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“Klassische Lebensversicherung spielt eine untergeordnete Rolle”

Cash. sprach mit Dr. Thomas Wiesemann, Vorstand der Allianz Lebensversicherungs-AG, über die Rolle der klassischen Lebensversicherung und erfolgreiche Investitionsstrategien.

Dr. Thomas Wiesemann: “Wir haben uns sehr früh mit innovativen Ansätzen beschäftigt und in den letzten Jahren eine ganze Reihe an neuen Vorsorgeprodukten entwickelt.”

Zum 1. Januar 2017 sinkt der Garantiezins weiter von 1,25 Prozent auf 0,9 Prozent. Wird denn die klassische Lebensversicherung in Zukunft überhaupt noch eine Rolle spielen?

Wiesemann: Die klassische Lebensversicherung [1] spielt bei uns schon heute nur noch eine untergeordnete Rolle. Im Neugeschäft im Bereich der privaten Altersvorsorge [2] macht sie in diesem Jahr einen Anteil von unter zehn Prozent aus. Wenn man das mit der Situation vor nur einigen Jahren vergleicht, dann sieht man, dass sich die Struktur des Geschäfts enorm verändert hat. Wir haben uns sehr früh mit innovativen Ansätzen beschäftigt und in den letzten Jahren eine ganze Reihe an neuen Vorsorgeprodukten entwickelt. Auf diese Vorsorgekonzepte inklusive der Risikoprodukte entfallen mittlerweile somit mehr als 90 Prozent unseres Neugeschäfts. Diese Produkte sind Wachstumstreiber, weil sie auf die Herausforderungen unserer Zeit die richtige Antwort geben. Wir befinden uns ja nicht nur in einer Phase der niedrigen Zinsen, sondern auch in einer Phase einer fragilen Weltwirtschaft und hoher Schwankungsanfälligkeit auf den Kapitalmärkten. Beides spüren die Verbraucher, beides gilt es, in den Produkten zu berücksichtigen. Unsere neuen Produkte, mit denen wir eine neue Balance aus Sicherheit und Rendite geschaffen haben, verbinden beide Elemente, auf die es jetzt ankommt: chancenorientiertes Investieren in Kombination mit wesentlichen Garantien.

Welche Rolle spielt das Einmalbeitragsgeschäft bei Ihren alternativen Vorsorgekonzepten?

Bei unseren Vorsorgekonzepten mit mehr Ertragschance – sprich den Vorsorgekonzepten “Perspektive”, “Index Select”, “Komfort Dynamik” und “Invest Flex” – machen Verträge mit Einmalbeitrag bei den Neuabschlüssen einen Anteil von knapp 25 Prozent aus. Die zunehmende Bedeutung hat auch viel mit der Altersstruktur in Deutschland zu tun. Die Ergebnisse im Lebensversicherungsgeschäft wurden im dritten Quartal von einer höheren Marge aus Kapitalanlagen trotz der historisch niedrigen Zinsen begünstigt.

Seite zwei: “Wir bauen vor allem Substanzwerte aus” [3]

In welche Anlageklassen investieren Sie aktuell?

Eine Verbreiterung der Anlageklassen ist wichtig, besonders angesichts der derzeit niedrigen Zinsen. Wir bauen vor allem die Substanzwerte aus, diese spielen bei der Neuanlage eine wichtige Rolle. Wir investieren in diesem Bereich in Immobilien und Aktien, aber auch in Infrastruktur. Wir haben eine sehr langfristige Verpflichtungsstruktur und können für unsere Kunden mit Infrastrukturanlagen eine attraktive Rendite generieren. Wir investieren unter anderem in erneuerbare Energien, in diesem Bereich sind wir einer der weltweit größten Finanzinvestoren mit über 60 Windparks [4] in Europa und den USA. Auch der Schienenverkehr in Deutschland und England gehört zu unserem Portfolio, genauso wie Autobahnen in Frankreich und den USA [5]. Darüber hinaus sind wir am größten Infrastrukturprojekt Großbritanniens beteiligt, einer neuen Abwasserinfrastruktur für London. Gerade in Zeiten wie diesen profitieren unsere Versicherten von solchen Investitionen. Deutsche Staatsanleihen [6] spielen für unsere Neuanlage im aktuellen Umfeld dagegen keine Rolle mehr.

Lesen Sie das vollständige Interview in der aktuellen Cash.-Ausgabe 1/2017 [7].

Interview: Kim Brodtmann

Foto: Christian Kaufmann / Allianz