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Private Absicherung: Alle Macht der Bruttobeitragsgarantie

Die Bruttobeitragsgarantie sieht vor, dass die Versicherten am Ende der Vertragslaufzeit zumindest die von ihnen eingezahlten nominalen Beiträge zurückerhalten, also eine Garantie von null Prozent gewährt bekommen. Immerhin, denken sich viele Sparer – doch dieser Kleinmut kann sich rächen.

Der Spatz in der Hand muss reichen: Viele Sparer in Deutschland legen Wert darauf, dass sie mindestens ihre eingezahlten Beiträge zurück erhalten. Da ist die Rendite nicht so wichtig.

Schon eine Garantie-Verzinsung von wenig mehr als ein Prozent ergibt aus Sicht von manchen Altersvorsorge-Experten eine Ruhe, die trügerisch ist. “Mit einem Garantieprodukt kann im aktuellen Niedrigzinsumfeld keine ausreichend hohe Rendite mehr erzielt werden”, sagt Dr. Claus Mischler, Leiter Produktentwicklung und Marketing beim britischen Versicherer Standard Life in Deutschland, im Interview mit Cash [1].

Garantie versus Sicherheit

In vielen Fällen werde dies zur Folge haben, dass die Verbraucher ihre Vorsorgelücke auch nicht mit einer höheren staatlichen Förderung schließen könnten. “Dies kann eigentlich nicht im Sinne des Gesetzgebers sein”, meint Mischler. Er würde sich daher wünschen, dass die Politik den Bürgern bei der staatlich geförderten Altersvorsorge die gleichen Wahlmöglichkeiten biete, die sie auch in der privaten Vorsorge hätten, also auch Produkte ohne Bruttobeitragsgarantie zulässig wären. “In den vergangenen Jahren sind moderne Absicherungsmechanismen und Anlagekonzepte entwickelt worden, die unter Beweis gestellt haben, dass sie das Kapitalmarktrisiko deutlich reduzieren und gleichzeitig eine ausreichend hohe, stabile Rendite für den Kunden generieren können. Dies sind aus meiner Sicht die Lösungen der Zukunft”, betont der Standard-Life-Mann.

Doch gegenwärtig erscheint es noch sehr fraglich, dass Politiker und Verbraucher den Mut haben, ihren eng umrissenen, aber dafür behaglich eingerichteten Garantie-Kokon zu verlassen. “Der Staat garantiert, dass alle Riester-Inhaber ihr Geld ausgezahlt bekommen”, versprach Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) dann auch eilfertig, nachdem die Rufe nach einer Rückabwicklung der Riester-Rente immer lauter wurden. “Garantie” klingt in den Ohren der Sparer eben doch solider und erst recht nicht so sperrig wie “moderne Absicherungsmechanismen”.

“Bewusstsein für Chance und Risiko bei Verbrauchern bedarf einer Schärfung”

Neben Produktmanager Mischler ist auch Marktanalyst Dr. Reiner Will der Ansicht, dass das Bewusstsein für Chance und Risiko bei den Verbrauchern einer “Schärfung” bedürfe [2]. “Es gehört zu den elementaren ökonomischen Grundsätzen, dass höhere Renditechancen auch mit höheren Risiken einhergehen et vice versa. Der Blick darauf ist aber vielen Anlegern nicht geläufig”, sagt der Geschäftsführer des Analysehauses Assekurata in Köln. Initiativen wie die Produktinformationsstelle Altersvorsorge – kurz PIA – seien zumindest “ein Schritt in die richtige Richtung”, lobt der Analyst.

Seite zwei: Volkswohl Bund und R+V setzen auf die Indexpolice [3]

Christian Schröder, Marketingleiter der Volkswohl Bund Versicherungen in Dortmund, ist bestrebt, die Vorsorgeprodukte seines Unternehmens mit dem richtigen Mix aus Chance und Risiko für die Kunden auszustatten. “Sicherheit und Rendite passen auch in Zeiten anhaltender Niedrigzinsen bei der privaten Altersvorsorge zusammen”, ist Schröder überzeugt. Exemplarisch führt er die indexgebundene Rentenversicherung [4] “Klassik modern” an, die die Dortmunder Anfang 2015 eingeführt haben.

Indexpolice bereitet Volkswohl Bund Freude

Kernstück ist dabei, dass der Kunde seine Überschussbeteiligung in einen Börsenindex investieren kann. Zur Auswahl stehen der Dax und der Euro Stoxx 50. Dadurch könne der Versicherte die Chancen nutzen, die der Aktienmarkt biete, so Schröder, ohne ein Verlustrisiko einzugehen. Denn, so heißt es in der entsprechenden Produkt-Broschüre: “Sie können sich sicher sein, dass Ihnen zum Rentenbeginn mindestens Ihre eingezahlten Beiträge zur Verfügung stehen.” Um die Bruttobeitragsgarantie sicherstellen zu können, verlangt der Versicherer seinen Kunden einen Rendite-Verzicht ab. Dies geschieht beim Volkswohl Bund über eine so genannte Indexquote, das heißt der Sparer ist beispielsweise nur zu 70 Prozent an positiven Indexrenditen beteiligt.

Ein Hemmschuh im Verkauf ist das aber nicht – im Gegenteil. “Unsere Vertriebspartner haben das Produkt sehr gut aufgenommen”, freut sich der Manager. Demnach handelte es sich 2015 bereits bei jeder dritten beim Volkswohl Bund abgeschlossene Rentenversicherung um eine “Klassik modern”-Variante – Tendenz steigend. “Im ersten Quartal 2016 haben wir schon 60 Prozent unserer Rentenversicherungen als Klassik modern policiert”, ergänzt Schröder.

R+V-Leben-Chef Florian lobt Riester-Rente

Bei der R+V in Wiesbaden betont Leben-Chef Frank-Henning Florian unterdessen, dass man auch weiterhin die gesamte Produktpalette an Altersvorsorgelösungen anbieten werde, “von der bAV und klassischen Garantieprodukten über indexbasierte bis hin zu fondsbasierten Versicherungen”. Gerade die Riester-Rente erreiche, so gut wie kein anderes Instrument der privaten Vorsorge, die unteren Einkommensgruppen und schließe damit zukünftige Versorgungslücken, versichert Florian. “Welche Zukunftsvorsorge-Lösung für den jeweiligen Kunden im Einzelfall die beste ist, sollte stets in einem ausführlichen und ganzheitlichen Beratungsgespräch geklärt werden.” (lk)

Lesen Sie den vollständigen Artikel im aktuellen Sonderheft Rendite+ 2/2016 “Altersvorsorge” [5].

Foto: Shutterstock