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“Riester-Renditen können sich sehen lassen”

Frank Nobis, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP), sagt im zweiten Teil des Cash.-Interviews, warum er den “Drei-Säulen-Mix” in der Altersvorsorge für “absolut zukunftsfähig” hält und erläutert, warum man den Staat nicht zum Portfoliomanager machen sollte.

“Die hessische Deutschland-Rente ist ganz sicher nicht die Zukunft. Den Staat zum Portfolio-Manager unserer Altersrücklagen zu machen, halte ich für sehr gefährlich.”

Die Riester-Rente gerät zunehmend unter Druck. Manche Politiker erklären sie für “gescheitert” [1] und wollen der betrieblichen Altersversorgung (bAV) ein größeres Gewicht geben. Wieder andere befürworten eine “Deutschland-Rente” auf Basis eines Staatsfonds [2]. Welcher System-Mix ist der “richtige”?

Nobis: Die Riester-Rente wurde in den letzten Jahren systematisch kaputtgeredet. Wenn dann natürlich auch noch ranghohe Politiker die populistischen Aussagen einiger Verbraucherschützer ohne Verstand aufgreifen, hat ein im Grunde sinnvolles Instrument zum Aufbau der Altersvorsorge keine Chance. Eine aktuelle Studie unseres Instituts mit 1.275 untersuchten Riester-Verträgen [3], die sich bereits in der Rentenphase befinden, weist eine durchschnittliche Rendite der eingezahlten Beiträge nach Kosten und Steuern in Höhe von 3,64 Prozent p.a. aus. Das ist umso bemerkenswerter, weil es sich bei diesen Verträgen um die Kurzläufer, das heißt zwischen zwölf und 15 Jahre Laufzeit handelt. Das kann sich wahrlich sehen lassen.

Die hessische Deutschland-Rente ist ganz sicher nicht die Zukunft. Den Staat zum Portfolio-Manager unserer Altersrücklagen zu machen, halte ich für sehr gefährlich. Im Übrigen wird auch der als großes Vorbild dienende Staatsfonds in Norwegen die angeblich tollen Renditen von fünf Prozent p.a. in Zukunft nicht halten können. Sinnvoll ist sicherlich der Gedanke, die bAV mit einem Opt-out zu versehen. Nur dadurch kann eine höhere Durchdringung insbesondere in den derzeit noch unterversorgten kleinen und mittleren Unternehmen erreicht werden. Aber das können wir auch in unseren bestehenden Versorgungssystemen umsetzen. Unser Mix in den drei Säulen ist absolut zukunftsfähig. Wir haben aber Reformbedarf in den Details.

Welche Erfahrungen und Lehren aus anderen Ländern sollten berücksichtigt werden, wenn es darum geht, die deutsche Vorsorgelandschaft der Zukunft zu planen?

Nobis: Die allermeisten anderen Länder blicken mit einer gehörigen Portion Neid auf unsere Alterssicherungssysteme. Dennoch können wir von Erfahrungen im Ausland profitieren. Das von mir schon erwähnte Opt-out im Bereich der bAV ist sicherlich sinnvoll. Zudem legen insbesondere die angelsächsischen Länder weniger Wert auf Garantien und haben mehr Vertrauen in die Kapitalmärkte. Dieses Vertrauen müssen wir in der Bevölkerung aufbauen. Und weniger Bürokratie täte uns auch gut.

Seite zwei: “Wir brauchen eine Stärkung der drei Säulen der Alterssicherung” [4]

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat sich angesichts der Alterung der Gesellschaft für einen späteren Rentenbeginn ausgesprochen [5]. Würde die Umsetzung des Vorschlags den Druck auf die Menschen mildern, privat für das Alter vorzusorgen?

Nobis: Der Vorschlag von Schäuble ist nicht neu und nach wie vor sinnvoll. Wir müssen die gesetzliche Rente demografiefest machen. Die Formel ist doch denkbar einfach. Wer wenig für die Finanzierung der umlagefinanzierten Rente tut, also wer keine oder wenig Kinder in die Welt setzt und wer wenig Einkommen generiert und dadurch wenig Beiträge zahlt, kann in einer immer älter werdenden Gesellschaft auch keine hohe Rente erwarten. Das muss man den Menschen aber auch einmal deutlich sagen. Die Blüm’sche GRV-Propaganda hat die Vollkasko-Mentalität in Bezug auf die gesetzliche Rente über zu viele Jahre zementiert. Wir brauchen einen Mix an Maßnahmen, eine Stärkung der drei Säulen der Alterssicherung und vor allem eine bessere Aufklärung der Bürger. Dann wird es auch weniger Altersarmut und damit glücklichere Menschen geben.

Hier geht es zum ersten Teil des Interviews mit Frank Nobis [6].

Interview: Lorenz Klein

Foto: Michael Sommer