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“Schäden aus Arzt- oder Produkthaftung sind kostenintensiv”

Cash. sprach mit Roland Roider, Vorstand der Haftpflichtkasse Darmstadt, über die Sensibilisierung von kleinen und mittelständischen Unternehmen für die Notwendigkeit einer Gewerbehaftpflichtversicherung und die Erfolgsquote vor Gericht beim passiven Rechtsschutz.

“Die Angst, ohne Rechtskenntnisse einem gegnerischen Anwalt gegenüber zu sitzen, der mit seinen Forderungen vielleicht nicht weniger als die eigene Existenz bedroht, ist enorm und absolut verständlich.”

Cash.: Unterschiedliche Betriebe sind branchenspezifischen Risiken ausgesetzt, bei Handwerksbetrieben sind dies andere als bei Einzelhändlern. Wie schlägt sich dieser Aspekt in Ihrer Gewerbeversicherung nieder?

Roider: Um die individuellen Risiken jeder Branche abzusichern, arbeiten wir bei jeder Police mit allgemeinen und speziellen Bedingungen. Die allgemeinen sind für alle Kunden gleich. Sie enthalten beispielsweise die Absicherung gegen Umweltschäden, Produkthaftungsrisiken und Datenschutzverletzungen [1]. Die speziellen Vertragsbestandteile sind durch uns hingegen ganz spezifisch auf die jeweiligen Branchen und Berufsgruppen abgestimmt. Für Gesundheitsberufe sind hier unter anderem die versicherten Tätigkeiten geregelt – für Hoteliers hingegen die besondere gesetzliche Haftung für eingebrachte Sachen der Übernachtungsgäste. Häufig wird ein Schaden erst Jahre nach seiner Entstehung bemerkt und der Versicherung gemeldet. Der kalkulierte Preis muss aber auch solche Spätschäden berücksichtigen.

Wie gehen Sie mit dieser Herausforderung um?

Diese Herausforderung bringt jedes Versicherungsgeschäft mit sich. Das Ausmaß unterscheidet sich je nach Sparte, in der Haftpflicht [2] ist es allerdings am gravierendsten. Spätschäden kommen zwar seltener vor, sind dafür aber umso teurer. Besonders kostenintensiv sind beispielsweise Schäden aus der Arzt- oder Produkthaftung. Rückstellungen für bereits eingetretene, jedoch noch nicht gemeldete Schäden zu bilden, ist für uns also von zentraler wirtschaftlicher Bedeutung. Die Rückstellung erfolgt anhand spezieller aktuarieller Reservierungsverfahren, die dann auch in der Prämienkalkulation für die jeweiligen Risiken berücksichtigt werden. Die Versicherer bieten grundsätzlich auch einen passiven Rechtsschutz [3]: Berechtigte Ansprüche werden übernommen, während unberechtigte Forderungen abgewehrt werden.

Seite zwei: “Welcher Nicht-Jurist kann einem Anwalt auf Augenhöhe begegnen? [4]

Im Fall eines Rechtsstreits werden der Prozess und die anfallenden Kosten übernommen. Wie wichtig ist der Aspekt des passiven Rechtsschutzes nach Ihrer Erfahrung für die Versicherungsnehmer?

Gerade für unsere Firmenkunden ist der passive Rechtsschutz elementar. Die Angst, ohne Rechtskenntnisse einem gegnerischen Anwalt gegenüber zu sitzen, der mit seinen Forderungen vielleicht nicht weniger als die eigene Existenz bedroht, ist enorm und absolut verständlich. Welcher Nicht-Jurist könnte schon einem Anwalt auf Augenhöhe begegnen – insbesondere, wenn es um Personen- oder hohe Sachschäden geht? Hinzu kommt, dass ein Rechtsstreit in nahezu allen Fällen viel Zeit, Geld und Nerven kostet. Gut, wenn man dann einen starken, verlässlichen Partner an der Hand hat, der die erhobenen Forderungen individuell und eingehend juristisch prüft sowie für die entstehenden Kosten aufkommt.

Wie oft kommt dies in der Praxis vor und wie hoch ist Ihre Erfolgsquote vor Gericht?

Der passive Rechtsschutz muss von unseren Versicherungsnehmern [5] recht häufig in Anspruch genommen werden, allerdings landen nicht alle Forderungen letztendlich auch vor Gericht. In den meisten Fällen können wir durch eine überzeugende juristische Begründung verhindern, dass Klage gegen unseren Kunden eingereicht wird. Kommt es in unserem Gewerbehaftpflichtbereich doch zu einem gerichtlichen Verfahren, wird dank unserer erfahrenen Experten durchschnittlich nur in zwei bis sieben Prozent der Fälle der Klage stattgegeben. Bei mehr als der Hälfte wird die Klage vollständig abwiesen oder zurückgenommen. In den übrigen Verfahren kommt es zu einem gerichtlichen Vergleich. Auf diese exzellenten Ergebnisse bin ich sehr stolz.

Interview: Kim Brodtmann

Foto: Haftpflichtkasse Darmstadt