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Riester kann der richtige Schachzug sein

Die Riester-Rente ist ein streitbares Produkt. Sie aber pauschal abzustrafen ist unklug. Für viele Sparer bleibt sie ein sinnvoller Baustein für ihre Altersvorsorge. Gastbeitrag von Christoph Dittrich, Softfair Analyse.

Christoph Dittrich, Geschäftsführer Softfair: “Riester pauschal abzulehnen, ist zu klein gedacht.”

Vor 15 Jahren kam die Riester-Versicherung [1]. Zu Beginn euphorisch gefeiert, muss die staatlich geförderte Altersvorsorge mittlerweile viel Häme über sich ergehen lassen. Sie sei zu kompliziert, zu bürokratisch. Vor allem würde sie sich nicht lohnen: zu wenig renditeträchtig, zu hohe Kosten durch Provision und Verwaltung.

Der Kritikpunkt “Kosten” hat im Vergleich zu anderen Altersvorsorge-Formen sicherlich seine Berechtigung. Riester ist – überspitzt ausgedrückt – ein bürokratisches Monster. Entsprechend hoch sind die Verwaltungskosten.

Warten auf den Staat nicht sinnvoll

Das dauerhaft niedrige Zinsniveau bei gleichbleibend hohen Verwaltungskosten macht es den Produktanbietern zunehmend schwer, Renditen oberhalb der Garantie zu erwirtschaften. Aber deshalb Riester pauschal abzulehnen, ist zu klein gedacht. Ebenso ist es nicht sinnvoll, darauf zu warten, dass der Staat neue Fördermodelle für eine Altersvorsorge etabliert.

Derzeit diskutieren Politiker, Medien und Verbraucherschützer über die „Deutschland-Rent [2]e“. Doch wie lange soll man auf sie oder auf andere Modelle warten? Es gilt, die aktuell zur Verfügung stehenden Absicherungsformen optimal für sich zu nutzen. Ein Riester- Vertrag kann hier ein sinnvoller Baustein sein. Die Frage, ob er sich rechnet, hängt stark von den individuellen Faktoren ab.

Attraktiv für Geringverdiener

Das Einstiegsalter spielt hier eine Rolle, ebenso wie beispielsweise das Einkommen und die Anzahl der Kinder. Wer früh einsteigt – also über einen langen Zeitraum in seinen Vertrag einzahlt, der profitiert auch im höheren Maße am Zinseszinseffekt. Vor allem Gering [3]– und Mittelverdiener machen einen guten Schnitt mit Riester, da die Förderung, die der Staat beisteuert, in Relation zum Eigenaufwand entsprechend hoch ist.

154 Euro gibt es pro Sparer im Jahr für jeden, der vier Prozent seines Bruttojahresgehaltes für seinen Vertrag zurücklegt. Für jedes Kind, das nach 2008 geboren wurde, gibt es weitere 300 Euro. Dazu Steuervorteile bis zu 2.100 Euro jährlich. Für Berufseinsteiger gibt es zudem einmalig einen Bonus von 200 Euro im ersten Jahr. Das bietet in dieser Form nur die Absicherung mit Riester.

Überraschenderweise entscheiden sich aber mehr Besserverdienende für einen Abschluss. Grund hierfür könnte sein, dass Klein- und Mittelverdiener sich scheuen, den geforderten Mindestbeitrag zu zahlen. Sicherlich motiviert auch die Anrechnung auf die staatliche Grundsicherung nicht gerade zu einer Unterschrift unter einen Riester-Antrag.

Seite zwei: Herausforderung Beitragsgarantie [4]

Herausforderung Beitragsgarantie

Einer der größten Pluspunkte der Riester-Rente [5] wird mehr und mehr zur Herausforderung: Der Gesetzgeber sieht vor, dass zum Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge zur Verrentung zur Verfügung stehen.

Der gesunkene Rechnungszins hat die Beitragsgarantie in den vergangenen Jahren aber erheblich verteuert. Dies wirkt sich nicht nur negativ auf die garantierte Rente, sondern auch auf die Gesamtrente aus.

Fondsgebundene Riester-Rente

Anders ist dies bei der fondsgebundenen [6] Variante. Naturgemäß hat sie höhere Renditechancen als ihre klassische Schwester. Der Sparer investiert seine Beiträge am Aktienmarkt. Durch den zumeist langen Anlagehorizont ist das Risiko entsprechend gering. Bei der fondsgebundenen Riester-Rente ist die gewählte freie Fondsanlage der wichtigste Faktor für die spätere Gesamtrendite.

