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Haftungsrisiken in der BU-Beratung – Top 5 der häufigsten Vermittlerfehler

Innerhalb der Versicherungsbranche ist eine Vermittlerhaftung häufig auf Fehler in Berufsunfähigkeitsangelegenheiten zurückzuführen. Das beginnt bereits bei der Wahl des richtigen Vertrages, bis hin zur Begleitung des Versicherungsfalles. Gastbeitrag von Björn Thorben M. Jöhnke, Kanzlei Jöhnke & Reichow Rechtsanwälte

“Tritt der Versicherungsfall ein, so muss der Vermittler entscheiden, ob der im Berufsunfähigkeits-Leistungsfall unterstützen kann und darf.”

Fehler in der BU-Beratung sind oft vermeidbar, sofern Kenntnis der aktuellen Produktlandschaft und der aktuellen Rechtsprechung zur Berufsunfähigkeit [1] vorhanden ist. Folgend sollen lediglich kurze Auszüge der meisten Fehlerquellen aufgezeigt werden.

Top 1: Beratung zur Arbeitsunfähigkeit
Bevor eine bedingungsgemäße Berufsunfähigkeit [2] beim Versicherungsnehmer eintritt, beginnt diese Phase meist mit einer Arbeitsunfähigkeit.

Hierzu gibt es mehrere Absicherungsmöglichkeiten und Versicherungsprodukte, nämlich vom KTG bis hin zu diversen Kombinationsprodukten. Diese Möglichkeiten sollten in einer BU-Beratung mit dem Kunden explizit angesprochen werden.

Top 2: Der richtige Versicherungsvertrag
Sodann muss der richtige Versicherungsvertrag mit einem passenden Bedingungswerk [3] für den Kunden gefunden werden. Dieses muss zu dem jeweiligen Versicherungsnehmer passen und seinen Wünschen entsprechen, die vorher selbstredend ermittelt werden müssen.

Auch hier gibt es viele unterschiedliche Klauselwerke, die mit dem Kunden im Einzelnen besprochen werden sollten.

Seite zwei: Vorsicht bei Vergleichsangebot des Versicherers [4]

Top 3: Der Leistungsantrag “BU”
Tritt der Versicherungsfall ein, so muss der Vermittler entscheiden, ob er im Berufsunfähigkeits-Leistungsfall unterstützen kann und darf.

Hierbei gilt es ebenfalls rechtliche Fallstricke zu beachten, denn nicht selten sind Grenzen zur unerlaubten Rechtsberatung [5] überschritten. Dieses muss jedoch im Einzelfall betrachtet und geprüft werden.

Top 4: Vergleichsangebot des Versicherers
Prüft der Versicherer den Versicherungsfall, so kommt es nicht selten vor, dass ein Angebot zur Abgeltung des Versicherungsfalls oder gar des Versicherungsvertrages übersendet wird, ohne einer Anerkennung einer Berufsunfähigkeit [6].

Spätestens an dieser Stelle ist Vorsicht geboten und juristischer Rat einzuholen, bevor ein solches Angebot vom Kunden unterzeichnet wird.

Top 5: Die Nachprüfung des Versicherers
Bezüglich der Nachprüfungsverfahren waren die Gerichte sehr geschäftig.

Die neu aufgenommenen Tätigkeiten des Versicherten sollten genauestens überprüft werden, ob überhaupt die Voraussetzungen einer Berufsunfähigkeit [7] noch vorliegen. Dieses ist nicht einfach, was auch die Menge der Urteile aufzeigt.

Fazit für die Praxis der Versicherungsvermittler

Vermittler sollten vorgenannte Punkte im Rahmen der BU-Beratung [8] stets beachten und im Zweifel juristischen Rat einholen um nicht in die Gefahr einer Haftung zu gelangen.

Auch dabei sollte auf erfahrene BU-Spezialisten zurückgegriffen werden, denn es gilt die rechtliche Fallstricke zu jedem der vorgenannten Beratungsstadien zu beachten.

Der Autor Björn Thorben M. Jöhnke [9] ist Rechtsanwalt und Partner in der Kanzlei Jöhnke & Reichow Rechtsanwälte [10] in Partnerschaft mbB.

Foto: Jöhnke & Reichow Rechtsanwälte

 

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