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Generationenberatung: Neun zentrale Bausteine

Das komplexe Themenfeld Generationenberatung erfordert viel Vorbereitung und ein gut funktionierendes Netzwerk des Beraters. Doch auf welche weiteren wichtigen Faktoren kommt es an?

Gastbeitrag von Margit Winkler, Institut Generationenberatung

“Rechtsdienstleistungen bleiben Juristen vorbehalten.”

Im Grunde ist der Generationenberater [1] ein “Kümmerer”, der mit seinem Kunden über den Tellerrand der Finanzen hinausschaut.

Zu den zentralen Bausteinen einer Generationenberatung zählen die Themen Vollmachten [2], Patientenverfügungen [3] und Liquiditätsbeschaffung für die Pflegezeit, um dann mit meist einfachen Vertragsgestaltungen außerhalb des Testaments [4] beim Kunden zu punkten. In bestimmten Lebenssituationen gehören Immobilienvermarktung und Testamentsvollstreckung dazu.

Doch auf welche wichtigen Faktoren kommt es bei einer Generationenberatung an?

1. Beratung braucht Grundlage
Der Berater hat für diese komplexe Thematik eine mehrtägige Ausbildung durchlaufen und eine Sachkundeprüfung [5] abgelegt. Erkennbar ist dies an dem IHK-Zertifikat oder Zertifikate von anerkannten Finanzakademien: Beispielsweise Generationenberater (IHK), Estate Planner oder ähnliches.

2. Information und nicht Abschluss steht im Vordergrund
In vielen Bereichen kann der Generationenberater nur informieren und auf die Dringlichkeit hinweisen. Denn er darf weder eine Vollmacht noch ein Testament verfassen. Bei den Finanzen im Bereich Pflegeabsicherung und Geldanlage ist er Spezialist – auch zum Ordnen von Versicherungen. Aus diesem Grund kann es sein, dass er für Kundenunterlagen wie Notfallordner [6] eine Dienstleistungspauschale oder Schutzgebühr erhebt.

3. Rechtsdienstleistungen [1] bleiben Juristen vorbehalten
Um das jeweilige Thema für seinen Kunden fallabschließend zu behandeln, wird der Generationenberater auf sein Netzwerk aufmerksam machen und den Kunden entscheiden lassen: Er stellt den Kontakt entweder “offline” zu einem Notar oder Anwalt vor Ort her oder “online”.

Seite zwei: Finanzielle Vorsorge im Pflege- und Todesfall [7]

4. Finanzielle Vorsorge im Pflege- und Todesfall
Wer sich mit einer Vorsorgevollmacht [8] auseinandersetzt, der beschäftigt sich mit seiner letzten Lebensphase. Die eigene Pflegebedürftigkeit sollte eingeplant sein. Dafür wird Liquidität gebraucht und nicht Vermögen. Neben einer Pflegeabsicherung lohnt es sich auch, gleich über die gut etablierte Sterbegeldversicherung [9] zu sprechen.

5. Flexible Verträge mit Begünstigungen
Neu ist in der Beratung, dass in den kommenden Jahrzehnten sehr viel liquides Vermögen übertragen wird. Der ausgebildete Generationenberater kennt flexible Gestaltungen der Begünstigung und erhöht seine Kompetenz, wenn er Beispiele für Klauseln nennt. Erfolgreiche Berater wissen, dass in dieser Flexibilität der größte Kundennutzen liegt, denn der heute 75-Jährige hat realistisch noch fast zehn Jahre vor sich und eine Menge Pläne. Ein Testament ist für die Vererbung von Immobilien wichtig.

6. Immobilien
Die Tatsache, dass die Generation der Babyboomer große Werte in Immobilien geschaffen und teils selbst ererbt hat, macht das Netzwerk zum Immobilienmakler [10] notwendig.

7. Verwahrung wichtiger Dokumente
Damit ein Testament seine rechtliche Wirkung entfaltet, ist es zwingend, dass es im Todesfall physisch vorliegt. Genau so sieht es mit der Vorsorgevollmacht aus. Im Bedarfsfall muss sich die bevollmächtigte Person mit dem Dokument legitimieren können, um Handlungen für den Vollmachtgeber durchzuführen. Wenn es fehlt, waren alle Vorkehrungen umsonst und der Betreuer kommt ins Spiel. Die professionelle digitale und physische Verwahrung gewinnt an Bedeutung.

Seite drei: Um Familie des Kunden kümmern [11]

8. Um Familie des Kunden kümmern
Der Vollmachtgeber kann nur für sich selbst eine Vollmacht erstellen und damit seiner Familie die Betreuung ersparen. Umgekehrt gehört es zum Selbstverständnis des Generationenberaters, dass er sich auch um die wichtigen Personen seines Kunden kümmert: Erst wenn diese eine Vollmacht errichten lassen, ist der eigene Kunde entlastet.

9. Pflegelotse, Family Office und Testamentsvollstrecker
Der Generationenberater sichert ab und unterstützt die Vorsorge für den Ernstfall. Ist die Pflegebedürftigkeit eingetreten, dann braucht der Kunde jemanden, der ihn auf alle Unterstützungsmöglichkeiten im Pflegefall hinweist und sich um die private Bürokratie kümmert. Das ist der Pflegelotse, ein neues Berufsbild. Viel bekannter ist der Testamentsvollstrecker [12], der das Vermögen nach dem Tod im Sinne des Erblassers verwaltet.

Autorin Margit Winkler ist Inhaberin des Instituts Generationenberatung.

Foto: Institut Generationenberatung


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