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Versicherungs-Fintechs: Zwischen Erfolg und Exit

Im Versicherungsumfeld bieten die meisten FinTechs eine digitale Vertragsverwaltung an, die um Beratungsmöglichkeiten erweitert wird. Die Vergütungsmodelle reichen von Bestandsprovisionen bis hin zu Festangestellten mit festem Gehalt – ob die neuen Player den alten Marktakteuren gefährlich werden können, ist allerdings noch abzuwarten.

Die “digitale Revolution” in der Versicherungsbranche ist noch nicht gelungen. Zwar gibt es zahlreiche Anbieter mit teilweise ähnlichen Konzepten am Markt, sie befinden sich aber fast alle noch in der Startphase.

Die meisten FinTechs [1], die in der Versicherungsbranche aktiv sind, bieten zunächst einen digitalen Versicherungsordner an.

So auch das Münchener Unternehmen i-finance, das den Service VorsorgeKampagne entwickelt hat.

Provisionsfreie Lösungen

“Der digitale Versicherungsordner gehört für ein Online-Unternehmen ganz einfach dazu, um die bestmögliche Betreuung der Kunden zu gewährleisten”, erläutert David Zahn, der mit Alexander Herbert VorsorgeKampagne gegründet hat.

VorsorgeKampagne berät zudem zu privater Altersvorsorge [2] und bietet provisionsfreie Lösungen mittels Honorar- und Nettotarifen [3] an. “Die immer gleich hohe Vergütung durch den Kunden ermöglicht eine vollständig interessenkonfliktfreie Produktempfehlung”, so Zahn.

“Unsere Hauptleistung jedoch ist die mathematische Analyse von Tarifen und Produkten für die private Altersvorsorge, um eine wirklich belastbare Empfehlung aussprechen zu können.”

“Whitelabel-Lösungen für jeden Makler”

VorsorgeKampagne hat auf das sogenannte Bootstrapping, der Finanzierung ohne externe Mittel, gesetzt und sich komplett eigenständig finanziert und bietet auch eine persönliche Beratung.

Aktuell werden die Nutzer von den Gründern selbst beraten, die jeweils über fünf Jahre Beratungserfahrung verfügen. Zum Jahresende sollen ein bis drei neue, fest angestellte Berater dazu kommen.

Seite zwei: Verwaltung der gesamten Finanzen [4]

Derzeit betreut das Unternehmen nach eigenen Angaben etwa 400 Kunden, bis zum Jahreswechsel sollen es rund 1.000 werden. VorsorgeKampagne sieht sich aber nicht nur als Konkurrent der Berater, sondern auch als Dienstleister.

“Wir bieten den digitalen Versicherungsordner ab sofort als Whitelabel-Lösung für jeden Makler und Vertreter zur Lizensierung an”, schildert Gründer Zahn.

Hierin besteht eine Gemeinsamkeit mit dem Berliner FinTech feelix, das die eigene Finanz-App als Whitelabel-Lösung Banken und Versicherern anbietet. Das Angebot von feelix geht allerdings über Versicherungen hinaus.

feelix: Verwaltung der gesamten Finanzen

So sollen Nutzer laut feelix mithilfe der Finanz-App ihre gesamten Finanzen verwalten können. “Das umfasst Versicherungen, Geldanlagen, Kreditverträge und Immobilien”, sagt Gründer und CEO Tilo Hammer [5].

Mithilfe der Vertragsübersicht können Nutzer ihre bestehenden Verträge demnach per Foto oder pdf-Upload in der App erfassen. Zu jedem erfassten Vertrag bekommt der Nutzer einen Preis- und Leistungscheck via Ampelsignal und auf Gutachterbasis.

feelix finanziert sich klassisch durch Bestandsprovisionen [6]. “Unseren Nutzern entstehen dadurch keine Zusatzkosten für die App und innerhalb ihres bestehenden Vertrages”, so Hammer.

Das Start-Up [7] vermittelt zudem Kontakt zu Finanzexperten, sofern der Kunde eine persönliche Beratung wünscht. Der Nutzer findet in der App eine Übersicht der Experten und soll sich den passenden Experten bei Bedarf heraussuchen.

Aktuell arbeiten etwa 50 Experten mit feelix zusammen. Via Online-Beratung beraten sie die Kunden von Montag bis Samstag. Die Finanzexperten können sich kostenfrei in der Finanz-App präsentieren. Derzeit hat sie 2.500 Nutzer.

