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Vision 2023: Signal Iduna will sich als exzellenter digitaler Service-Versicherer positionieren

“Ein zufriedenstellendes Jahr“, lautet das Fazit vom Signal Iduna-Vorstandsvorsitzenden Ulrich Leitermann bei der Vorstellung der Bilanzkennzahlen für 2017. Die gesamte Signal Iduna-Gruppe konnte die Beitragseinnahmen um 1,9 Prozent steigern und lag damit knapp über dem Marktdurchschnitt.

Signal Iduna-CEO Ulrich Leitermann will die Versicherungsgruppe mit Vision 2023 für die digitalen Herausforderungen der Zukunft rüsten. “Service-Exzellenz ist unser Ziel”.

Besser entwickelte sich der rechnungsmäßige Überschuss vor Steuern, der mit 728,4 Millionen Euro deutlich über dem Ergebnis des Vorjahres lag. In absoluten Zahlen betrugen die 2017 gebuchten Bruttobeiträge 5,63 Milliarden Euro. Dieses Wachstum spiegelt sich auch im Gesamtvertriebsergebnis wider: Nach zwei Jahren mit einer Steigerung von über fünf Prozent konnte das Vertriebsergebnis 2017 erneut um 1,9 Prozent gesteigert werden.

Zukunftsprogramm abgeschlossen

Als Meilenstein für das Unternehmen bezeichnetet Leitermann den erfolgreichen Abschluss des Zukunftsprogramms Ende 2017. In den vergangenen gut drei Jahren hat die Signal Iduna Strukturen und Prozesse vereinfacht, die IT modernisiert und den Vertrieb neu aufgestellt. Als Ergebnis habe das Unternehmen die laufenden Kosten um 140 Millionen Euro pro Jahr reduziert. Im Zuge des Programms waren im vergangenen Jahren die Mitarbeiterzahl gesenkt worden, sozialverträglich, wie Leitermann betonte. Ende 2017 waren rund 10.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (einschließlich selbstständige Außendienstpartner und Auszubildende) für die Signal Iduna Gruppe tätig. Dies sind 671 Mitarbeiter weniger als im Vorjahr (-5,9 Prozent). In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres ging die Zahl allerdings nochmals zurück, auf nun 10.191 Mitarbeitern.

Digitale Transformation – Vision 2023

Auf dieser Grundlage baut das Unternehmen jetzt auf und startete Anfang 2018 das Transformationsprogramm Vision 2023. Leitermann betonte mehrfach, dass es sich dabei nicht um ein Kostensenkungs- oder Sparprogramm handle, sondern um eine neue strategische Ausrichtung, die von Investitionen begleitet werde und das Wachstum beschleunigen solle. Wunschziel des auf fünf Jahre ausgelegten Transformationsprogramms ist es, das Wachstum des Unternehmens zu beschleunigen: Die Beitragseinnahmen sollen bis 2023 um ein Viertel auf sieben Milliarden Euro erhöht werden (2017: 5,6 Milliarden Euro). Gleichzeitig sollen der nachhaltige rechnungsmäßige Überschuss um 30 Prozent und auch die Zufriedenheit der Kunden steigen.

„Die Menschen haben heute durchschnittlich 1,86 Stunden weniger Freizeit als 2010“, sagte Ulrich Leitermann. Vor dem Hintergrund will sich die Signal Iduna als Service-Versicherer positionieren. Im Rahmen des Transformationsprogramms wird das Unternehmen daher massiv in die Digitalisierung investieren.

