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Riester-Rente: Wem nützen die Zulagen?

Es ist im Interesse der Versicherungswirtschaft das Zulagenverfahren der Riester-Rente zu vereinfachen, denn der staatliche Zuschuss entscheidet oftmals darüber, ob sich das Riestern lohnt. Eine neue Studie kommt nun zu dem Schluss, dass die Fördersummen oftmals an der eigentlichen Zielgruppe – den Geringverdienern – vorbeifließt. 

Nur gut die Hälfte der Sparer schöpft die Riester-Förderung voll aus, berichtet der GDV auf Basis jüngster Zahlen der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA).

Nach Ansicht von Klaus-Peter Klapper, Leiter Produkt- und Vertriebsmarketing bei der Stuttgarter Lebensversicherung [1], sollte das komplizierte Riester-Zulagenverfahren vereinfacht werden, “etwa die unterschiedlichen Zulagenhöhe für Kinder, die vor oder ab 2008 geboren wurden”.

Wer die volle Förderung erhalten möchte, muss jährlich mindestens vier Prozent seines rentenversicherungspflichtigen Einkommens einzahlen. Die maximale jährliche Grundzulage beträgt 154 Euro. Hinzu kommen 185 Euro für jedes vor 2008 geborene Kind. Ist der Nachwuchs erst nach 2008 auf die Welt gekommen, haben Riester-Sparer Anspruch auf 300 Euro.

Nur Hälfte der Sparer schöpft Riester-Förderung aus

Deshalb profitieren von der staatlichen Förderung insbesondere Familien – aber auch Geringverdiener. So erhalten alleinerziehende Riester-Sparer mit einem Jahreseinkommen von 15.000 Euro für einen Eigenbeitrag von 261 Euro weitere 339 Euro vom Staat. Die Förderung beläuft sich damit auf 56 Prozent des Gesamtbeitrags.

Auch bei Jahreseinkommen von 50.000 Euro und mehr liegt die Förderquote nach Angaben des Versicherungsverbandes GDV [2] je nach Familienstand zwischen 28 Prozent und 38 Prozent. Allerdings schöpfe nur gut die Hälfte der Sparer die Riester-Förderung voll aus, berichtet der GDV auf Basis jüngster Zahlen der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA).

Gleichwohl erreiche die Riester-Förderung ihr Ziel, beteuert der Verband: Demnach hätten nach der Statistik von 2011 fast zwei Drittel (64,8 Prozent) der Riester-Zulagenempfänger ein Jahreseinkommen von weniger als 30.000 Euro.

Eine zusätzliche Steuerermäßigung, von der in der Tendenz eher Sparer mit höheren Einkommen profitierten, erhalte demgegenüber nur jeder dritte Zulagenempfänger. So können Riester-Sparer über die Zulagen hinaus von Steuerermäßigungen profitieren. Allerdings erkennt das Finanzamt höchstens 2.100 Euro pro Jahr als Sonderausgaben an.

Seite zwei: “Pferdefuß” für Geringverdiener [3]

Für Geringverdiener wiederum kann die Riester-Rente auch einen “Pferdefuß” haben: So führt eine dauerhaft geringfügige Beschäftigung dazu, dass die gesetzliche Rente im Alter nur sehr mager ausfällt – und möglicherweise sogar unterhalb der Grundsicherung liegt.

Eine Riester-Rente wird darauf voll angerechnet, sodass betroffene Geringverdiener keinerlei Nutzen von der privaten Vorsorge hätten. “Förderlich für den Verbreitungsgrad wäre, die Anrechnung von Riester-Renten auf die Grundsicherung abzuschaffen, damit sich riestern auch für Geringverdiener lohnt”, sagt Marktanalyst Michael Franke [4], Geschäftsführer des Analysehauses Franke & Bornberg.

Geringverdiener unterrepräsentiert

Der gleichen Meinung ist Peter Schwark, Mitglied der Hauptgeschäftsführung beim GDV: “Damit mehr Menschen mit geringem Einkommen zum Riestern animiert werden, fordert der GDV seit Jahren, dass die Einnahmen aus einer Riester-Rente nicht auf die Grundsicherung angerechnet werden.”

Die deutschen Lebensversicherer, deren Interessen Schwark vertritt, sind durch eine aktuelle Studie der Freien Universität Berlin und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) [5] in die Defensive geraten. So lautet das Fazit der Studie, dass Geringverdiener beim Riester-Sparen unterrepräsentiert sind. Demnach erhalten die oberen 20 Prozent der Einkommensskala etwa 38 Prozent der staatlichen Fördersumme. Auf die unteren 20 Prozent entfallen dagegen nur sieben Prozent des Geldes.

GDV kritisiert DIW-Studie zur Riester-Rente

GDV-Mann Schwark entgegnet, dass die Studie nicht allein die Verteilung der Zulagen analysiere, sondern auch die steuerlichen Wirkungen in der Ansparphase betrachte. Folglich müsste auch die nachgelagerte Besteuerung der Leistungen in der Rentenphase in Betracht genommen werden, so Schwark. “Das ist nicht der Fall. Die Verteilungswirkungen der Riester-Förderung nach Steuern fallen jedoch deutlich zu Gunsten der sozialpolitischen Zielgruppen aus.” Dieser Effekt bleibe in der Studie “leider unberücksichtigt”, sagt der Versicherungsexperte.

Zudem sei die Riester-Förderung “bewusst für alle Einkommensgruppen konzipiert”, betont Schwark, denn das fallende Rentenniveau treffe “das Gros der Bevölkerung”. Dass die Riester-Rente dabei sowohl für Geringverdiener als auch für finanziell besser Gestellte Vorteile habe, davon ist der GDV-Vertreter überzeugt: “Die Zulagen erreichen in ihrer Gesamtwirkung überwiegend Menschen mit geringem und mittleren Einkommen und Familien, die Steuerersparnis wirkt positiv bei Besserverdienern.” (lk)

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