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Bumerang Bürgerversicherung

Auch in diesem Jahr muss sich die Assekuranz mit politischen Reformvorhaben auseinandersetzen. Zudem wird der Bundestagswahlkampf für reichlich Diskussionsstoff sorgen – und auch die alte Bekannte “Bürgerversicherung” wurde von der Politik wieder wachgeküsst.

Ulrich Leitermann, Vorstandsvorsitzender der Signal Iduna Gruppe.

Ulrich Leitermann, Vorsitzender der Vorstände der Signal Iduna Gruppe, hat konkrete Vorstellungen, in welchen Bereichen die Politik unbedingt tätig werden sollte: “Die staatliche Förderung der Vorsorge zur Entlastung der Sozialsysteme vor dem Hintergrund der extremen Niedrigzinsphase und den demografischen Herausforderungen [1] einer alternden Gesellschaft gehört weit oben auf die politische Agenda.”

“Mehr netto vom brutto” überfällig

Das sei aber leider nur bei wenigen Parteien der Fall, bemängelt Leitermann. Auch “mehr netto vom brutto” sei angesichts der positiven wirtschaftlichen Rahmenbedingungen längst überfällig.

Martin Gräfer [2], Vorstand der Versicherungsgruppe die Bayerische, hat den Wunsch an die Politik, mehr zu gestalten und weniger zu formalisieren. “Wir haben keine ‚dummen Verbraucher‘, die vor allem und jedem und am besten vor sich selbst geschützt werden müssen. Die Politik soll den Menschen die Chance geben, für sich und andere wieder selbst Verantwortung zu übernehmen”, fordert er.

Bumerang Bürgerversicherung

Besonders die Bürgerversicherung [3] wird in der politischen Auseinandersetzung der kommenden Monate im Fokus stehen, immerhin wurde sie von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz bereits
vor dem offiziellen Wahlkampfauftakt seiner Partei als “wichtiges Projekt” bezeichnet.

Die Gleichbehandlung von gesetzlich und privat Versicherten würde dazu führen, dass private Vollversicherer keine neuen Kunden mehr aufnehmen dürfen – Bestandskunden [4] hätten ein Wahlrecht, ob sie in die Bürgerversicherung wechseln wollen.

Leitermann hält von diesen Plänen gar nichts: “Es gibt überhaupt keinen Grund, das duale Gesundheitssystem, das weltweit als das Beste anerkannt ist, abzuschaffen.”

Die Bürger seien in ihrer ganz überwiegenden Mehrheit mit dem Gesundheitssystem mehr als zufrieden. “Niemand, auch nicht Herr Schulz, hat bisher schlüssig erklärt, warum ihm dieses Thema wichtig ist. Den Menschen bringt das absolut nichts”, kritisiert er.

Seite zwei: Bei Bürgerversicherung droht Stellenabbau [5]

Die Bayerische-Mann Gräfer teilt seine Einschätzung: “Mit der Bürgerversicherung [6] möchte ich gerne am liebsten ‘kurzen Prozess’ machen – denn sie ist weder gerecht, noch bringt sie einen nachhaltigen Mehrwert. Auf den Punkt gebracht ist das Beste an diesem Konzept der Name. Das war es aber schon.”

Bei Bürgerversicherung droht Stellenabbau

Zumal eine Studie im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung vorgerechnet hat, dass eine gesetzliche Krankenversicherung [7] für alle dazu führen würde, dass in der privaten Krankenversicherung zwischen 22.700 und 51.000 Stellen abgebaut werden müssten.

Eine Prognose, der Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD, aber vehement widerspricht. “Auch die privaten Krankenkassen könnten in unserem Modell die Bürgerversicherung anbieten. Da gingen überhaupt keine Jobs verloren [8]“, so Lauterbach.

Sollte die SPD ab Herbst der kommenden Bundesregierung angehören, dürfte das Thema richtig heiß werden. (kb)

Foto: Signal Iduna

 

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