Seite drei: Versicherungsbestand digital managen [8]

Demnächst wird eine komplett überarbeitete Version der App erscheinen, in die die Nutzererfahrung aus sechs Monaten mit der Beta-Version eingeflossen sind. Die neue App soll einfacher und selbsterklärender nutzbar sein. Zudem sollen Nutzer eigenständig Berichte über die Entwicklung ihrer Verträge erstellen können.

Versicherungsbestand digital managen

Auch das Heidelberger FinTech GetSafe bietet eine App, mit der Kunden ihren Versicherungsbestand digital managen können.

“Mit der kostenlosen App können Nutzer ihre Versicherungen unkompliziert vom Smartphone aus verwalten, ihren Versicherungsschutz optimieren und sich von unabhängigen Versicherungsexperten beraten lassen”, schildert Geschäftsführer und Mitgründer Christian Wiens.

“Es entstehen keine zusätzlichen Kosten, es ändert sich nichts an den bestehenden Versicherungsleistungen und vor allem muss keine neue Versicherung abgeschlossen werden”, so Wiens weiter.

Um die App zu nutzen, müssen Kunden die Versicherungen angeben, bei denen Verträge bestehen und GetSafe ein Maklermandat einräumen. Nachdem die App mit Zustimmung des Nutzers alle Unterlagen zu laufenden Verträgen direkt von den Versicherungen eingeholt hat, stellt sie einen Überblick über bestehende Verträge, deren Kosten und mögliche Versicherungslücken zur Verfügung.

Berater arbeiten als Festangestellte

Auf Wunsch können Nutzer dann auch neue Versicherungen finden, papierlos abschließen und sich dabei beraten lassen. Die Berater arbeiten als Festangestellte mit einem festen Gehalt bei GetSafe.

“Statt Provisionen für Neuabschlüsse erhalten unsere Berater neben einem Festgehalt einen Bonus für zufriedene Kunden”, schildert Wiens. Kunden bewerten in einer kurzen Online-Befragung die Beratungsleistung ihres Ansprechpartners.

Seite vier: “Versicherungsbranche hinkt der Digitalisierung nach” [9]

Zudem erfolgt einmal jährlich eine Bewertung der GetSafe-Berater durch ihre Kunden in einer kurzen Befragung. Das soll eine gute Beratung auf Dauer sicherstellen. GetSafe finanziert sich in erster Linie über Bestandsprovisionen. Zudem wird das Fin-Tech von prominenten Investoren unterstützt.

Im April hatte das Unternehmen bekannt gegeben, dass sich neben Rocket Internet aus Berlin auch Henrich Blase, der Geschäftsführer des Vergleichsportals Check24, und als Business Angel Oliver Rosskopf an GetSafe beteiligt haben.

“Versicherungsbranche hinkt der Digitalisierung nach”

“Neben zusätzlichem Kapital haben wir mit dieser Finanzierung vor allem wertvolle Investoren gewonnen, die unsere Branche verstehen und das Potenzial unseres Dienstes erkennen”, kommentierte Geschäftsführer Wiens damals die Finanzierungsrunde.

Im Juni haben zudem die Interhyp-Gründer Robert Haselsteiner und Marcus Wolsdorf über ihre Beteiligungsgesellschaft HW Capital in GetSafe investiert. Das war wahrscheinlich nicht die letzte Finanzierungsrunde, denn das FinTech hat noch einiges vor.

“In erster Linie möchten wir unser Produkt sowie unseren Service für den Endkunden weiter optimieren”, sagt Wiens. In einem zweiten Schritt will das Unternehmen demnach Versicherern die Möglichkeit geben, GetSafe auch als modernen Kontaktkanal zu ihren Kunden zu nutzen.

Der Unternehmensgründer sieht sein FinTech gut aufgestellt und blickt optimistisch in die Zukunft. “Die Versicherungsbranche [10] ist eine der letzten Branchen, die der Digitalisierung [11] nachhinkt. Studien haben gezeigt, dass jeder dritte Versicherungsnehmer ein digitales Angebot wünscht”, so Wiens.

Von einer zunehmenden Digitalisierung der Assekuranz würden seiner Ansicht nach alle in der Branche profitieren. Doch noch ist die “digitale Revolution” nicht gelungen. Zwar gibt es zahlreiche Anbieter mit teilweise ähnlichen Konzepten am Markt, sie befinden sich aber fast alle noch in der Startphase.

Wie Verbraucher und etablierte Marktteilnehmer auf die neuen Angebote reagieren werden und welches Geschäftsmodell sich letztlich durchsetzen wird, kann nur die Zeit zeigen. (jb)

Foto: Shutterstock