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Wer erbt mein Kind? – Fürsorge für die Kleinen

Eltern machen sich Sorgen um das Neugeborene und wollen ihm bestmögliche Startbedingungen geben. Häufig wird dabei jedoch versäumt zu klären, bei wem das Kind im Falle des Todes der Eltern aufwachsen soll.

Gastbeitrag von Margit Winkler, IGB

Margit Winkler: “Wer rechtliche Vorkehrungen versäumt, der überlässt dem Jugendamt die Entscheidungen.”

Für Krisensituationen treffen Eltern häufig mit Finanzinstrumenten Vorsorge. Dazu gehören beispielsweise Risikolebensversicherungen auf die Namen der Eltern, Krankenzusatzversicherungen [1] und Sparpläne für die Kleinen.

Wie sieht aber der rechtliche Rahmen im Falle des Todes der Eltern aus? Bei wem wächst das Kind auf, wer kann das leisten und hat eine ähnliche Auffassung in Erziehungsfragen und wer kümmert sich um die Finanzen?

Wer rechtliche Vorkehrungen versäumt, der überlässt dem Jugendamt die Entscheidungen und Fremde bestimmen, was für das Kind gut ist und was nicht.

In der Zeit der Ungewissheit werden Geschwister häufig getrennt. Jugendheim oder Pflegeeltern kann man nicht ausschließen.

Besonderheiten für Verheiratete

Ehepaare haben das gemeinsame Sorgerecht und erstellen eine Sorgerechtsverfügung gemeinsam. Ist Vermögen vorhanden, sollte auch per Testament festgehalten werden, wann und zu welchen Bedingungen das Kind darüber verfügen kann.

Der Sorgeberechtigte kann auch Testamentsvollstrecker [2] werden. Trennung und Scheidung ändern erst einmal nichts am gemeinsamen Sorgerecht.

Nur das Familiengericht kann dies durch Beschluss aufheben – auf Antrag oder weil das Kindeswohl gefährdet ist. Stirbt ein Elternteil, erhält der andere das alleinige Sorgerecht.

Seite zwei: Was müssen Geschiedene beachten? [3]

Geschiedene sind häufig mit dem gemeinsamen Sorgerecht [4] ausgestattet. Wenn nun einer von beiden verstirbt, entsteht die gleiche Situation wie unter Verheirateten und der andere übernimmt automatisch die Personensorge für das gemeinsame Kind.

Für die Verwaltung von Vermögensangelegenheiten können andere Personen beauftragt und Modalitäten festgelegt werden. Für Fremde wird dabei die Vergütung geregelt.

Was regelt die Sorgerechtsvollmacht?

Mit der Sorgerechtsvollmacht regeln vor allem getrennt lebende Eltern folgende Sachverhalte, um alleine agieren zu können, was den Alltag erleichtert:

Seite drei: Wie ist es für unverheiratete Paare? [6]

Bei Geburt des Kindes [7] erhält nur die Mutter automatisch das Sorgerecht. Für das gemein­same Sorgerecht müssen unver­heiratete Eltern erklären, dass sie es beide ausüben wollen. Dafür müssen sie nicht miteinander leben. Sie können andere Partner haben.

Zu beachten ist nur, dass sie die sogenannten Sorgeerklärungen beim Jugend­amt oder bei einem Notar persönlich abgeben und diese öffent­lich beglaubigt werden. Die Erklärungen sind unwiderruflich.

Sorgerechtsverfügung für Alleinerziehende besonders wichtig

Verweigert die allein sorgeberechtigte Mutter die Erklärung zum gemein­samen Sorgerecht, kann der Vater beim Familien­gericht beantragen, dass neben der Mutter [8] auch er sorgeberechtigt ist. Für diese Mitsorge war früher stets die Zustimmung der Mutter erforder­lich.

Seit der Sorgerechts­reform im Jahr 2013 ist das nicht mehr der Fall. Das Gericht entscheidet zugunsten des Vaters, wenn das dem Kind nicht schadet. Wenn die Mutter alleine sorgeberechtigt ist, ist die Sorgerechtsverfügung noch wichtiger als bei gemeinsamem Sorgerecht.

Seite vier: Schenkende oder Erblasser [9]

Wer einen Minderjährigen begünstigt durch Verträge oder aufgrund eines Testamentes, sollte festhalten, wer das Erbe verwaltet. Zusätzlich können Modalitäten, wie Zeitpunkt und Voraussetzung genannt werden.

Haben Eltern ein eigenes Haus, dann sind die Minderjährigen Teil der Erbengemeinschaft [10], wenn kein Testament vorhanden ist. Das Jugendamt ist immer im Spiel, wenn es sich es sich um wichtige Rechtsgeschäfte, Immobilien, handelt, um zum Kindeswohl zu entscheiden.

Regeln Sie innerhalb der Sorgerechtsverfügung, wer das Vermögen verwaltet, um Ihren Willen für das Kind durchzusetzen. Wenn Sie sich für ein Testament entscheiden, bedenken Sie das Kind beispielsweise durch Vermächtnis, denn sonst muss der Pflichtteil eingefordert werden.

Der Profi-Tipp:

Die Sorgerechtsverfügung muss zu Ihrer Lebenssituation passen und zu der Person, die Sie vorschlagen. Checken Sie also einmal im Jahr, ob alles passt:

Quelle: IGB

(bm)

Fotos: IGB, Shutterstock

 

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