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Generali trennt sich von Generali Leben – Verkauf an Viridium

Nachdem bereits Gerüchte in der Branche die Runde machten, folgt nun die offizielle Bestätigung: Der Versicherungskonzern Generali wird sich von seinem klassischen Lebensversicherungsgeschäft und -verträgen in Deutschland trennen. Dazu verkauft das Unternehmen die Generali Leben mit rund vier Millionen Lebensversicherungsverträgen und garantierten Kapitalanlagen von 37,1 Milliarden Euro an den Abwickler Viridium.

 

Generali Leben mit seinen rund vier Millionen Versicherungsverträgen wird bei der Transaktion mit bis zu einer Milliarde Euro bewertet.

Der soll 89,9 Prozent an der Generali Leben übernehmen, teilten beide Seiten am Donnerstag mit. Der Kaufpreis soll bei rund 1,9 Milliarden Euro liegen. Allerdings steht der Verkauf noch unter Vorbehalt der Prüfung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleisungsaufsicht (Bafin).

Die Generali steht vor einer Neuausrichtung ihres Deutschlandgeschäfts und trennt sich von der Generali Lebensversicherung sowie dem klassischen Lebensversicherungsgeschäft. Der Verwaltungsrat der Assicurazioni Generali, der italienischen Muttergesellschaft, und der Aufsichtsrat der Generali Deutschland haben den Verkaufsprozess eingeleitet. Der Vertrag stehe kurz vor der Unterzeichung, teile die Generali mit.

Käufer ist, wie bereits kolportiert, die Viridium Gruppe. Die Gruppe ist einer der führenden Aufkäufer von Lebensversicherungsbeständen und seit 2013/2014 am deutschen Markt. In den vergangenen Jahren hatte die Gruppe bereits die Bestände der Heidelberger Lebensversicherung, der Skandia Lebensicherung sowie der Entis Lebensversicherung in Deutschland übernommen.

Steigt Generali bei Viridium ein?

Die Generali Deutschland wird einen Anteil von 89,9 Prozent der Generali Leben an Viridium verkaufen und mit 10,1 Prozent Anteilen an der Generali Leben beteiligt bleiben. Im Rahmen der geplanten Transaktion wird der Generali Deutschland zudem die Option eingeräumt, zum Zeitpunkt der Übernahme bis zu 10 Prozent an der Viridium Gruppe zu erwerben. Damit würde die Generali Leben nach der Hannover Rück der zweite große Partner aus der Versicherungsbranche.

Durch den Abschluss wird der Vertragsbestand der Viridium Gruppe um rund vier Millionen Versicherungsverträge vergrößert. Sämtliche vertraglichen Verpflichtungen der Generali Leben bleiben von dem Deal unberührt. Zudem sollen umfassende Kooperationen zwischen Viridium und der Generali Deutschland sicherstellen, dass die Leistungen und Services der Generali Leben für die Versicherungsnehmer fortgeführt werden.

Die Vereinbarungen sehen unter anderen fünfjährige Partnerschaften zwischen beiden Unternehmen in den Bereichen Asset Management und der betrieblichen Altersversorgung vor. In diesem Zeitraum verwaltet Generali Investments Europe die Kapitalanlage der Generali Leben und erhält hierfür von Viridium eine Vergütung von 275 Millionen Euro.

Seite zwei: 3oo Generali Mitarbeiter werden übernommen [1]

Die 300 Mitarbeiter, die derzeich den bereits für das Neugeschäft geschlossenen Vertragsbestand der Generali Leben betreuen, werden von Viridium übernommen. Zudem erhält das Unternehmen nun mit München und Hamburg zwei weitere Standorte in Deutschland.

Für die Generali geht der Verkauf mit einer strategischen Neuausrichtung einher. Zukünftig wird sich Deutschlands zweitgrößter Erstversicherer auf das Geschäft mit Fonds- und Indexpolicen, Hybrid- und Biometrie-Produkte fokussieren.

Gleichzeitig trennt sich Generali in der Niedrigzinsphase von dem Bremsklotz der langfristigen Garantieverpflichtungen und stetig steigender Zuschussverpflichtungen bei der Zinszusatzreserve. So teilte das Unternehmen mit, dass durch den Verkauf die Solvabilität der Generali in Deutschland um 43 und die der Generali Group und 2,6 Prozentpunkte verbessert.

Bund der Versicherten kritisiert Bafin

Axel Kleinlein, Vorstandssprecher beim Bund der Versicherten sieht den Deal mit großer Skepsis: “Wir befürchten, dass die Versicherten zukünftig deutlich schlechter gestellt sind. Alle Generali-Kunden müssen damit rechnen, zukünftig noch spärlicher mit Überschüssen bedient zu werden.

Da bekannt sei, dass Viridium deutlich kleiner ist, als der zu übertragenden Bestand und Viridium zudem auffällig hohe Beschwerdequoten hat sowie mit IT-Problemen kämpft, kristisiert Kleinlein die Bafin. “Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Aufsichtsbehörde einem solchen Deal grünes Licht gibt.”

Seite drei: Bafin prüft Übernahme sorgfältig [2]

Die Bafin hingegen betont, dass an den Verkauf der Generali strenge gesetzliche Anforderungen geknüpft seien, um die Belange der Versicherungsnehmer zu wahren. So prüft die Finanzaufsicht unter anderem, ob der Erwerber über ein effektives Risikomanagement verfügt. Zudem muss Viridium in der Lage sein, den übernommen Bestand von vier Millionen Verträgen angemessen zu verwalten. Darüber hinaus prüft die Bafin auch die Bonität des Erwerbers.

So hängt das Niveau der Kundensicherheit unter anderem auch von der Fähigkeit der Gruppe ab, ein in Not geratenes Unternehmen zu stützen. “In der aufnehmenden Gruppe liegen in der Regel andere Verhältnisse vor, als in der abgebenden Gruppe, was aus Kundensicht ein höheres oder niedrigeres Maß ans Sicherheit bedeuten kann.

Ist weniger Sicherheit zu befürchten, verlangen wir Absicherungsmaßnahmen”, sagt Dr. Frank Grund, Exekutivdirektor der Versicherungsaufsicht bei der Bafin. Die Bafin prüfe jeden beabsichtigen Erwerb eines Versicherungsunternehmens sorgfältig. (dr)

Foto: Shutterstock

 

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