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“Klassische Rente kann heute nicht mehr erste Wahl sein”

Dr. Patrick Dahmen, Mitglied im Vorstand der Axa Konzern AG und dort zuständig für das Ressort Vorsorge, sprach mit Cash. über die Zukunft der klassischen privaten Rentenversicherung, die Produktstrategie des Kölner Versicherers und das Gelingen einer Kapitalanlagepolitik in einem Null-Zins-Umfeld.

Patrick Dahmen: “Es ist heute wichtig, sich auf die für den Kunden essenziellen Garantien zu konzentrieren.”

Cash.: Berechnungen der Ratingagentur Assekurata zufolge müssen Kunden in der privaten Rentenversicherung erneut auf Rendite verzichten: Die laufende Verzinsung aus Garantiezins und Überschussbeteiligung sinkt in 2016 von durchschnittlich 3,16 auf 2,86 Prozent. [1] Auch die Leben-Kunden der Axa und der DBV müssen sich mit 0,3 Prozentpunkten weniger Rendite zufrieden geben, liegen aber immerhin mit 3,1 Prozent über dem Marktdurchschnitt. Warum mussten Sie die laufende Verzinsung nicht stärker absenken?

Dahmen: Grundsätzlich verfolgen wir seit Jahren eine längerfristige Investitionsstrategie, die auch den längerfristigen Verpflichtungen gegenüber unseren Versicherungsnehmern gerecht wird. Wir betreiben somit ein konsequentes Durationsmanagement – das sogenannte Asset Liability Management. Dank dieser Kapitalanlagepolitik verfügen wir über ein hohes Niveau an stillen Reserven [2].

Zudem legen wir unsere Kapitalanlagen entsprechend breit gestreut an und profitieren von Illiquiditätsaufschlägen bei bestimmen, nicht jederzeit veräußerbaren Kapitalanlagen. Da wir von einem längerfristig niedrigen Zinsumfeld [3] ausgehen, nutzen wir auch kontinuierlich neue Investitionsmöglichkeiten, wie zum Beispiel in Alternative Investments, um attraktive Renditeaufschläge zu erwirtschaften. Und durch Aufstockung unseres Aktienexposures konnten wir an der positiven Entwicklung an den Aktienmärkten ebenfalls partizipieren. Infolge dieser Kapitalanlagepolitik können wir eine Rendite erwirtschaften, die es uns ermöglicht, eine Überschussbeteiligung oberhalb des Marktes zu zahlen.

Um der schwindenden Attraktivität klassischer Lebens- und Rentenversicherungen etwas entgegenzusetzen, arbeitet die Branche verstärkt an neuen Policen, die mit geringeren Garantieleistungen ausgestattet sind. Doch bislang ist nicht sicher, ob die Klassik-Alternativen die Lücke füllen können. Wie beurteilen Sie die Entwicklung?

Wir wissen, dass Garantien dem Kunden wichtig sind. Allerdings kosten Garantien [4] immer Rendite, die Finanzierung einer bestehenden Rentenlücke wird bei sinkenden Zinsen also immer teurer. Wir bieten die klassische Rentenversicherung nach wie vor an, weisen in der Beratung jedoch darauf hin, dass sie heute nicht mehr erste Wahl für die Altersvorsorge sein kann. Es ist heute wichtig, sich auf die für den Kunden essenziellen Garantien zu konzentrieren. Aus vielen Befragungen bei Kunden und Vermittlern hat sich für uns ergeben, dass Kunden “kein Geld verlieren wollen”. Also sollten die eingezahlten Beiträge erhalten bleiben. Genau hier können Lebensversicherer punkten. Sie können Garantien über den Deckungsstock generieren, der Risiken über die Zeit und das Kollektiv ausgleicht.

Diesen Vorteil nutzen wir auch bei unserem neuen Altersvorsorgenangebot “Relax Rente”, mit dem wir schon Anfang 2014 an den Markt gegangen sind. Die Relax Rente bietet eine Bruttobeitragsgarantie über den klassischen Deckungsstock [5]. Finanzielles Potenzial bietet darüber hinaus die Kombination aus Indexpartizipation und Fondsanlage. Während der Vertragslaufzeit kann dann über unterschiedliches Bedienen dieser Bausteine die Altersvorsorge an neue Lebensumstände angepasst werden. Wir sind davon überzeugt, dass die Relax Rente sich heute definitiv besser für die Altersvorsorge eignet als das klassische Modell. Für eine etwas geringere Garantie hat der Kunde deutlich bessere Renditechancen – Rendite, die er in Zeiten niedriger Zinsen dringend benötigt, um Lücken in der Altersvorsorge [6] zu schließen.

Seite zwei: “Der Ruhestand hat sich gewandelt [7]

Das Hauptaugenmerk der Produktgestalter liegt nach wie vor auf die Ansparphase. Nun hat Ihr Haus die Auszahlphase ins Visier genommen und zu Jahresbeginn ein entsprechendes Produktkonzept lanciert. Was hat Sie dazu bewogen?

Der Ruhestand hat sich gewandelt, das zeigen viele Umfragen, so auch unser “Axa Deutschland Report”. Heutige Ruheständler sind zumindest in der ersten Phase deutlich aktiver als frühere Generationen. Sie wünschen sich Sicherheit, Renditechancen benötigen sie für eine auskömmliche Rente, vor allem aber möchten sie finanziell flexibler sein. Dazu passt die bisherige, eher starre Auszahlphase in der klassischen Rentenversicherung nicht mehr. Die Relax Rente bietet all dies, bislang aber nur für die Ansparphase.

Mit unserer neuen Performance Flex für die Auszahlphase bieten wir diese Möglichkeiten nun auch für die Ruhestandsphase – in Form von Sicherheit über Garantien, Renditechancen über Indexpartizipationen und eine sehr flexible Ausgestaltung mit vielen Wahlmöglichkeiten. Mit Performance Flex bieten wir ein transparentes, flexibles und renditestarkes Rentenkonto, mit dem wir derzeit Vorreiter im deutschen Vorsorgemarkt sind. Nicht zuletzt deswegen hat bereits jetzt das Institut für Vorsorge- und Finanzplanung das begehrte Qualitätssiegel “Erstklassiges Verrentungsprodukt” an Performance Flex vergeben.

Welche vertrieblichen Erwartungen stellen Sie an das neue Produkt?

Wir sind sehr zufrieden mit der Akzeptanz der Relax Rente bei Kunden und Vertriebspartnern, das Produkt wird sehr gut angenommen. Ende 2015 hatten wir bereits über 43.000 Verträge verkauft mit einer Neugeschäftssumme von über 80 Millionen Euro APE, also “annual premium equivalent”, definiert als die Summe aus Neugeschäft an laufenden Beiträgen und zehn Prozent der Einmalbeiträge. Das ist ein schöner Erfolg. Mit Einführung der neuen Auszahlphase Performance Flex erweitern wir das Angebot der Relax Rente nun nochmals deutlich im Rentenbezug in einer völlig neuen Form, die genau das abbildet, was sich Ruheständler heute wünschen. Viele Vertriebspartner haben dies bereits erkannt – Kunden werden das auch.

Interview: Lorenz Klein

Foto: Jochenrolfes.de