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“Ein strenger Anforderungskatalog”

Cash. sprach mit Tim Kunde, Geschäftsführer und Mitgründer von Friendsurance, und Markus Pertlwieser, Digitalchef für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, über die neue Partnerschaft der beiden Unternehmen.

Tim Kunde (links) und Markus Pertlwieser: “Immer mehr Kunden wünschen sich unabhängige und transparente Beratung, die sie auch im Internet suchen.”

Cash.: Herr Kunde, das digitale Angebot von Friendsurance wird in das Online-Portal der Deutschen Bank integriert. Wie wird die Einbindung konkret aussehen?

Kunde: Es handelt sich um eine tiefe Integration innerhalb des digitalen Angebots der Deutschen Bank an wichtigen Kontaktpunkten in der digitalen Kundenreise: im Transaktionsmanager, der sich im Online-Konto befindet, im Beratungstool „Finanzcheck“ sowie auf der Webseite der Deutschen Bank [1].

In Kürze sollen Deutsche-Bank-Kunden über das neue Angebot aus dem Online-Banking heraus zum Beispiel innerhalb weniger Minuten ihre Versicherungsverträge hochladen, ihren Bedarf analysieren lassen, bestehende Verträge optimieren und neue Versicherungen abschließen können. Der Neuabschluss erfolgt online auf Basis einer digitalen Einzelbedarfsanalyse oder einer telefonischen Beratung.

Wie groß ist das Produktportfolio und nach welchen Kriterien werden die Tarife ausgewählt?

Kunde: Das Angebot umfasst den gesamten Markt und beinhaltet ein umfassendes Produktportfolio in allen Sparten. Als Makler [2] arbeiten wir mit allen Versicherungsunternehmen zusammen, die unsere gemeinsamen Qualitätsanforderungen (finanzstabil, guter Kundenservice, qualitativ hochwertige Tarife) erfüllen.

Gemeinsam haben wir hierfür einen strengen Anforderungskatalog definiert, der objektive Qualitäts- und Verbraucherschutzanforderungen berücksichtigt und der sicherstellt, dass nur leistungsstarke Partner und faire Produkte vermittelt werden. Selbstverständlich werden wir dem Kunden die Selektionskriterien transparent machen.

Was passiert, wenn ein Versicherungsschaden eintritt?


Kunde: Auch im Fall eines Schadens können sich Kunden [3] jederzeit entweder telefonisch oder online an uns wenden. Durch einen einfachen Meldeprozess und die enge Zusammenarbeit mit den Schadenscentren der Versicherer unterstützen wir Kunden im Bedarfsfall. Die Schadenregulierung erfolgt natürlich durch die Versicherer.

Seite zwei: Kooperation nur bei Sachversicherungen [4]

Cash.: Herr Pertlwieser, warum beschränken Sie sich bei der Kooperation auf den Bereich Sachversicherungen und lassen andere Sparten wie Einkommensabsicherung, Pflege und PKV außen vor?

Pertlwieser: Durch die Digitalisierung wird Bancassurance zum Erfolg und ist deshalb ein wichtiger Baustein unserer digitalen Plattform-Strategie.

Wir bieten unseren Kunden das finanzielle Zuhause und die Kunden unterscheiden dabei nicht zwischen Bank- und Versicherungsprodukten. Chancen für Bancassurance sehen wir vor allem auf dem Feld der Sachversicherungen.

Die Leistungen von Sachversicherungen sind leicht zu verstehen und zu vergleichen, ein Abschluss über das Internet ist für den Kunden bequem und sicher zu handhaben. Hier sehen wir für den Vertrieb über das Bankportal großes Potenzial.

Versicherungen von Leben [5] und Gesundheit brauchen intensivere Beratung, die weiter über Banken, Versicherungsagenturen oder persönliche Makler angeboten werden wird.

Sie wollen die digitale Hausbank Ihrer Kunden sein. Sehen Sie sich bei diesem Vorhaben bereits am Ziel?

Pertlwieser: Wir haben eine klare Strategie und sind auf dem Weg zur digitalen Plattform schon sehr gut vorangekommen. Wir können heute für uns in Anspruch nehmen, beim Banking für das digitale Zeitalter führend zu sein.

Wir nutzen die Digitalisierung [6] sehr konsequent, um für unsere Kunden täglich relevant zu sein und sie mit Know-how, Beratung und Services eng zu begleiten.

Um nur einige Beispiel zu nennen: unser Zinsmarkt für Festgelder von Banken aus europäischen Kernländern; die digitale Vermögensverwaltung Robin; unsere Multibank-Aggregation für Konten, Depots, Karten und Kredite; die offene Schnittstelle für externe Software-Anbieter und die Identitätsplattform Verimi, bei der wir mit europäischen Unternehmen unterschiedlichster Branchen kooperieren.

Erwarten Sie, dass sich die Kunden in den kommenden Jahren verstärkt von digitalen Maklern betreuen lassen werden? Welche Perspektiven haben die klassischen Makler noch?

Pertlwieser: Bereits heute werden 30 Prozent aller Sachversicherungen über Makler abgeschlossen. Immer mehr Kunden wünschen sich unabhängige und transparente Beratung, die sie immer häufiger auch im Internet suchen.

So stehen Versicherungen bereits auf Platz vier bei den Online-Vergleichsportalen [7], noch vor Mobilfunktarifen oder Hotels. Und jeder dritte Bundesbürger sagt, dass er bereits online eine Versicherung abgeschlossen hat.

Die Deutsche Bank hat für ihre Kunden künftig sowohl ein digitales Sachversicherungsangebot als auch die fachkundige Beratung in den Filialen, wenn es um die Absicherung von Risiken für Gesundheit und Leben geht.

Seite drei: Expansion nach Australien [8]

Herr Kunde, Sie haben im vergangenen Jahr nach Australien expandiert und mit der sogenannten “Cashback Bike Insurance“ ihre erste Peer-to-Peer-Versicherung außerhalb Deutschlands gestartet. Wieso Australien und wie ist der Start dort verlaufen?

Kunde: Was den Innovationsbedarf an- geht, ist der australische Markt dem deutschen nicht unähnlich – wir sind überzeugt, dass unser P2P-Versicherungsmodell dort sehr gut ankommen wird, weil es Versicherungen [9] für Kunden deutlich günstiger und fairer macht. Um eine Bilanz zu ziehen ist es aber noch zu früh.

Sie haben angekündigt, sowohl weitere Versicherungslösungen für den australischen Markt als auch Expansionsmöglichkeiten in weitere Märkte zu prüfen. Wie weit sind Sie damit und welche Länder haben Sie im Auge?

Kunde: Der Vorteil an unserem Peer-to-Peer-Modell ist, dass es in jedem Markt adaptiert werden kann. Zu diesem Zeitpunkt haben wir uns allerdings noch nicht auf ein spezielles Land festgelegt.

Lesen Sie das vollständige Interview in der aktuellen Cash.-Ausgabe 4/2018. [10]

Interview: Kim Brodtmann

Foto: Friendsurance

 

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