Seite zwei: PKV entwickelt sich positiv [1]

Ziel sei eine Service-Exzellenz. Dazu gehöre aber auch eine neue Unternehmenskultur durch agiles Arbeitsmethoden oder die Ablösung klassischer Unternehmenshierarchien durch flache, übergreifende Abteilungsstrukturen. „Künftig hat alles eine digitale Komponente“, sagte Leitermann. Ziel sei es, dass gesamte Konzerngeschäft schneller zu machen. „Wir wollen den Kunden mehr Lebensqualität verschaffen.“ Was der digitale Umbau kosten werde, sagte Leitermann allerdings nicht. Der Konzern werde dort aber nicht unerhebliche Summe investieren. “Mit Vision 2023 besetzen wir die wichtigen Zukunftsthemen und schaffen neues, nachhaltiges Wachstum.”

PKV entwickelt sich positiv

Äußerst zufrieden zeigte sich Leitermann mit der Entwicklung in der Krankenversicherung. Mit mehr als 2,5 Millionen Mitgliedern ist die Signal-Iduna Krankenversicherung die fünftgrößte private Krankenversicherung Deutschlands. Die Beitragseinnahmen des fünftgrößten deutschen privaten Krankenversicherers stiegen im vergangenen Jahr um 4,4 Prozent auf 2,82 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,69 Milliarden Euro). „Ein Drittel des Wachstums kommen aus dem echten Neugeschäft; zwei Drittel durch Beitragsanpassung“, sagte Leitermann. Entgegen dem Markttrend verbuchte die Signal Iduna einen Zuwachs von 4.222 Vollversicherten verbucht werde. Dieser Trend setzte sich im ersten Quartal 2018 fort: Im ersten Quartal 2018 konnte das Unternehmen nochmals netto 1.712 Vollversicherte hinzugewonnen werden. Die durchschnittliche Beitragsanpassung in der Krankenversicherung in den vergangenen zehn Jahren beziffert Leitermann auf 1,89 Prozent. Damit gehöre die Signal Iduna Krankenversicherung zu den beitragsstabilsten PKV-Unternehmen im Markt.

Neuer Premiumtarif kommt

Mit neuen Produkten wie dem vor kurzem gestarteten Krankenvollversicherungstarif Prime soll das Wachstum im Neugeschäft weiter beschleunigt werden. Als Premiumtarif wird Prime unter der Marke Deutscher Ring Krankenversicherung vertrieben. Zielgruppe sind nach Aussage von Signal Iduna-Krankenvorstand Dr. Karl-Josef Bierth Kunden, die einen Hochleistungsschutz ohne Selbstbeteiligung und ohne viele der sonst üblichen Limitierungen wünschen. Das Produkt war eine Gemeinschaftsentwicklung von Unternehmen, Vertriebspartnern und Kunden.

Lebensversicherung im Rückwärtsgang

Rückläufig war das Geschäft in der Lebensversicherung. Die Beiträge der Lebensversicherer der Gruppe sanken 2017 um 2,5 Prozent auf 1,41 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,44 Milliarden Euro). Dies war laut Leitermann auch erwartet worden. Einen großen Anteil daran hatten Einmalbeiträge: Sie verringerten sich erwartungsgemäß von 210,2 Millionen Euro auf 185,5 Millionen Euro (-16,6 Prozent). Der Beitrag aus Verträgen mit laufender Beitragszahlung fiel wie prognostiziert um 2,4 Prozent auf eine Milliarde Euro. Auch die gebuchten Bruttobeiträge der Signal Iduna Leben sanken – um vier Prozent auf 1,2 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,3 Milliarden Euro). Das Neugeschäft gemessen in laufendem Beitrag reduzierte sich um einen Prozentpunkt auf 79,1 Millionen Euro.

