- Finanznachrichten auf Cash.Online - https://www.cash-online.de -

Berufsunfähigkeit: Der Versicherte ist in der Beweislast!

Es obliegt dem Versicherten, die umfangreichen Fragen des Versicherers im Rahmen des Leistungsantrages auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) zu beantworten. Dabei gilt es, umfangreiche und umfassende Tätigkeitsbeschreibungen vor und nach Eintritt der Berufsunfähigkeit anzufertigen. Ein Bericht aus der anwaltlichen Praxis.

Gastbeitrag von Björn Thorben M. Jöhnke, Kanzlei Jöhnke & Reichow Rechtsanwälte

“Mit dem Leistungsantrag werden bereits die Weichen für ein weiteres Verfahren gegen den Versicherer gestellt.”

Die Tätigkeitsbeschreibungen sind zwingend notwendig, denn der Versicherte muss dem Versicherer gegenüber darlegen, dass er seine zuletzt konkret ausgeübte Tätigkeit [1] nicht mehr ausüben kann. Der Versicherte ist in der Beweislast für den Eintritt des Versicherungsfalls, also für das Vorliegen der Berufsunfähigkeit.

Zuletzt konkret ausgeübter Beruf: Qualitätsmanager

Dazu ein aktueller Fall aus der anwaltlichen Praxis: Nachdem der Versicherte seinen ursprünglich ausgeübten Beruf als Qualitätsmanager – zuständig für Zertifizierungen in einem großen Unternehmen – gesundheitsbedingt nicht mehr ausüben konnte, zeigte dieser dem Versicherer den Versicherungsfall an und bat um entsprechende Leistungsantragsunterlagen. Der Versicherer übersandte so dann eine Fülle von Unterlagen [2].

Alle Reaktionsmöglichkeiten des Versicherers erörtern

Im Rahmen der Bearbeitung des Leistungsantrags ist für die beauftragte Kanzlei vor allem wichtig, alle Reaktionsmöglichkeiten des Versicherers zu erörtern. Insbesondere muss der Versicherte darüber beraten werden, was der Versicherer mit den in dem Leistungsantrag gestellten Fragen genau wissen möchte. Der “Teufel” steckt bekanntlich im Detail, hier also zwischen den Zeilen und bedarf somit der Aufklärung des Versicherten. Auch gilt es die entsprechenden Unterlagen auszuwerten, die dem Leistungsantrag [3] beizufügen sind. Dazu zählen ärztliche Nachweise wie Befunde, Diagnosen und Atteste sowie unter anderem Lohn- und Gehaltsnachweise und Steuerbescheide.

Seite zwei: Berufsunfähigkeits-Verfahren beginnt bereits mit dem Leistungsantrag [4]

Der Versicherte ist dabei auf alle Möglichkeiten und Eventualitäten eines Ausgangs des Berufsunfähigkeits- beziehungsweise Leistungsantrags-Verfahrens hinzuweisen. Dabei muss auch in diesem “frühen” Stadium des BU-Verfahrens ein etwaiges gerichtliches Verfahren erörtert sowie insbesondere auf die entsprechende Beweislast hingewiesen werden. Auch etwaige Kostenrisiken eines außergerichtlichen sowie gerichtlichen Verfahrens sind dem Versicherten transparent darzulegen und nachvollziehbar aufzuzeigen.

Anerkennung der Berufsunfähigkeit nach sechs Tagen

In dem vorliegenden Fall wurde der Leistungsantrag bereits nach sechs Tagen durch den Versicherer vollumfänglich bewilligt. Dementsprechend musste auch kein förmliches außergerichtliches Verfahren gegen den Versicherer geführt werden, denn dieser hatte alle vertraglichen Ansprüche des Versicherten [5] unbefristet anerkannt. Der Versicherer kehrte dabei auch rückwirkend alle vertragsgemäßen Leistungen an den Versicherten aus. Dazu gehörten nicht nur die Berufsunfähigkeitsrenten, sondern auch die in der Vergangenheit zu viel gezahlten Beiträge, die für den Zeitraum der Berufsunfähigkeit zurückerstattet und für die Zukunft gestundet wurden.

Berufsunfähigkeits-Verfahren beginnt bereits mit dem Leistungsantrag

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das sogenannte Berufsunfähigkeits-Verfahren bereits mit dem Leistungsantrag beginnt. Aus diesem Grund sollte frühestmöglich kompetente und qualifizierte Unterstützung in Anspruch genommen werden. Dieses ist auch für ein weiteres BU-Verfahren nach einer möglichen Ablehnung des Leistungsantrags durch den Versicherer sehr wichtig, da mit diesem Leistungsantrag bereits die Weichen für ein weiteres Verfahren gegen den Versicherer gestellt werden.

Der Autor Björn Thorben M. Jöhnke [6] ist Rechtsanwalt und Partner in der Kanzlei Jöhnke & Reichow Rechtsanwälte in Partnerschaft mbB [7].

Foto: Jöhnke & Reichow Rechtsanwälte