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“Es gibt keinen risikolosen Zins mehr”

Jürgen Schrameier, Vorstandsvorsitzender der WWK Versicherungen, spricht im Interview mit Cash. über das Vertriebsjahr 2014, die zunehmenden Schwierigkeiten der Lebensversicherer in der Kapitalanlage und erklärt, warum sein Haus auch weiterhin auf eine hohe Eigenkapitalquote setzt.

“Bedingt durch das Niedrigzinsumfeld und den entstehenden Kostendruck ziehen sich aktuell etliche Versicherungsgesellschaften aus Teilbereichen des Marktes zurück.”

Cash.: Eine aktuelle Studie der MainFirst Bank [1] prognostiziert der Lebensversicherungsbranche anhaltende Verluste und einen wachsenden Kapitalisierungsbedarf. Inwieweit trägt vor diesem Hintergrund die finanzielle Stabilität zum künftigen Vertriebserfolg bei?

Schrameier: Die WWK ist ein finanzstarker und attraktiver Partner für alle Vertriebe sowohl auf der Produkt- als auch auf der Provisionsseite. Bereits 2014 war für unser Unternehmen ein außerordentlich erfolgreiches Vertriebsjahr. Im Geschäftsfeld Leben [2] konnten unsere Vertriebe die abgerechnete Produktion um über 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern. Die positive Entwicklung ist Resultat der starken Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens WWK und einem gut aufgestellten und bundesweit agierenden Betreuungsteam vor Ort.

Am Markt beobachten wir derzeit ein sich stark veränderndes Umfeld. Bedingt durch das Niedrigzinsumfeld und den entstehenden Kostendruck ziehen sich aktuell etliche Versicherungsgesellschaften aus Teilbereichen des Marktes zurück. Besonders auffällig ist dies bei der Riester-Rente [3]. Davon wollen wir profitieren und weiter Marktanteile gewinnen.

Die WWK ist bekannt dafür, auf eine marktüberdurchschnittliche Eigenkapitalquote zu setzen. Wie hat sich die Quote im Vergleich zu 2013 – als 5,6 Prozent zu Buche standen – entwickelt und welche Ziele verbindet Ihr Haus mit dieser Kennzahl?

Wir haben bereits vor vielen Jahren die strategische Entscheidung getroffen, unsere Eigenkapitalquote nachhaltig auszubauen, um auch für schwierige Situationen am Kapitalmarkt gerüstet zu sein. Den in 2013 bereits weit marktüberdurchschnittlichen Wert haben wir im Geschäftsjahr 2014 noch weiter gesteigert, auf 6,0 Prozent. Aufgrund der sich daraus ergebenden hohen Risikotragfähigkeit können wir flexibel in renditestärkere Anlageformen investieren.

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Wie erfolgreich wir dabei für unsere Kunden an den Chancen der globalen Kapitalmärkte partizipieren, zeigen die Kapitalanlageergebnisse: So weist die WWK mit 5,6 Prozent unter den 50 größten deutschen Lebensversicherern für das Jahr 2013 den höchsten Wert bei der Nettoverzinsung auf. Diesen Wert konnten wir 2014 mit 5,7 Prozent noch einmal erhöhen. Das Unternehmen befindet sich daher in einer hervorragenden strategischen Ausgangslage, um die hohen Anforderungen durch die Niedrigzinsphase zu meistern.

Wie geht Ihr Haus in der Kapitalanlagestrategie vor, um die Nettoverzinsung so lange wie möglich hoch halten zu können?

Eine generelle Empfehlung kann es in dieser Frage nicht geben. Fest steht: Es gibt keinen risikolosen Zins mehr. Um eine angemessene Rendite zu erzielen, ist es erforderlich, in risikobehaftete Anlageklassen zu investieren, seien es Aktien, ausländische Staatsanleihen oder indirekte Immobilieninvestments, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Chancen bieten die Kapitalmärkte nach wie vor – sie zu nutzen ist insbesondere den Gesellschaften möglich, die aufgrund ihrer Ausstattung mit Reservemitteln eine ausreichend hohe Risikotragfähigkeit aufweisen. Die WWK ist außerordentlich substanzstark. Auf dieser Grundlage konnte unser Kapitalanlagemanagement in den letzten Jahren auch unter den aktuell schwierigen Bedingungen sehr positive Kapitalanlageergebnisse erwirtschaften.

Interview: Lorenz Klein

Foto: WWK