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Ruhestandsplanung: Versicherer müssen liefern

Immer mehr Vermittler bemühen sich im Rahmen der Beratung zur Ruhestandsplanung um eine Ansprache der Zielgruppe 50plus. Doch produktseitig hält die Entwicklung mit der steigenden Marktbedeutung nicht Schritt und erschwert die bedarfsgerechte und unabhängige Beratung.

Gastbeitrag von Franz-Josef Rosemeyer, A.S.I. Wirtschaftsberatung

Franz-Josef Rosemeyer: “Aus Beratersicht ist es erstrebenswert, den Bedarf der Kunden zu erkennen und umfängliche Lösungsansätze zu identifizieren. Dann sollte auch eine angemessene Produktauswahl zur Verfügung stehen.”

Durch die demografische Entwicklung [1] und die anhaltenden Niedrigzinsen erfährt das Thema Ruhestandsplanung [2] zunehmend die ihm zustehende Beachtung.

In der Beratungspraxis zeigt sich jedoch, dass die Versicherungsbranche hinsichtlich der Produktauswahl noch Verbesserungspotenzial hat.

Individuelle Bedürfnisse abdecken

Selbstverständlich haben die Produktgeber auf die Entwicklungen der vergangenen Jahre reagiert und bieten mittlerweile ein durchaus breites Spektrum an Lösungen zur Ruhestandsplanung an.

Jedoch reicht die Produktauswahl nicht immer aus, um alle individuellen Bedürfnisse der Kunden angemessen abzudecken.

Ein Beispiel dafür sind Produkte, die noch in der Entsparphase [3] anteilig in Produktivkapital wie Anleihen oder Aktien investieren. Sie bilden eine wichtige Säule vieler Ruhestandsplanungen.

Gerade in der aktuellen Zinssituation sind sie für angehende Rentner und Pensionäre wichtig, weil sie Erträge bis weit in den Ruhestand hinein ermöglichen und so eine angemessene Antwort auf das Langlebigkeitsrisiko liefern können.

Produkte nicht ausgereift

Auch im Bereich der Erbschaftsübertragung und der Nutzung von Schenkungssteuerfreibeträgen [4] ist ein großer Teil der bislang am Markt verfügbaren Produkte noch nicht ausgereift. Dabei ist auch dies ein wichtiger Aspekt vieler Ruhestandsberatungen.

Die Kunden möchten nicht nur den eigenen finanziellen Spielraum im Alter klären und möglichst optimieren, sie denken dabei auch an ihre Nachkommen. Für die konkrete Ausgestaltung gibt es viele Optionen, jedoch sind davon nur wenige als Versicherungsprodukte gestaltet. Eine höhere Angebotsdichte wäre angemessen.

Seite zwei: PSG II bietet großes Potenzial [5]Mit dem Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetzes II [6] am 1. Januar 2017 und dem Wechsel von Pflegestufen zu Pflegegraden wird das Thema private Pflegezusatzversicherung [7] in den kommenden Monaten eine besondere Relevanz erlangen.

Die Reform berücksichtigt gegenüber der aktuellen Verfahrensweise wesentlich stärker die oftmals vorhandene Fähigkeit, selbst die Aktivitäten des täglichen Lebens durchzuführen. Auch Demenzerkrankungen werden nun angemessen eingeordnet.

PSG II: Großes Potenzial

Der Markt muss sich in Folge der Veränderungen neu sortieren, für Produktgeber und Vermittler besteht deshalb großes Potenzial. Nicht zuletzt gewinnen Pflegeprodukte mit Einmalbetrag [8] an Attraktivität, die beispielsweise mit Ablaufleistungen aus Lebensversicherungen finanziert werden können und dabei ohne Gesundheitsprüfung auskommen.

Aus Beratersicht ist es erstrebenswert, den Bedarf der Kunden zu erkennen und umfängliche Lösungsansätze zu identifizieren. Dann sollte auch eine angemessene Produktauswahl zur Verfügung stehen.

Seite drei: Ausweitung des Angebotes [9]Eine höhere Auswahl ist auch deshalb sinnvoll, weil die Kunden der Zielgruppe 50plus [10] üblicherweise selbst eine langjährige Erfahrung mit Finanz- und Anlageprodukten haben. Sie haben dabei teilweise über Jahrzehnte in Vorsorgeprodukte eingezahlt und dabei auf die Verfügbarkeit ihres Kapitals verzichtet.

Ausweitung des Angebotes

Wer als Versicherungsgesellschaft in der Ruhestandsphase lediglich die (sofort beginnende) Rente anbietet und dabei dem Versicherungsnehmer wiederum keine Verfügbarkeit über sein Vorsorgekapital bietet, trifft in der Regel den Bedarf des Ruhestandskunden nicht richtig.

Es sind derzeit nur wenige Produkte am Markt, die eine höhere Flexibilität in der Verfügbarkeit haben und auch noch Gestaltungsoptionen in schenkungs- beziehungsweise erbschaftssteuerlicher Sicht bieten.

Für die Ruhestandsplanung sind aber gerade Versicherungsprodukte enorm wichtig, weil nur sie eine lebenslange Rente garantieren können. Im Hinblick auf das Pflegerisiko [11] ist eine Ausweitung des Angebotes ebenfalls wünschenswert.

Dies betrifft sowohl Produkte gegen Einmalzahlung, als auch Produkte, die auch noch im Falle normaler altersbedingter gesundheitlicher Einschränkungen erhältlich sind.

Franz-Josef Rosemeyer ist Vorstand der A.S.I. Wirtschaftsberatung AG.

Foto: Stephanie Eckgold