Daher ist darauf zu achten, dass der Produktanbieter eine breite Palette an Fonds für die freie Anlage anbietet. So kann der Sparer sich haargenau die Anlage aussuchen, die seiner Risikoneigung entspricht. Auch bei der fondsgebundenen Riester-Versicherung kann der Kunde aus einem Sortiment an Produkten mit unterschiedlichen Garantiemodellen schöpfen. Welche Modelle bietet der Markt?

Statisches 2-Topf-Hybrid

Bei diesem Anlagemodell wird der Sparbeitrag auf zwei Töpfe aufgeteilt. Zum einen in den Deckungsstock (Sicherungsvermögen) und zum anderen in die Investmentfonds (freie Anlage). Die Beitragsgarantie wird hier durch den Deckungsstock gesichert. Diese entspricht zu jedem Zeitpunkt während der Vertragslaufzeit dem Barwert der Garantie.

Im Investmentbereich findet man die Chance auf Rendite, weil die Fonds an der Börse gehandelt werden. Da keine Umverteilung innerhalb der beiden Töpfe stattfindet, wird das Modell als statisch bezeichnet.

Seite drei: Indexrente [7]

Indexrente

Hierbei handelt es sich um ein Produkt mit klassischem Kern. Zusätzlich kann der Sparer in regelmäßigen Abständen wählen, ob die Überschüsse festverzinslich investiert werden sollen oder ob er an der Entwicklung eines Aktienindexes partizipieren möchte. Hinsichtlich der Wertentwicklung ist der Index mit einem CAP (Capital Asset Pricing) ausgestattet.

Der Sparer wird mit seinem Kapital nur bis zu einer im Vorfeld festgelegten Höhe an der positiven Wertentwicklung des Indexes beteiligt. Eine negative Wertentwicklung wird nicht weitergeben; der Sparer kann innerhalb der Indexpartizipation keine Verluste machen.

I-CPPI

I-CPPI steht für “Individualisierte Constant Proportion Portfolio Insurance”. Die Besonderheit ist, dass das investierte Kapital zum vereinbarten Ende der Ansparphase abgesichert ist. Das Modell beruht auf einem Verfahren für die Steuerung von Wertsicherungs- und Garantiefonds.

Es steuert die Garantieabsicherung in Bezug auf die Laufzeit des Vertrages. Das Guthaben wird hierbei dynamisch auf die freie und festverzinsliche Anlage aufgeteilt. Das Verfahren stellt sicher, dass der Wert des Guthabens niemals unter den Barwert der Garantie fällt, so dass man die Garantie jederzeit auch durch eine Umschichtung in eine festverzinsliche Anlage erzielen könnte.

Dynamisches 3-Topf-Hybrid

In einem dynamischen 3-Topf-Hybriden wird das Guthaben monatlich aufgeteilt. Dafür stehen die drei “Töpfe” Deckungsstock, Wertsicherungsfonds und freie Anlagen zur Verfügung. Der Wertsicherungsfonds garantiert über einen bestimmten Zeitraum einen maximalen Wertverlust (in der Regel 20 Prozent) für das investierte Guthaben. Das Guthaben im Wertsicherungsfonds ist im besten Fall so hoch, dass selbst bei einem Wertverlust von 20 Prozent die Garantie noch gedeckt wäre.

Das nicht für die Garantiedarstellung benötigte Guthaben kann in die freie Anlage investiert werden. Ein besseres oder schlechteres Garantiemodell gibt es nicht. Jedes hat ein anderes Chance-Risiko-Profil. Die große Kunst liegt darin, dieses Profil mit der individuellen Risikoneigung des Sparers abzugleichen.

Altersvorsorge ist individuell

Was für Garantiemodelle gilt, gilt erst recht auch für Riester. Eine Riester-Versicherung ist nicht die ultimative Altersvorsorge. Sie aber allgemein zu beurteilen oder gar zu verurteilen, ist grundsätzlich nicht zielführend. Vor allem nicht, wenn es um etwas so Individuelles wie die Altersvorsorge geht. Das eine, optimale Produkt gibt es nicht.

Auf der Suche nach der richtigen Absicherung müssen eine Menge Faktoren berücksichtigt werden. Am Ende sollte ein Mix von geeigneten Produkten stehen. Hier kann ein Riester- Vertrag mit seiner lebenslang garantierten Rente ein wichtiger Baustein sein.

Autor Christoph Dittrich ist Geschäftsführer der Softfair Analyse GmbH. Mitarbeit: Daniel Fahje, Fachbereich Leben der Softfair.

Foto: Softfair