12. September 2017, 07:00
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Bürgerversicherung: Schädlicher Reformeifer

Was würde bei Einführung der Bürgerversicherung passieren? Die Parteien sind sich einig, dass man die Bestandsrechte der heutigen privat Versicherten nicht antasten darf. Somit wäre ein Wechsel aus der PKV in die Bürgerversicherung freiwillig. Die Hälfte der privat Versicherten machen Ruheständler und mitversicherte Familienangehörige aus, die sie, wenn sie zur Bürgerversicherung stoßen, sogar zusätzlich belasten würden.

Den lediglich zwölf Prozent Besserverdienern in der PKV wiederum fehlt das Motiv zum Wechseln, denn ihnen droht in der Bürgerversicherung eine schlechtere Versorgung. Kurzfristig wäre also alles schlechter.

Selbst wenn alle privat Versicherten gezwungen werden würden, in eine Bürgerversicherung zu wechseln (und das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe dies wider Erwarten nicht aufhält), bliebe noch das Demografieproblem. Ab etwa 2025 werden die sogenannten “Babyboomer” verrentet.

Finanzierungslücke der GKV beträgt etwa 1,1 Billionen Euro

Aus den heutigen Höchstbeitragszahlern werden nach und nach Höchstleistungsempfänger. Gleichzeitig fehlen Millionen junger Beitragszahler, die diese Mehrkosten auffangen. Hinzu kommt: Zwei Drittel der Gesundheitsausgaben eines Menschen fallen im letzten Lebensdrittel an. Der medizinische Fortschritt führt dabei zu immer höheren Kosten.

Und: Das Umlagesystem steuert leider ohne jede Vorsorge auf den demografischen Wandel zu. Man würde die PKV zu genau dem Zeitpunkt schließen, wenn sie ihre großen Stärken ausspielen könnte. Bei der Rentenversicherung hat man das Rentenniveau der künftigen Rentner deutlich abgesenkt und das Renteneintrittsalter erhöht. Diese Stellschrauben bietet die GKV jedoch nicht.

Das Institut für Mikrodatenanalyse in Kiel hat bereits 2013 errechnet, dass die Finanzierungslücke der GKV etwa 1,1 Billionen Euro beträgt. Das erklärte Ziel früherer politischer Pläne war es daher, die rund 230 Milliarden Euro Alterungsrückstellungen der PKV in die Bürgerversicherung zu überführen. Selbst SPD-Gesundheitsexperte Dr. Lauterbach sieht momentan aber kaum noch Chancen, dass dieses Geld tatsächlich enteignet werden könnte.

Seite drei: Balance zwischen GKV und PKV nicht aufs Spiel setzen 

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