31. August 2018, 06:59
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Nichts haftet so gut wie der Makler?!

Der Bundesgerichtshof hat in seiner jüngsten Urteil vom 26. Juli 2018 (Az. I ZR 274/18) entschieden, dass bei einer “Umdeckung der Lebensversicherung” eine Vergleichsbetrachtung vorzunehmen ist, mindestens jedoch dem Kunden eine Vergleichsbetrachtung empfohlen werden müsste. Vorliegend wurde leider keine Vergleichsbetrachtung angefertigt oder dokumentiert. Deshalb stand es nach Auffassung der Gerichte fest, dass der Beratungsfehler des Vermittlers gegeben sei. Keine Vergleichsbetrachtung, also besteht die Haftung dem Grunde nach. Und außerdem dürfe der Kunde auch die Feststellung in ferner Zukunft begehren, dass sich durch eine solche unrichtige Beratung vielleicht noch Schaden ergeben würde.  Die Möglichkeit “an sich” sei hierfür schon ausreichend.

Wenn da nicht einmal wieder eine Prozesslawine auf den gesamten Vertrieb zurollt? Eine solch weitreichende Haftung dürfte wohl alle Vermittler treffen, die Lebensversicherungen optimieren und keine Vergleichsbetrachtung nachweislich dokumentieren oder dokumentiert hatten.

Autor Stephan Michaelis LL.M. ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Versicherungsrecht.

Foto:Florian Sonntag

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1 Kommentar

  1. War der alte Vertrag auch mit Fonds unterlegt. Dann wäre wohl der ganze Vorgang idiotisch. Wenn man als Kunde einen Fonds, egal ob Rürupp oder normal zeichnet, dann sollte man wohl wissen, das neben deutlich höheren Gewinnen auch logischerweise zeitweise Verluste drohen.
    Dies nicht zu verstehen erklärt die völlige Unmündigkeit ausserhalb des Sparbuchs 0,5%-Verluste nach Inflation garantiert, tätig zu werden. In der heutigen Zeit wo es Jährlich tausende Informationen dazu gibt, muß man wohl in der Dunkelkammer gelebt haben, um noch so naiv zu sein.
    Wieviele Leute gibt es noch die eine Sache generell nicht prüfen, wo die Medien ständig negativ über Vermittler berichten, die so blind vertrauen. Ich denke deshalb eher das hier jemand besonders clever Kohle machen wollte. Selbst wenn er recht bekommt wird er einen Verlust machen, dass ist dann aber Ethisch korrekt. Recht durchgesetzt, trotzdem verloren.

    Kommentar von Wilfried Strassnig — 4. September 2018 @ 10:02

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