Die Kapitalanlagen stiegen um 427,3 Millionen Euro auf 20,4 Milliarden Euro (Vorjahr: 20,0 Milliarden Euro). Die Nettoverzinsung wuchs um 0,3 Prozentpunkte auf 5,2 Prozent (Vorjahr: 4,9 Prozent). Die Lebensversicherung musste im vergangenen Jahr die Zinszusatzreserve (ZZR) um 440,4 Millionen Euro auf 1,8 Milliarden Euro erhöhen. Für das laufende Jahr hat das Unternehmen bereits Rückstellung gebildet. Leitermann erwartet, dass die Zinszusatzreservierungen in diesem Jahr 450 Millionen Euro betragen dürften. In diesem Zusammenhang appellierte er an die Politik, hier gegenzusteuern. „Es gibt keine Notwendigkeit, weitere Mittel der ZZR zuzuführen.“ Mittlerweile seinen die Bestände, die aufgrund des niedrigen Zinsniveaus gesichert werden müssten, finanziert. „Das wäre eine Überfinanzierung“, sagte Leitermann.

Für das laufende Jahr erwartet der Vorstandsvorsitzende der Signal Iduna-Gruppe eine positive Entwicklung. Nicht zuletzt aufgrund des Betriebsrentenstärkungsgesetzes. „Mit der durchgängigen Digitalisierung der Beratung und Bestandsverwaltung bieten wir derzeit den effizientesten Prozess in der betrieblichen Altersvorsorge für den Vertrieb, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer an. Dies ist unser Beitrag für eine höhere Akzeptanz der betrieblichen Altersvorsorge“, sagte Ulrich Leitermann.

Seite drei: Komposit stagniert [2]

Die von der Signal Iduna Gruppe verwalteten Vermögensanlagen (Assets under Management einschließlich der Finanztöchter) wuchsen um 7,8 Prozent auf 73,07 Milliarden Euro (Vorjahr: 67,81 Milliarden Euro). Darin enthalten sind rund 49,26 Milliarden Euro Kapitalanlagen der deutschen Versicherungsunternehmen mit einer laufenden Durchschnittsverzinsung von 3,3 Prozent und einer Nettoverzinsung von 4,6 Prozent. Die Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle beliefen sich auf 4,78 Milliarden Euro (Vorjahr: 4,75 Milliarden Euro). Dies entspricht einem leichten Anstieg um 0,8 Prozent.

Komposit stagniert

Die gebuchten Bruttobeiträge der inländischen Kompositversicherungsgesellschaften blieben mit 1,28 Milliarden Euro nahezu unverändert (+0,1 Prozent). Die Aufwendungen für Versicherungsfälle (Inland) gingen um zwei Prozent auf 849 Millionen Euro zurück. Die Combined Ratio, die Schadenkostenquote, belief sich 2017 auf 94,4 Prozent (- 2,8 Prozentpunkte). Daraus ergibt sich ein deutlich verbessertes versicherungstechnisches Ergebnis mit einer Steigerung um 40 Millionen Euro. Auch 2017 gab es mehrere größere Stürme, wenngleich verheerende Wetterkatastrophen ausblieben. Für die größten Schäden sorgten die Stürme „Paul“ (Juni 2017) und „Xavier“ (Oktober 2017), die mit einer geschätzten Schadensumme von rund 14 Millionen Euro für 44 Prozent der wetterbedingten Schäden verantwortlich waren.

Neu im Portfolio ist seit 2017 eine gewerbliche Luftfahrt-Kaskoversicherung für Flugdrohnen. Diese deckt Schäden am Fluggerät mit einer Versicherungssumme zwischen 500 und 30.000 Euro ab. Auch ging das Unternehmen neue Kooperationen mit Start-ups im Bereich Komposit ein: Zusammen mit dem Spezialisten Perseus bietet das Unternehmen nun einen leistungsstarken Cybersecurity- Schutz für kleine und mittlere Unternehmen an. Ein weiteres, im Mai dieses Jahres gestartetes Kooperationsprodukt ist „Versicherung09“. Gemeinsam mit dem Start-up Element bietet es einen kombinierten Hausrat- und Haftpflichtschutz mit Zusatzleistungen für die Dortmunder Fußballfans. Die Zahl der Neukunden bezifferte Leitermann auf gerade einmal 50. Mit Beginn der neuen Bundesligasaison erwartet Leitermann dann aber steigende Absatzzahlen. (dr)