach Risiko-Sicherheits-Profil des Kunden können die eingezahlten Beiträge ganz oder in individuell wählbarer Höhe abgesichert werden. Gewählt werden können Höhen des Kapitalschutzes zwischen 50 und 100 Prozent.

Fürchten Sie nicht, dass viele Kunden mit der Frage überfordert sind, ob sie mit einer Garantie von 60 oder 80 Prozent auf die eingezahlten Beiträge besser fahren?

Nein. Die meisten Berater sind diese Fragestellungen aus dem Direktinvestment gewöhnt. Der Berater muss den Kunden zu der richtigen individuellen Garantiehöhe hinführen. Jeder Kunde ist da anders gestrickt und hat unterschiedliche Sicherheitsbedürfnisse. Diesen unterschiedlichen Bedürfnissen hat die Branche in der Vergangenheit mit fast ausschließlich 100 Prozent Garantielösungen nicht wirklich Rechnung getragen. Nun kann der Kunde bestimmen, wie hoch sein Sicherheitsbedürfnis ist und welcher Teil des Beitrages in eine Chance auf Rendite investiert werden soll.

Hierbei müssen wir natürlich auch erwähnen, dass wir den Kunden nicht ausschließlich Aktienfonds zur Verfügung stellen, sondern eine breite Auswahl an unterschiedlich gelagerten Fonds mit unterschiedlichen Risikoklassen. Unser besonderer Fokus liegt dabei auf ausgewählten vermögensverwaltenden Fonds, die aktiv auf die Kapitalmärkte reagieren und so die Volatilität enorm reduzieren und trotzdem ansehnliche Renditen erzielen.

Mit welchen weiteren Produktneuheiten ist Zurich Leben derzeit befasst?

Neben dem neuen Privatkundenprodukt bieten wir im Bereich der betrieblichen Altersversorgung eine neue Investmentpolice mit Garantieguthaben an. Zum Rentenbeginn steht unseren Kunden ein Garantieguthaben zur Verfügung, welches sich aus der Summe der eingezahlten Beiträge abzüglich Kosten ermittelt. Das Garantieguthaben ist niedriger als die Summe der eingezahlten Beiträge. Hierdurch steht mehr Kapital für eine renditeorientierte Anlage zur Verfügung. Das Produkt ist im Rahmen der Direktversicherung als auch für Unterstützungskassen-Versorgungen abschließbar.

Sie sagten außerdem, dass es irgendwann einmal auch geringere Garantien von staatlicher Seite geben muss. Können Sie das näher erläutern?

Leider sind die meisten geförderten Schichten beziehungsweise Produkte von staatlicher Seite dahingehend reglementiert, dass für die Produkte, die eine staatliche Förderung genießen, eine 100 Prozent Beitragsgarantie gefordert wird. Viele Produkte schaffen das bei diesem Zinsumfeld nicht mehr. Dies hat zur Folge, dass in bestimmten Bereichen, zum Beispiel bei Kurzläufern, eine Garantie gar nicht mehr darstellbar ist. Dies wiederum bedeutet, dass vielen Kunden dadurch der Zugang zur staatlichen Förderung verwehrt wird, da es keine oder nur wenige Produktlösungen mit geringen Renditeerwartungen in diesen Bereichen geben wird. Das hat wiederum zur Folge, dass dem Wunsch des Gesetzgebers auf private Vorsorge –und damit geringere Altersarmut – nicht begegnet werden kann. Wenn also der Gesetzgeber die Altersarmut verringern möchte, muss er die Regelungen zu den geförderten Produkten überdenken.

Seite zwei: Die Digitalisierung bietet der gesamten Versicherungswirtschaft neue Möglichkeiten [1]

Zurich hat das Biometrie-Portfolio in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut. Welche vertrieblichen Erwartungen sind mit dem Ausbau verbunden?

Zurich ist ein großer und etablierter langjähriger Anbieter von Biometrie-Produkten im deutschen Markt. Diese Erfahrung und Kompetenz nutzen wir um unser Portfolio stetig auszubauen und unseren Kunden Biometrielösungen aus einer Hand anzubieten. Das ist sicherlich ein Vorteil für den Kunden, wenn er bei einem schlimmen Ereignis nur eine Prüfung und Anerkennung durchlaufen muss und unterschiedliche Risiken im gleichen Haus abgesichert hat. Im Maklermarkt wollen wir weiter wachsen und konstant zu den Top-Anbietern aufsteigen und diese Position auch langfristig halten.

Die Digitalisierung erfasst zunehmend auch die Versicherungswirtschaft. Inwieweit sehen Sie darin eine Chance?

Die Digitalisierung bietet der gesamten Versicherungswirtschaft neue Möglichkeiten, um das Geschäft voranzubringen und mitunter auch neu zu gestalten. Für Zurich sehen wir in der Digitalisierung große Chancen, um insbesondere dem Innen- und Außendienst dabei zu helfen, die Anforderungen unserer Kunden, Vertriebspartner und Mitarbeiter zu erfüllen und gleichzeitig im Kundenservice effizienter zu werden. Sie wird uns helfen, unsere Serviceprozesse zu optimieren und damit gleichzeitig auch unser Geschäftsmodell verändern. Vor allem im Vertrieb wird uns die Digitalisierung im positiven Sinne herausfordern.

Darauf werden wir mit entsprechenden Neuausrichtungen bei unserer Marktbearbeitungs- und Betreuungsstrategie reagieren. Die Digitalisierung bietet sicherlich auch die Möglichkeit, die Dienstleistungen unseres Hause noch kosteneffizienter für unsere Kunden zu gestalten und die Wettbewerbsfähigkeit und somit auch die Konstanz des Unternehmens zu sichern.

Hier geht es zum ersten Teil des Interviews. [2]

Interview: Lorenz Klein

Foto: Florian Sonntag