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Die Riester-Retter: Versicherer, Vermittler, Analysehäuser und Politik sind gefragt

Die Kritik an der Riester-Rente hält sich wacker. Branchenübergreifend wird die Existenz dieser Vorsorgeform immer wieder hinterfragt. Aber gerade in Zeiten von sinkenden Zinsen sollte Riester eigentlich hoch im Kurs stehen.

Gastbeitrag von Peter Schneider, Morgen & Morgen

Peter Schneider, Morgen & Morgen: “Sowohl Kunden, Versicherer, Berater, Analysehäuser als auch die Politik müssen gemeinsam am Erfolg der Riester-Vorsorge arbeiten.”

Klar ist, dass die Branche mit dem Niedrigzinsumfeld weiterhin zu kämpfen hat. Zeitgleich wird aber die Möglichkeit, die Herausforderung anzunehmen und Vorsorge trotzdem spannend zu gestalten, nicht wahrgenommen.

Aktuellen Medienberichten zufolge gilt die Riester-Rente oftmals als aussterbendes [1] und nicht mehr nachgefragtes Produkt. Stimmt das? Durch die staatliche Förderung lohnt sich die private Vorsorge mit Riester [2] für jeden – insbesondere natürlich für Familien.

Riester-Vorsorge nicht abschreiben

Auswertungen mit unserer Software M&M Office haben ergeben, dass jedes dritte Beratungsgespräch [3] mit Rentenbezug [4] auf Basis von Riester-Produkten durchgeführt wird. 16 Millionen bestehende Verträge demonstrieren zugleich, dass man die Riester-Vorsorge nicht abschreiben darf.

Aktuell wird der Ruf nach einem standardisierten Produkt immer größer. Doch ist das wirklich sinnvoll? Die Riester-Produkte erfahren bereits heute Regularien. Neben der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) gibt es seit kurzem auch die Klassifizierungsstelle PIA [5].

Das Gesetz legt beispielsweise eindeutig fest, welche Kosten einbezogen werden dürfen und welche Fonds Verwendung finden.

Attraktivität der Produkte steigern

Wichtiger ist aktuell, an den entsprechenden Stellschrauben zu drehen und die Attraktivität der Produkte zu steigern. Ein Punkt ist hier die Bedarfsgruppe. Riestern dürfen alle, die verpflichtend in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen oder aber deren Ehepartner unmittelbar über die Förderberechtigung verfügt. Selbstständige Bäcker oder Friseure fallen hier schnell aus der Fördergruppe heraus.

In Anbetracht des Niedrigzinsumfelds sollte auch das Thema Bruttobeitragsgarantie zur Diskussion gestellt werden. Aufgrund der niedrigen Zinsen ist es zum jetzigen Zeitpunkt schwer, die Garantie aufzubauen.

Seite zwei: Optimierungspotenzial beim Zulagenverfahren [6]

Wenn man davon ausgeht, dass die Niedrigzinsen noch einige Jahre Bestand haben, sind die aktuellen Kosten für die Beitragsgarantie viel zu hoch. Wenn hier ein Losbrechen ermöglicht wird, können die staatlichen Zulagen renditeorientierter genutzt werden.

Optimierungspotenzial beim Zulagenverfahren

Wenn man noch einen Schritt weitergehen möchte, bietet das Zulagenverfahren weiteres Optimierungspotenzial.

Die Zulagenstelle ist zuständig für die Bearbeitung und Genehmigung der staatlichen Zulagen. Da die Zulagenstelle aber keinerlei Informationen über den Riester-Kunden hat, müssen diese komplizierte Antragsformulare ausfüllen. Diese Bürokratiehürde lässt sich jedoch beheben.

Die Finanzämter verfügen sowieso über die nötigen Daten der Riester-Sparer, da die Steuererklärung alle relevanten Informationen beinhaltet. Neben der deutlichen Erleichterung für den Riester-Kunden [7] bedeutet dies ebenso Einsparpotenzial.

Mehr Menschen müssen freiwillig vorsorgen

Die Kampagnen gegen die Riester-Vorsorge machen es dem gewillten Sparer [8] nicht gerade leicht. Die Riester-Rente [9] lohnt sich für jeden, der förderberechtigt ist und somit mit Zulagen oder Steuervorteilen belohnt wird. Verluste sind nicht möglich.

Wer bis zu Rentenbeginn riestert, bekommt mindestens seine Einzahlungen zurück. Um die Riester-Vorsorge weiterzuentwickeln und zukunftsfähig zu halten, sollte das entscheidende Ziel nicht vergessen werden: Mehr Menschen müssen freiwillig Vorsorge betreiben.

Es liegt am Gesetzgeber und der Branche, sie hierzu zu bewegen. Sowohl Kunden, Versicherer, Berater, Analysehäuser als auch die Politik müssen gemeinsam am Erfolg der Riester-Vorsorge arbeiten.

Autor Peter Schneider ist Geschäftsführer von Morgen & Morgen.

Foto: Andreas Varnhorn


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