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Lebensversicherer: Map-Report zeigt Branche unter Druck

Der Map-Report hat die deutschen Lebensversicherer erneut einer ausführlichen Bilanzanalyse unterzogen. Die Ergebnisse der „Bilanzanalyse deutscher Lebensversicherer 2017“ zeigen, dass die Branche weit von alter Größe entfernt ist.

Die neue Bilanzanalyse zeigt deutlich, wie groß die Schere im Markt mittlerweile ist. Der Markt wird mittlerweile deutlich von der Allianz dominiert.

Trotz der nicht abreißenden Meldungen über unrentable und überteuerte Produkte der Lebensversicherer konnte das Vertrauen der Verbraucher bisher noch nicht nachhaltig erschüttert werden. Zum Jahresende 2017 hatten die Gesellschaften rund 83,5 Millionen Verträge an Hauptversicherungen im Bestand, 4,9 Millionen Policen wurden neu abgeschlossen.

Dennoch schaffen es die Unternehmen nicht, den Abrieb aus den Beständen durch ausreichendes Neugeschäft, den Abrieb zu kompensieren. Unter den gegebenen Umständen sei das ein Erfolg, konstatiert der Report.

Gerade vor dem Hintergrund, dass die Versicherer viele Herausforderungen zu überstehen hätten: Digitalisierung, Einführung von Solvency II, Zinszusatzreserve sowie das LVRG. Hinzu komme das Niedrigzinsniveau, das den Druck auf die Anbieter noch einmal deutlich vergrößere.

Seite 2: 29 legen zu [1]

Die verdienten Bruttobeiträge beliefen sich im Jahr 2017 auf 86,07 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr (86,31) gab es nur einen leichten Rückgang. Insgesamt 29 Gesellschaften gelang es, die Beitragseinnahmen zu steigern.

Relativ betrachtet konnte die Mylife die Beitragseinnahmen um beachtliche 62,5 Prozent auf 1210,5 Millionen Euro am deutlichsten ausbauen. Dahinter folgen die Credit Life mit einem Wachstum vom 27,5 Prozent und die SV Sachsen mit einem Plus von 24 Prozent.

In absoluten Zahlen baut die Allianz die Beitragseinnahmen um 2,116 Milliarden Euro am stärksten aus. Dahinter folgten – mit deutlichem Abstand die SV Sachsen mit einem Plus von 120,6 und die Targo Versicherung mit einem Zuwachs von 68,6 Millionen Euro.

Seite 3: Provinzial Nordwest unter Druck [2]

Die stärksten Einbrüche mussten die Provinzial Nordwest mit einem Minus von 564,1 Millionen Euro verbuchen. Dahinter folgen – ebenfalls mit Verlusten im dreistelligen Bereich – Generali (minus 271,9 Millionen Euro), Zurich (minus 260,5 Millionen Euro), SV (minus 188,2 Millionen Euro) und Württembergische (minus 184,7 Millionen Euro).

Bei den Marktanteilen ist die Allianz Platzhirsch im Markt – mit 23,4 Prozent. Damit fließt mittlerweile beinahe jeder vierte Euro im dem Segment in die Kassen des Branchenprimus.

Dahinter reihen sich die R+V, Aachen-Münchener, Debeka, Zurich, Generali, Bayern-Versicherung, Axa, Ergo und Alte Leipziger auf den Plätzen zwei bis zehn ein.

Spannend ist auch die Entwicklung der Stornoquoten: In der KLV lag das Storno – berechnet auf die Anzahl der Verträge – mit 1,85 Prozent nochmals unter dem Vorjahr von 1,9 Prozent. Die höchsten Stornoquoten verzeichneten fondsgebundene Verträge mit 4,1 Prozent, gefolgt von der Risikolebensversicherung mit 3,23 Prozent.

Seite 4: Storno so niedrig wie nie [3]

Bei Rentenverträgen sank die Quote von 2,8 auf 2,59 Prozent. Insgesamt erreicht die Stornoquote das niedrigste Niveau seit 20 Jahren. Über alle Produktgruppen verzeichnete Mylife mit 12,92 Prozent das höchste Storno.

Die Targo Versicherung fiel mit hohen Kennzahlen beim KLV- (13,26 Prozent) und Rentenstorno (11,4 Prozent ) auf. Bei den sonstigen Lebensversicherungen fielen die Rheinland (19,85 Prozent), die Devk Allgemeine (12,91) und die Bayer-Versicherung (12,05 Prozent) mit überdurchschnittlich hohen Stornoquoten auf.

Nicht erfreulich ist laut Map-Report die Entwicklung der beitragsfrei gestellten Verträge. Hier zeigt sich, dass immer mehr Kunden ihre Verträge nicht mehr bedienen können oder wollen.

Insgesamt 27,38 Prozent aller Kunden lassen mittlerweile ihre Verträge ruhen. Bei Rentenversicherungen sind es 27,78 Prozent, KLV 25,58 Prozent und fondsgebundenen Verträgen 23,93 Prozent). (dr)

 

Foto: Map-Report