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Sozialverband VdK zu Rentenniveau: Einfrieren, Anheben, Stabilisieren

Der Sozialverband VdK macht gegen eine weitere Absenkung des Rentenniveaus mobil und fordert sogar eine Erhöhung. Einem “Spiegel”-Bericht zufolge würde ein Einfrieren des Rentenniveaus den Beitragssatz von aktuell 18,7 Prozent auf 26,6 Prozent im Jahr 2040 nach oben treiben.

Derzeit liegt die Rentenhöhe bei rund 48 Prozent des Durchschnittslohns, bis 2030 ist nach derzeitiger Rechtslage ein Absinken auf 43 Prozent erlaubt. Das lehnt der VdK strikt ab.

Das Rentenniveau müsse sofort eingefroren, dann auf 50 Prozent angehoben und dort stabilisiert werden, sagte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher am Dienstag in München. Jeder Prozentpunkt koste gut sechs Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich.

VdK wünscht sich Rente nach Mindesteinkommen zurück

Im Gegenzug sollte die sogenannte Mütterrente aus Steuermitteln finanziert werden und nicht aus Einnahmen der Rentenversicherung. Dabei fordert der Verband aber eine vollständige Angleichung der Mütterrenten auch für vor 1992 geborene Kinder.

Zugleich fordert der VdK, Selbstständige und Beamte in die Rentenversicherung einzubeziehen, in eine gemeinsame, allgemeine “Erwerbstätigenversicherung”. Und der Sozialverband plädiert dafür, die sogenannte Rente nach Mindesteinkommen wieder einzuführen. Dabei würden Zeiten mit Niedrigeinkommen bei der Rentenberechnung hochgerechnet – wie es in früheren Jahren schon einmal gemacht wurde.

“Rente darf nicht den Charakter eines Almosens bekommen”

“Rente darf nicht den Charakter eines Almosens bekommen. Rente ist die Anerkennung einer Lebensleistung”, betonte Mascher. Diesen Respekt hätten sich die Bürger verdient. “Sie haben in großem Vertrauen auf den Sozialstaat dafür gearbeitet, sich im Alter auch mal ein wenig ausruhen zu dürfen – und das ohne Angst vor der nächsten Mieterhöhung oder der Stromabrechnung”, argumentierte sie.

Seite zwei: Drohen Mehrausgaben von 600 Milliarden Euro? [1]

Eine Erhöhung des Renteneintrittsalters – ob automatisch gekoppelt an die steigende Lebenserwartung oder nicht – lehnt der VdK ab. Zur Begründung verwies Mascher unter anderem auf die heute schon schlechten Chancen Älterer auf dem Arbeitsmarkt, aber auch auf die enormen Belastungen für Arbeitnehmer in vielen Berufen.

Die von der Koalition geplante solidarische Lebensleistungsrente – eine Aufwertung von Kleinrenten – hält der VdK für unzureichend. Die Zugangsvoraussetzungen seien zu hoch. “Generell ist das kein wirkungsvolles Instrument, Altersarmut zu bekämpfen”, sagte Mascher.

In seiner aktuellen Ausgabe kommt der “Spiegel” zu dem Schluss, dass auf Steuer- und Beitragszahler immense Kosten zukämen, sollten sich die Vorschläge für eine Stabilisierung des Rentenniveaus durchsetzen. Die Mehrausgaben könnten sich bis zum Jahr 2040 auf insgesamt fast 600 Milliarden Euro addieren, berichtet das Nachrichten-Magazins auf Basis eigens durchgeführter Berechnungen durch das Basler Prognos-Institut. Gut 460 Milliarden Euro dieser Summe hätten die Beitragszahler zu tragen, über 130 Milliarden Euro kämen auf die Steuerzahler durch einen höheren Bundeszuschuss und Mehrausgaben für Kindererziehungszeiten zu. Allein im Jahr 2040 würden die Mehrausgaben 57,4 Milliarden Euro betragen.

“Spiegel”: Beitragssatz von mehr als 26 Prozent möglich

Bliebe es bei der aktuellen Gesetzeslage, die ein Absinken des Rentenniveaus auf 43 Prozent erlaubt, müsste der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung von aktuell 18,7 Prozent auf 23,7 Prozent des Bruttolohns steigen. Würde man das Niveau bei den heute geltenden knapp 48 Prozent einfrieren, stiege der Satz auf 26,6 Prozent, berichtet der “Spiegel” auf Basis der Prognos-Berechnungen. Im Durchschnitt müsste ein Arbeitnehmer damit im Jahr 2040 auf 64 Euro monatlich verzichten. (dpa-AFX, lk)

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