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Fondsgebundene Policen: Zwei Schritte vor, keiner zurück

Klassische Lebens- und Rentenversicherungen gelten bei vielen Anlegern als zunehmend unattraktiv. Gefragt sind stattdessen kapitalmarktnahe Produkte wie fonds- und indexgebundene Policen. Welchen Beitrag können die neuen Konzepte zu einer effektiven und nachhaltigen Altersvorsorge der Deutschen leisten?

Zwei Schritte vor, keiner zurück: Sieht so eine Trendwende aus?

Endlich wieder Wachstum – und das fast zweistellig! Knapp neun Prozent mehr Vertragsabschlüsse im Segment der fondsgebundenen Versicherungen [1] verzeichnete die deutsche Assekuranz im Jahr 2014 gegenüber dem Vorjahr.

Ist die Trendwende da?

In Stückzahlen lag der Neuzugang bei rund 830.000 Verträgen (2013: 761.000), ergab die Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft [2] (GDV).

Zwar wurden im Boom-Jahr 2000 anderthalb mal so viele Verträge (1,28 Millionen) abgesetzt – und auch 2005 (1,25 Millionen) und 2010 (1,14 Millionen) liefen die Geschäfte noch deutlich besser. Doch die Branche ist bescheidener geworden, nachdem das Neugeschäft mit Fondspolicen in den letzten Jahre stetig rückläufig war.

Ist das schon die sehnlichst erwartete Trendwende? “Kann sein, vielleicht”, müsste wohl die ehrliche Antwort lauten, denn für das Geschäftsjahr 2015 liegen noch keine offiziellen Zahlen vor – gleichwohl zeichnen sich erste Tendenzen ab.

Geschäfte laufen noch nicht ganz rund

So beobachtet Professor Dr. Frank W. Mühlbradt vom Münchener Analysehaus Finanz Research sehr genau, was sich im Markt abspielt.

Seine Erkentnisse legt er im jährlich erscheinenden Fondspolicen-Report dar: “Wir haben in unserem Fondspolicen-Report 2016 die Lage der Sparte im abgelaufenen Jahr 2015 so beschrieben: ‚Das Neugeschäft war besser als befürchtet, aber nicht da, wo es sein soll‘”, erläutert Mühlbradt.

Diese Aussage beruhe auf Interviews, so der Analyst, die er mit “namhaften Fondspolicen-Versicherern in Deutschland” geführt habe. Dass die Geschäfte noch nicht ganz rund laufen, führt Mühlbradt vor allem auf die Finanzmarktkrise 2008 zurück.

Seite zwei: 2008 steckt Sparern in den Knochen [3]

Die Auswirkungen der Krise auf das Sparverhalten [4] der deutschen Privathaushalte seien bis heute “unübersehbar”.

“War es in den Jahren bis 2008 so, dass bei positiver Aktienkursentwicklung mit einem gewissen ‘time lag’ der Fondspolicen-Absatz ansprang, gilt dieses ‘Fondspolicen- Verkaufsgesetz‘ derzeit nicht mehr”, sagt der Marktbeobachter.

Die Konsequenz sei, so Mühlbradt, dass “echte Fondspolicen” nur von Lebensversicherern im signifikanten Ausmaß abgesetzt werden könnten, die mit “fondsaffinen Maklern” zusammenarbeiteten.

Unter “echten Fondspolicen” versteht Mühlbradt Verträge, deren Verzinsung zu 100 Prozent von der Performance regulierter Investmentfonds [5] abhängig ist. Policen, die dem Kunden eine Mindestgarantie gewähren, damit dieser aufgrund eines Börsenabschwungs nicht mit komplett leeren Händen zum Ablauftermin dasteht, zählt der Fondsexperte ausdrücklich nicht dazu.

Defintion “fondsgebundene Versicherung” gibt es nicht

Doch eine allgemein gültige Defintion des Begriffs “fondsgebundene Versicherung” gibt es nicht. Dies führt dazu, dass Versicherer einen großen Spielraum haben, wenn es darum geht, ihre Vorsorgelösungen als sicher und zugleich als investmentnah und damit renditestark zu vermarkten.

Mühlbradt ärgert das: “Den Ansatz, Produkte als Fondspolicen mit Renditechancen verkaufen zu wollen, bei denen überhaupt nicht in regulierte Investmentfonds [6] investiert wird, sehe ich sehr kritisch.” (lk)

Lesen Sie den vollständigen Artikel in der aktuellen Cash.-Ausgabe 03/2016 [7].

Foto: Shutterstock