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Assekurata EKG-Check: So stark sind die deutschen Lebensversicherer

Zum dritten Mal hat die Rating-Agentur Assekurata den Ertragskraft-Garantie-Check (EKG-Check) der deutschen Lebensversicherer durchgeführt. Die Überprüfung zeigt: Unter den Dauerniedrigzinsen zeigen sich die 75 untersuchten Anbieter unterschiedlich fit.

 

 

Die EKG zeigt, wie weit die Schere mittlerweile aufklafft und wie unterschiedlich es um die Ertragsstärke der Versicherer bestellt ist.

 

Zwar wird die neue Methodik zur Bildung der Zinszusatzreserve (Korridormethode) ab 2018 sowohl unter HGB als auch unter Solvency II positiv auswirken,. Dennoch wird die Entlastung nicht dazu führen, dass die strukturelle Unterschiede zwischen den Unternehmen beseitigt werden.

„Die Anforderungen an eine professionelle Ertragssteuerung haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen“, erklärt Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata. „Dies liegt nicht nur an dem schwierigenZinsumfeld, sondern auch an den hohen Anforderungen zur Bedienung und Stabilisierung der Altgarantien.“

 

Seite 2: Immense Anforderungen an Zinszsatzreserven [1]

 

Während branchenweit ein großer Teil der Gesellschaften Ende 2017 Rechnungszinsanforderungen zwischen vier und sechs Prozent aufwies, profitieren einige Lebensversicherer mit speziellem Bestandsmix oder junger Bestandshistorie von deutlich geringeren Zinsanforderungen, bis hinunter an die zwei Prozent heran.

Einige Unternehmen konnten zudem mit auffallend hohen Ertragswerten punkten. Hier wirken sich strukturelle Geschäftsvorteile, beispielsweise durch profitable Bestände, rentable Kapitalanlagen oder nachhaltige Kostenvorteile, positiv auf die Wettbewerbssituation aus.

„Im Marktdurchschnitt müssen die Anbieter rund viereinhalb Prozent Rechnungszins auf ihre Deckungsrückstellung erwirtschaften“ erläutert Heermann mit Blick auf das EKG-Profil.

„Diese immense Anforderung ist maßgeblich der Zinszusatzreserve geschuldet und zeigt, dass die politisch beschlossene Methodenänderung bei der Berechnung der Zinszusatzreserve überfällig war, um die Tragfähigkeit der Versichertenbestände zu erhalten.“

 

Seite 3: Belastungsspitzen werden reduziert [2]

 

In der aktuellen EKG-Studie hat Assekurata die Effekte der sogenannten Korridormethode simuliert und ihre künftige Wirkung auf die Ertrags- und Solvenzlage abgeschätzt.

Im Ergebnis stellen die Analysten fest, dass die neue Berechnungsmethodik in unterschiedlichen Zinsszenarien ihre Wirkung entfaltet, weil kurzfristige Belastungsspitzen bei den ZZR-Zuführungen reduziert und gleichförmiger auf einen längeren Zeitraum verteilt werden.

Zugleich reduziert sie die Mindest-Renditeanforderungen an die Kapitalanlage, ausgedrückt als Break-Even-Nettoverzinsung. Assekurata erwartet für 2018 unter Anwendung der Korridormethode eine Break-Even-Nettoverzinsung von etwa 2,40 Prozent, während sie 2017 nach bisheriger ZZR-Berechnungsmethode noch bei 3,31 Prozent lag.

Zwar ist die ZZR-Methodenänderung grundsätzlich handelsbilanziell motiviert, wird sich aber auch in den Solvency-II- Quoten positiv niederschlagen. So dürften sich die Solvenzquoten der Lebensversicherer durch die Korridormethode bei einem unveränderten Zinsniveau zwischen zwanzig und vierzig Prozent erhöhen, in Einzelfällen sogar mehr.

 

Seite 4: Unwuchten beseitigen [3]

 

„Beispielsweise würde eine mittlere Steigerung der Solvenzquote von 30 Prozent dazu führen, dass der aktuelle Branchendurchschnitt von 220 Prozent in Richtung der 300-Prozent-Marke ansteigt und dies ohne Einbezug von Übergangsmaßnehmen“,rechnet Lars Heermann vor.

Nach Auffassung von Assekurata beseitigt die Korridormethode vorhandene Unwuchten, nimmt die Versicherer aber nicht aus der Verantwortung, langfristige Zinsvorsorge zu betreiben.

„Ein sorgfältiges Ertrags- und Kapitalmanagement sollte daher weiterhin im Fokus stehen“, resümiert Heermann. Ergebnisse unter HGB und Solvency II hängen zusammen. Die Marktposition einzelner Anbieter unter HGB und Solvency II deutet oftmals in dieselbe Richtung.

„In beiden Bilanzwelten sind Lebensversicherer im Vorteil, die über ein ertragreiches und wenig zinsabhängiges Geschäftsprofil verfügen“, interpretiert Dr. Reiner Will die Studienergebnisse.

 

Seite 5: Fünf Lebensversicherer ohne Gewinn [4]

 

Dies trifft jedoch nicht auf alle Marktteilnehmer zu. So haben zwar zwanzig Lebensversicherer im Geschäftsjahr 2017 einen Return-on-Revenue (ROR) von mehr als drei Prozent erzielt, allerdings haben auch fünf Anbieter das Geschäftsjahr ohne Gewinn abgeschlossen.

„Vereinzelt bringen dabei Bestände trotz einer hohen Garantielast und entsprechend geringen EKG-Quote eine ansehnliche Unternehmensrendite hervor“, hat der Assekurata-Geschäftsführer identifiziert. „Offenbar kann sich ein professionelles Bestandsmanagement unter dem Strich auszahlen.“ (dr)

 

Foto/Grafik: Assekurata