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Restschuldversicherung: Unsachliche Diskussion hilft nicht

Restschuldversicherungen gelten als intransparent und überteuert. Durch die IDD-Umsetzung wird ein “Schutzmechanismus” für Verbraucher eingeführt. Die Diskussion über die Kosten wird leider weiterhin unsachlich geführt. Die Haff-Kolumne

“Versicherungsprämien sind keine mit Zinsen vergleichbare Kosten. Deren Höhe lässt sich nicht im Vergleich zur Kreditrate einordnen, sondern im Verhältnis zu dem, was vergleichbarer Versicherungsschutz am freien Markt kostet. “

Die Restschuldversicherung (RSV) gilt als Paradebeispiel für Intransparenz und überhöhte Kosten. Die anstehende IDD-Umsetzung [1] bringt einen besonderen und in dieser Art einzigartigen Schutzmechanismus.

Eine Woche nach Abschluss erhält der Kunde in Zukunft eine eigenständige Information über seine Widerrufsmöglichkeit [2]. Für mich ist dieser Hinweis wie eine Art Kündigungsaufforderung. Auf jeden Fall ist es ein wirksames Mittel, das die Transparenz erhöht.

Das angeprangerte unbemerkte “Unterschieben” der RSV [3] während der Beratung wird schwierig. Kritisch finde ich weiterhin die Diskussion über die Kosten. Die Grundannahme bislang: Wird der Kredit – in diesem Fall sprechen wir nicht von einer Baufinanzierung, sondern von einem Konsumdarlehen – abgesichert, erhöht sich die finanzielle Belastung für den Kunden immens.

Prämien sind nicht mit Zinsen vergleichbar

Die hierzu angeführten Beispiele sind genauso plakativ wie sie in die Irre führen – aus zweierlei Gründen. Versicherungsprämien sind keine mit Zinsen vergleichbare Kosten. Deren Höhe lässt sich nicht im Vergleich zur Kreditrate einordnen, sondern im Verhältnis zu dem, was vergleichbarer Versicherungsschutz am freien Markt kostet.

Mit dem Blick auf eine günstige Risikolebensversicherung ist es nicht getan. Das RSV [4]-Gesamtpaket umfasst regelmäßig auch Krankentagegeld und Arbeitslosenversicherung. Es kann unabhängig vom Eintrittsalter und ohne Gesundheitsprüfung abgeschlossen werden.

Das macht nicht nur den Vergleich schwierig. Es führt zu höheren Prämien. Dafür erhalten Kunden mit Vorerkrankungen noch Versicherungsschutz, die anderswo keine Chance haben.

Seite zwei: Wir sollten über Bedingungsstandards und Kundenberatung diskutieren [5]

Aus Verbrauchersicht ist es korrekt, dass die Kosten einer Kreditabsicherung in den Effektivzins eingerechnet werden, wenn der Kunde keine Wahlmöglichkeit hat und abschließen muss.

Systematisch sind Versicherungsbeitrag und Zins trotzdem zu trennen. Die Versicherung ist eine zusätzliche Leistung mit einem eigenen Preis. Sie hängt nicht mit den Kosten für die Geldleihe, dem Zins, zusammen, sondern mit der Eintrittswahrscheinlichkeit bestimmter, versicherter Risiken.

Niemand würde bei einer Baufinanzierung [6] auf die Idee kommen, die Kosten für Risikolebensversicherung, BU oder Wohngebäude, auf den Effektivzins aufzuschlagen.

Die Zahl der Kunden wächst

Für mich das Schlimmste: Die aktuell geführte Diskussion hilft weder dem Markt noch dem Kunden. Es gibt einen dynamisch wachsendes Umfeld für Konsumfinanzierungen. Die Zahl der Kunden wächst. Mit ihnen steigt der Bedarf an Absicherung.

Wie jede Zielgruppe haben auch Ratenkreditkunden ihr ganz eigenes Risikoprofil. Statt über Einzelbeispiele abstruser Prämien zu schimpfen, sollten wir über Bedingungsstandards und Kundenberatung diskutieren.

Das hilft den Kunden und nur so gelingt die Weiterentwicklung des Angebots in deren Sinne. Leider wird diese Chance regelmäßig vertan.

Tobias Haff [7] ist COO des B2B-Insurtech-Unternehmens massUp. Davor hat er Procheck24, den B2B-Bereich des Vergleichsportals Check24, aufgebaut. Bereits seit 1997 entwickelt er Internetprojekte mit dem Fokus auf Finanzdienstleistungen. Er hat den Markt für unabhängige Ratenkreditvermittlung in Deutschland maßgeblich mitgeprägt, Produktinnovationen zur Einkommensabsicherung und Online-Vertriebstools für Finanzvermittler erfolgreich am Markt eingeführt.

Foto: Tobias Haff