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“Provisionsdeckel führt in die falsche Richtung”

Die jüngsten Vorschläge der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) für einen Provisionsdeckel beim Vertrieb von Lebensversicherungsprodukten sorgen für reichlich Unmut in der Branche und werden von Seiten der Anbieter und des Vertriebs als weiterer unnötiger staatlicher Eingriff in die private Wirtschaft verurteilt.

 

Dr. Herbert Schneidemann, Vorstandsvorsitzender der Versicherungsgruppe die Bayerische

Dr. Herbert Schneidemann, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen, und Martin Gräfer, Vorstand der Bayerischen kommentieren die BaFin-Vorschläge [1] wie folgt:

“Ein Provisionsdeckel in der Lebensversicherung? Nein danke! Ein Provisionsdeckel führt in die falsche Richtung und hilft weder Verbrauchern noch Versicherungsvermittlern. Denn der Vorschlag führt zu einem unnötigen weiteren staatlichen Eingriff in die private Wirtschaft und in die gesetzlich garantierte Gewerbefreiheit.

Keine Unterscheidung zwischen Altesvorsorge und Biometrielösungen

Zudem wird bei dem aktuellen Vorschlag nicht zwischen Altersvorsorge und Biometrielösungen unterschieden. Aber gerade bei Berufsunfähigkeitsversicherung sollten Kunden umfassend informiert und aufgeklärt werden – von Personen, die dazu ausgebildet sind und Fachwissen mitbringen. Solche Beratungen sind aufwendig. Und die von mehreren Seiten geforderte weitere Verbesserung der Beratungsqualität wird jeder gern unterschreiben.

Nur: Gute Beratung kostet Geld und ist nicht zum Nulltarif zu haben. Das ist in jeder Branche so – ob versteckte Provisionen beim Kauf von Neuwagen, ob beim Immobilienmakler oder im Reisebüro: Natürlich steckt in der Endsumme immer ein Anteil für den Beratungsaufwand – und die Verbraucher wissen natürlich, dass beim Versicherungsabschluss ein Anteil für Provisionen enthalten ist, wie Umfragen zeigen. Außerdem wird schnell vergessen: Die Provisionszahlungen werden auf bis zu acht Jahre gestreckt. Nur wenn der Kunde zufrieden ist und nicht vorher kündigt, wird die gesamte Summe ausbezahlt.

Höhe des Provisionswertes bereits stark reduziert

Provisionen sind eine wichtige Einnahmequelle für Versicherungsvermittler. Und allein in den letzten drei Jahren wurde die Höhe des Provisionswertes durch den Eingriff der Regulierung stark reduziert, während gleichzeitig der Aufwand für qualifizierte Beratung erheblich gestiegen ist. Wer solche Forderungen nach Kürzungen von Provisionen aufstellt, sollte sich selbst fragen, ob man selbst auf einen derartigen Gehaltsverzicht bereit wäre.

Letztlich ist es eine Scheindebatte: Denn schon heute haben die Verbraucher die Wahl zwischen Provisionstarifen und Honorartarifen. Wir sollten es den mündigen Kunden überlassen, selbst zu entscheiden.”

Dirk Bohsem, MLP

“Wettbewerbsverzerrung zulasten einer hochwertigen Beratung”

Und auch aus dem Vertiebslager kommt Gegenwind für einen etwaigen Provisionsdeckel. Dirk Bohsem, Leiter Marktmanagement bei MLP, sagt dazu:

“Grundsätzlich halten wir einen pauschalen Provisionsdeckel für ordnungspolitisch falsch; denn mit einem solchen Markteingriff würde ein 08/15-Produktverkauf gefördert und es käme zu einer Wettbewerbsverzerrung zulasten einer hochwertigen Beratung, die schlichtweg nicht mehr hinreichend finanzierbar wäre. Der Gesetzgeber würde also das Gegenteil dessen erreichen, was das Ziel sein sollte: die Qualität im Markt weiter zu erhöhen. Der Vorschlag der BaFin, der bisher nur bei einer internen Branchenveranstaltung gefallen sei, würde der politischen Diskussion über eine Deckelung vorgreifen – dort ist längst nicht jeder von der Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit dieses Instruments überzeugt, zumal die Abschlusskosten marktweit auch bereits gesunken sind.”

Foto: Die Bayerische, MLP