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Starthilfe für Start-ups

Die Versicherer sind im Gründungsfieber. Um nicht unmodern zu wirken, setzen die Gesellschaften zunehmend auf den Aufbau digitaler Werkstätten, in denen an den Versicherungslösungen von morgen getüftelt wird.

In München ist in diesem Jahr das sogenannte Insurtech-Accelerator-Programm “Werk1” gestartet.

Deutschland einig Gründerland. Quer über die Republik verteilt, schießen derzeit innovative Ideenschmieden aus dem Boden. Dort wird mit vielen Anglizismen hantiert, schnell gedacht und wendig – neudeutsch “agil” – gehandelt. Diesen Eindruck erwecken zumindest diverse Pressemitteilungen der letzten Wochen, die mit hippen Schlagworten wie “Innovation Labs”, “Agile Training Center” [1], “Digital Factory” oder “Insurtech-Accelerator-Programm” überschrieben sind. Absender der Mitteilungen sind zumeist Versicherungsunternehmen oder Netzwerkorganisationen, die von Versicherern (mit)gegründet wurden.

Versicherer laden ein zum 72-stündigen “Hackathon”

Da werden zum Beispiel junge Leute dazu aufgefordert, an einer “Start-upBus on Tour”-Reise mitzumachen. Das Konzept: “30 Unternehmensgründer steigen in einen Bus, um während einer 72-stündigen Fahrt von München über Amsterdam nach Köln an ihren Geschäftsideen zu feilen”, erklärt das Insurance Innovation Lab. Dabei handelt es sich um eine Ausgründung der Versicherungsforen Leipzig [2], in dem mehrere Versicherer seit Juli 2016 “gemeinsam an Lösungen für die Zukunft der Assekuranz arbeiten”.

In besagtem Aufruf (mit Betonung auf der zweiten Silbe), ist zu lesen: “Spring in einen Bus, konzipiere ein Start-up, mach es groß und launche es.” Die 30 “kreativen Köpfe” sollen demnach während eines 72-stündigen “Hackathons” (laut Wikipedia eine “kollaborative Software- und Hardwareentwicklungsveranstaltung”) “die vielversprechendsten Geschäftsideen weiterentwickeln und in ein funktionsfähiges Konzept überführen”. Wie kreativ der menschliche Geist am Ende einer 72-stündigen Busfahrt eigentlich noch sein kann, wäre schon für sich genommen eine spannende Frage, die zu aufschlussreichen Antworten führen könnte.

Aktionismus im akuraten Hipster-Sprech

Nun ja, wer will, kann sich natürlich über all diesen Aktionismus im akuraten Hipster-Sprech lustig machen, aber das ist eben immer auch etwas vorhersehbar und überheblich – insbesondere im Falle eines Journalisten, der mit über 35 Jahren eindeutig nicht mehr der Generation der “digital natives” angehört. Zumal die Versicherer mit ihrem Werben um die viel zitierten “kreativen Köpfe” durchaus erfolgreich sind, wie ein Blick nach München zeigt.

Seite zwei: Illustre Namen auf der Sponsorenliste [3]

In der bayerischen Landeshauptstadt ist in diesem Jahr das sogenannte Insurtech-Accelerator-Programm “Werk1” gestartet. Ziel der digitalen Werkstatt ist es – wie sollte es anders sein –, innovative Ideen für die Versicherungsbranche zu entwickeln, die das Zeug dazu haben, ein “tragfähiges Geschäftsmodell” auf die Beine zu stellen. So lautet zumindest der erklärte Wunsch der zehn Versicherungsunternehmen, die das Programm mit ihrer Finanzkraft unterstützen. Auf der Sponsorenliste finden sich viele prominente Namen: Allianz, Arag, Bayerische, Generali, Huk-Coburg, LV1871, Munich Re, Nürnberger, Swiss Re und die Versicherungskammer Bayern haben sich zusammengefunden, um die digitale Transformation voranzutreiben.

Generali will Vorreiterrolle einnehmen

Die Generali-Gruppe begründet ihr Engagement damit, dass man in Deutschland “eine Vorreiterrolle” bei der Nutzung innovativer Technologien in der Versicherungsbranche einnehmen wolle. “Unser Ziel ist es, mit neuesten und modernsten digitalen Lösungen die Nummer Eins im Privatkundengeschäft in Deutschland zu werden”, erklärte Giovanni Liverani, Vorstandsvorsitzender der Generali Deutschland AG, im Mai 2016 [4]. “Mit diesem Förderprogramm wird München eine Spitzenposition bei der Entwicklung innovativer Technologien der Assekuranz in Europa einnehmen.”

Bayerische erhofft sich innovative Services

Martin Gräfer, Vorstand beim Werk1-Partner Bayerische [5], dürften die lobenden Worte seines Kollegen über den Heimatstandort der Bayerischen sicherlich gefallen. Gräfer ist sichtlich angetan vom Elan der jungen Tüftler in der Grafinger Straße. “Es ist beeindruckend zu sehen, wie schnell die Start-ups den Input aufnehmen und in ihre Projektarbeit sofort miteinbringen.” In erster Linie gehe es bei dem Programm darum, erklärt Gräfer, “die Zusammenarbeit zwischen Start-ups aus der digitalen Entrepreneurship-Szene und der Versicherungsindustrie zu fördern”. Ziel sei es, eine Austauschplattform am Standort München zu schaffen. “Mit Synergieeffekten rechnen wir vor allem bei der Entwicklung von schlanken Abwicklungsprozessen und innovativen Services für Kunden und Vertriebspartner”, hofft der Versicherungsmanager. (lk)

Lesen Sie den vollständigen Beitrag kostenfrei im aktuellen Cash.Dossier “Chance Digitalisierung”. [6]

Foto: Werk1