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Unternehmervollmacht: Fortbestand des Betriebs sichern

Die Themen Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung sind bei Finanzdienstleistern angekommen. Wie steht es allerdings mit der Unternehmervollmacht? Können in eine private Vorsorgevollmacht auch Regelungen eingearbeitet werden, die den eigenen Betrieb betreffen?

Gastbeitrag von Matthias Schmutzler, DV Deutsche Vorsorgedatenbank AG

“Nicht in jedem Fall stehen Familienangehörige bereit, die diese Lücke sofort kompetent und langfristig ausfüllen können.”

Unabhängig von Art und Größe des Unternehmens sollte sich jeder Inhaber die Frage stellen “Was passiert, wenn ich als Kopf meines Unternehmens aufgrund von Unfall oder Krankheit ausfalle?”

Wer ist dann in der Lage, den Bestand des Unternehmens, die Handlungsfähigkeit und natürlich auch das Einkommen zu sichern?

Lücke langfristig schließen

Nicht in jedem Fall stehen Familienangehörige bereit, die diese Lücke sofort kompetent und langfristig ausfüllen können. Manchmal kommen sie aber auch aufgrund geforderter Qualifikationen, wie zum Beispiel einer notwendigen Meisterprüfung im Handwerksbereich, als Vertreter nicht in Frage.

Diese Problematik betrifft in Deutschland eine Vielzahl der Unternehmen, immerhin sind circa 70 Prozent als Einzelunternehmen und nur 30 Prozent in Form von GmbH, KG oder AG strukturiert. Aber selbst ein bestehender Gesellschaftervertrag enthält in vielen Fällen nicht automatisch detaillierte Vertretungsregelungen. Man kann davon ausgehen, dass 80 Prozent aller Unternehmen in Deutschland dafür keine optimale Vorsorge getroffen haben.

Vielfältige Probleme 

Die zu lösenden Probleme und Fragen sind vielfältig. Was darf der Vertreter, vielleicht ein Berufskollege aus der gleichen Branche, während der Vertretungszeit? Ist seine Tätigkeit Bestandteil der bestehenden betrieblichen Versicherungen? In welchem Rahmen dürfen finanzielle Entscheidungen getroffen werden? Ist eine Kreditaufnahme möglich? Dürfen bestehende Arbeitsverhältnisse beendet werden? Wie sieht es mit Neueinstellungen aus? Kann das Unternehmen verkauft oder liquidiert werden? Und damit sind bei weitem nicht alle Aspekte genannt.

Seite zwei: Zeitersparnis und Kostentransparenz [1]

Zudem empfiehlt es sich auch über weitreichendere Folgen einer schweren Erkrankung nachzudenken. Was passiert mit einer sich im Besitz zweier Eigentümer befindlichen GmbH, wenn einer der beiden verstirbt? Angenommen, der Ehepartner möchte oder muss den an ihn fallenden Gesellschaftsanteil verkaufen. Lässt sich dieses Szenario abbilden? Reichen die Rücklagen der GmbH, um diesen Anteil zu übernehmen? Wie steht es um die anfallende Erbschaftssteuer [2]?

Zeitersparnis und Kostentransparenz

Die Lösung dieser Fragen gehört in die Hand qualifizierter Anwälte. Allerdings steht für diesen sehr speziellen Bereich der Rechtsberatung [3] regional nicht immer ein Anwalt mit Erfahrung zur Verfügung.

Inzwischen gibt es die Möglichkeit, den auf diese Themen spezialisierten Anwalt per Telefon oder Videokonferenz an den Schreibtisch des Unternehmers zu bringen. Im persönlichen Gespräch kann so erörtert werden, welcher Handlungsbedarf besteht und zugleich eine Lösung in Auftrag gegeben werden.

Der Vorteil dabei ist neben der Expertise der tätigen Juristen sowohl die Zeitersparnis als auch die Kostentransparenz für die neben der privaten Vorsorgevollmacht [4] benötigte Unternehmervollmacht.

Der Autor Matthias Schmutzler ist seit Juli 2013 Vorstand der Deutschen Vorsorgedatenbank AG.

Fotos: DV Deutsche Vorsorgedatenbank AG / Shutterstock