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Map-Report: Solvabilität im Vergleich 2008 bis 2017

Am 7. Mai haben die deutschen Versicherungsunternehmen zum zweiten Mal ihren “Solvency and Financial Condition Report (SFCR-Bericht) veröffentlicht. Nun bietet die Map-Report-Redaktion einen Vergleich der Bedeckungsquoten für 83 Lebens- und 36 private Krankenversicherer.

Zwischen den Solvabilitätsquoten der 83 Lebensversicherungsunternehmen bestehen teils deutliche Unterschiede.

Für die Berechnung der Solvabilitätskapitalanforderung (SCR) wendeten 72 Lebensversicherer [1] die Standardformel und elf Unternehmen ein (partielles) internes Modell an.

Unter den Krankenversicherern benutzte die Central ein partielles, Allianz, Axa und DKV vollständig interne Modelle an. Die weiteren 32 Anbieter verwendeten laut Map-Report die Standardformel.

Von den 83 untersuchten Lebensversicherern wendeten 45 die Übergangsmaßnahmen für versicherungstechnische Rückstellungen gemäß Paragraf 352 des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG) und die Volatilitätsanpassung nach Paragraf 82 des VAG an.

Mehrheit verwendet Volatilitätsanpassung

Elf Lebensversicherer nutzten Map-Report [2] zufolge ausschließlich die Übergangsmaßnahme für versicherungstechnische Rückstellungen, während sich weitere zehn Unternehmen als einzige Maßnahme der Volatilitätsanpassung bedienten.

Die Übergangsmaßnahme für risikofreie Zinssätze gemäß Paragraf 351 VAG wurde von der WWK in Kombination mit der Volatilitätsanpassung angewendet.

In der Summe verwendeten 55 Lebensversicherer die Volatilitätsanpassung, ebenfalls 55 Lebensversicherer die Übergangsmaßnahmen für versicherungstechnische Rückstellungen und ein Lebensversicherer die Übergangsmaßnahme für risikofreie Zinssätze.

Durchweg ausreichende SCR-Bedeckung

Unter den Krankenversicherern nutzten bis Ende 2017 zwei Anbieter die Übergangsmaßnahmen für die versicherungstechnischen Rückstellungen. Fünf Mal wurde die Volatilitätsanpassung genutzt. Als einziger Krankenversicherer [3] kamen bei der Gothaer beide Maßnahmen zum Einsatz.

Alle 83 Lebensversicherungsunternehmen konnten zum Jahresende 2017 eine ausreichende SCR-Bedeckung nachweisen. Doch das gelang laut Map-Report oftmals nicht ohne die für den Übergang auf das neue Eigenkapitalregime vorgesehenen Hilfen.

Zwischen den Quoten der einzelnen Versicherungsunternehmen gab es dabei deutliche Unterschiede. Die aufsichtsrechtlich relevante SCR-Quote der Branche (anrechenbare Eigenmittel der Branche im Verhältnis zum SCR der Branche inklusive Übergangsmaßnahmen) belief sich auf 400,7 Prozent (Vorjahr 402,0 Prozent).

Seite zwei: Die höchsten und niedrigsten Quoten [4]

In diesem Durchschnittswert nicht enthalten sind Lebensversicherer [5], die auf Übergangsmaßnahmen verzichteten. Den höchsten Wert verzeichnete die SV Sachsen mit einer Bedeckung von 990,3 Prozent, gefolgt von der Swiss Life mit 906,2 Prozent.

Die niedrigsten Quoten gab es bei der WWK (213 Prozent) und der Rheinland (175,1 Prozent). Die durchschnittliche Bedeckung der Mindestkapitalanforderungen inklusive aller Übergangsmaßnahmen lag bei 941,5 Prozent, so die Map-Report Redaktion.

Mit Europa, Ideal und Nürnberger meldeten drei Gesellschaften Quoten von über 3.000 Prozent. Wobei die Europa mit 3.985,2 Prozent bereits an der 4.000er-Marke kratzt.

Deutliche Verbesserungen zu erkennen

Bei dem Vergleich der SCR-Bedeckungsquoten ohne jegliche Hilfs- und Übergangsmaßnahmen zeigten sich deutliche Verbesserungen. Während Ende 2016 noch 23 Lebensversicherer die Bedeckungsquote von 100 Prozent nicht erreichten, waren es Ende 2017 nur noch elf Anbieter.

Zudem verzeichneten im Vorjahr drei Versicherer Basisquoten von null Prozent. Zum Jahresultimo 2017 kam das nicht mehr vor. Bedeckungsquoten von unter 100 Prozent sollten laut Map-Report [6] nicht überbewertet werden.

Denn genau für diese Situation seien die Hilfsmaßnahmen erarbeitet worden, um den Gesellschaften den Übergang vom alten ins neue Aufsichtsregime zu erleichtern.

Sehr hohes Konfidenzniveau

Unternehmen, deren Eigenmittel nicht ausreichten, um das SCR zu bedecken beziehungsweise zu übersteigen, seien keineswegs insolvent. Bei einer SCR-Bedeckung von weniger als 100 Prozent handele es sich lediglich um eine fehlende Risikotragfähigkeit.

Das bedeute nach dem verwendeten Konfidenzniveau von 99,5 Prozent, dass die Gesellschaft nicht über genügend Kapital verfügte, um eine Situation zu überstehen, die mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,5 Prozent im nächsten Jahr eintreten könne.

Jedoch sei auch hierbei zu beachten, dass die Übergangsmaßnahmen nur für Verträge gelten, die bereits zum 31.12.2015 im Bestand waren. Danach abgeschlossene Verträge seien ohne Übergangsmaßnahmen zu bewerten.

Bedeckungsquoten schwanken stark

Die Bedeckungsquoten zwischen den Gesellschaften schwankten auch hier extrem. Die höchste Kennzahl hatte mit deutlichem Abstand die Europa mit 996,3 Prozent.

Auf den weiteren Rängen folgen Ergo Direkt [7] (738,1 Prozent), Dortmunder (669,0 Prozent), Dialog (646,2 Prozent) und Deutsche (626,9 Prozent). Der Marktdurchschnitt beträgt 227,3 Prozent (Vorjahr 196,0 Prozent). (bm)

Foto: Shutterstock

 

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