10. MLP Gesundheitsreport: „Ein Herumdoktern im System reicht nicht mehr“

Überfüllte Notaufnahmen: 30 Euro Behandlungsgebühren

Problematisch sind weiterhin die überfüllten Notaufnahmen: Von den befragten Krankenhausärzten hatten 75 Prozent häufig mit „Notfällen“ zu tun, die keine seien. Immerhin halten 64 Prozent dieses Problem aber auch für lösbar: 29 Prozent dieser Krankenhausärzte plädieren dafür, Gebühren von Patienten zu erheben, die ohne tatsächliche Dringlichkeit die Notaufnahme aufsuchen.

Im Durchschnitt sehen die Befragten hier einen Betrag von 30 Euro pro Fall. Weitere 33 Prozent sind davon überzeugt, dass eine verbesserte Notfallversorgung auf Seiten der Niedergelassenen zu einer deutlichen Entlastung der Krankenhäuser führen würde.

Die Bevölkerung nimmt den Ärztemangel bereits deutlich wahr oder rechnet damit – im Osten (64 Prozent) nochmals stärker als im Westen (40 Prozent). 2016 war das Problem noch weniger präsent. Niedergelassene Ärzte erkennen ebenfalls eine Verschärfung des Ärztemangels: Vor drei Jahren sahen 60 Prozent diesen in der eigenen Region oder rechneten damit, 2019 ist der Wert auf 71 Prozent gestiegen.

Ärztemangel verschärft sich – besonders im Osten

Einen Nachfolger für die eigene Praxis zu finden, halten mit rund zwei Dritteln nochmals mehr Niedergelassene für schwierig oder sehr schwierig als noch vor drei Jahren (2016: 57 Prozent). Nur für ein gutes Drittel der Krankenhausärzte käme die Niederlassung infrage.

Als Gründe dagegen führen die Ärzte insbesondere ihren Gesundheitszustand (17 Prozent), die eigene Fachrichtung (15 Prozent) und das finanzielle Risiko (10 Prozent) an. Für 69 Prozent der niedergelassenen Ärzte ist es zudem schwierig, geeignetes Personal für ihre Praxis zu finden (2016: 59 Prozent).

Laut Arbeitsagentur ist rund jede zehnte Ausbildungsstelle für Arzt- und Praxishilfen unbesetzt. Verschiedene Maßnahmen könnten helfen, die flächendeckende Versorgung auch in Zukunft sicherzustellen. Finanzielle Anreize für Gemeinschaftspraxen im ländlichen Raum befürworten 88 Prozent der Ärzte.

Zudem halten es 81 Prozent für sinnvoll, in strukturschwachen Regionen verstärkt medizinische Versorgungszentren zu gründen. Der wirtschaftliche Erfolg dieser Zentren hängt maßgeblich auch von differenzierten Daten und Analysen bei der Planung ab – davon ist eine große Mehrheit der Ärzte überzeugt (81 Prozent).

Pessimistische Zukunftserwartungen: steigende Beiträgen und Zwei-Klassen-Medizin?

Für die kommenden zehn Jahre gehen Ärzte weiterhin von einer Verschlechterung der Gesundheitsversorgung aus (59 Prozent, 2016: 62 Prozent). In der Bevölkerung erwarten 30 Prozent pauschal eine Verschlechterung. Zugleich rechnet eine breite Mehrheit weiterhin mit einer Zwei-Klassen-Medizin (60 Prozent, 2016: 67 Prozent) und steigenden Kassenbeiträgen (72 Prozent, 2016: 81 Prozent).

Ärzte befürchten insbesondere Versorgungsschwierigkeiten im ländlichen Raum (90 Prozent) und nochmals weniger Zeit für die Behandlung ihrer Patienten (85 Prozent). Zudem gehen drei Viertel davon aus, dass sie in Zukunft nicht mehr alle medizinisch notwendigen Leistungen verordnen können.

 

Seite 4: Reförmchen statt Reform?

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