22. März 2018, 05:30
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Rentenpolitik: Wird Heil den Vorschusslorbeeren gerecht?

Heil hat die große Chance, sehr schnell eine Duftmarke bei der Digitalisierung zu setzen. Im Koalitionsvertrag ist verankert, das Online-Rentenkonto, das endlich Transparenz in der Alterssicherung schafft, einzurichten.

Verbraucher können sich auf dem Smartphone einen Überblick über ihre Ansprüche in den unterschiedlichen Säulen der Altersvorsorge verschaffen.

Seit langer Zeit geben beispielsweise die Versicherungsgesellschaften Hunderte von Millionen Euros für Innovationsmarken, Insurtechs und Apps aus, die Rentenversicherung verharrt dagegen in eher antiquierten Services.

Die Dänen haben uns vorgemacht, wie das anders geht. Alle skandinavischen Länder und die Niederlande sind uns voraus. Es sollte also etwas vor allem im Interesse der jungen Generation entstehen.

Die großen Zukunfts-Themen

Ein Skandal ist freilich, dass sich die GroKo vor den großen Zukunftsthemen drückt. Das ist vor allem die dringend notwendige Veränderung der Lebensarbeitszeit, eine Herausforderung, der sich die Mehrzahl der hochentwickelten Industriestaaten bereits gestellt hat.

Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass immer mehr Menschen bereit sind, länger zu arbeiten. Ihnen werden aber keine ausreichenden Angebote unterbreitet. Alle über 65 jährigen zum alten Eisen zu erklären, entspricht nicht mehr der Lebenswirklichkeit.

Vor allem die SPD hat dieses Thema zum Tabu erklärt und argumentiert permanent mit dem Dachdecker, der in fortgeschrittenem Alter nicht mehr aufs Dach steigen könne. Ein bei der Notwendigkeit lebenslangen Lernens und größerer Flexibilität im Berufsleben mehr als überholtes Argument.

Klassische Arbeitsverhältnisse werden seltener

Antworten braucht vor dem Hintergrund der Entbetrieblichung der Erwerbsarbeit, zunehmender Befristungen und neuer Formen der Selbständigkeit auch die Zukunft der gesetzlichen Rente.

Da das normale Arbeitsverhältnis zu Ende geht, sollten Wege aufgezeigt werden, die Zentrierung auf die Lohnsumme zumindest zu entschärfen oder ganz abzuschaffen.

Die Frage ist, ob nicht eine Wertschöpfungsabgabe eine Lösung in einer durch die Digitalisierung veränderten Arbeitswelt wäre. Heil hat jedenfalls die Chance, Antworten auf die Zukunft zu geben und die Drückebergerei vor dem Morgen aufzugeben.

Betriebsrente aktuelles Thema

Unstrittig ist, dass mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz ein Schritt nach vorne getan wurde. Jetzt gilt es, das neue Gesetz mit Leben zu erfüllen, die Akzeptanz für die Betriebsrente in Klein-und Mittelbetrieben zu steigern und mehr Geringverdiener zu bewegen, Vorsorge zu treffen.

Das allgemein begrüßte Gesetz könnte in einigen Punkten nachgebessert werden, etwa beim Thema der Invalidität. Auch die Unverfallbarkeit von Ansprüchen und deren Portabilität warten auf eine Präzisierung des Gesetzgebers. Schließlich geht es noch darum, Mängel bei der Entgeltumwandlung abzuschaffen.

Prof.Dieter Weirich, der Autor dieser Kolumne, ist neben Klaus Morgenstern Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA), einer von Unternehmen der Finanzwirtschaft getragenen Denkfabrik. Der gelernte Journalist war früher Intendant der Deutschen Welle, Bundestags-und Landtagsabgeordneter.

Foto: DIA

 

Mehr Beiträge zum Thema Rente:

Rente: Bezüge steigen im Sommer kräftig

Rentenkasse mit Plus von 300 Millionen Euro

Rente: Volle Kassen führen zu wachsenden Ausgaben

Weiter lesen: 1 2 3

1 Kommentar

  1. Natürlich müssen alle Mütter,
    ob 1, 2 oder 3 bzw. mehrere.
    Kinder, die vor 1992 geboren
    wurden, diese erhalten. Besonders
    die Mütter die 1 bzw. 2 Kinder
    haben, sind schon seit 2014
    benachteiligt. das Gesetz hätte
    ohne Zuzahlung und unabhängig
    einer Zurechnungszeit sein müssen.

    Kommentar von Hans-Dieter Müller — 2. Mai 2018 @ 16:53

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Diese Lebensversicherer punkten bei den Kunden

Die Versicherungsbranche steckt im digitalen Wandel. Gleichwohl sind nicht alle Versicherungssparten gleich gut für die digitale Kundennähe gerüstet. Insbesondere in der Lebensversicherung fällt es noch schwer, die passenden Antworten auf die Kundenwünsche zu finden. Die neue Service Value-Vergleichsstudie zeigt, welche Lebensversicherer bei den Kunden überzeugen.

mehr ...

Immobilien

Erhaltungssatzung: Münchner Immobilienbesitzer sollten Status ihrer Immobilie prüfen

Experten der Hausbank München eG, von Rohrer Immobilien und der Anwaltskanzlei Wagensonner empfehlen aktuell oder zukünftig von der Erhaltungssatzung der bayerischen Landeshauptstadt betroffenen Immobilienbesitzern ihr Objekt einem Statuscheck zu unterziehen.

mehr ...

Investmentfonds

“Ein gesetzlicher Schildbürgerstreich”

Mit drastischen Worten fordert der Vertriebsverband Votum ein Umdenken bei der BaFin-Aufsicht über Finanzanlagenvermittler und Stärkung des digitalen Verbraucherschutzes. Das Bundesfinanzministerium plane Millioneninvestition ohne verbraucherschützende Wirkung. Notwendige Handlungsfelder würden hingegen vernachlässigt. Die Votum-Erklärung im Wortlaut:

mehr ...

Berater

Aus für Thomas Cook in Deutschland

Vor knapp zwei Monaten stellte die deutsche Thomas Cook Insolvenzantrag. Jetzt herrscht Gewissheit. Für das Unternehmen als Ganzes gibt es keine Zukunft mehr.

mehr ...

Sachwertanlagen

Voigt & Coll. bringt Multi-Asset-Dachfonds mit Quadoro

Die V&C Portfolio Management GmbH & Co. KG, eine Beteiligung der Voigt & Coll. GmbH, hat die Vertriebszulassung der BaFin für ihren neuen Multi-Asset-AIF für Privatanleger erhalten.

mehr ...

Recht

Zwei Prozent sind genug

Die Bundesagentur für Arbeit wird in diesem Jahr voraussichtlich einen Überschuss von zwei Milliarden Euro verzeichnen. Der Bund der Steuerzahler fordert nun eine stärkere Senkung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung und fordert zudem eine gesetzliche Kopplung von Beitragshöhe und Rücklage der Arbeitsagentur.

mehr ...