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Altersvorsorge für Beamte: Kein Grund für Neiddebatte

Die Rentenfrage wird 2019 ein Topthema. Eine neue Studie zeigt, welche Vorteile das System zur Altersvorsorge von Beamten bietet. Es lässt sich auf die einfache Formel bringen: Je jünger die Beamten sind, umso höher sind die Rentenanwartschaften im Vergleich zu Angestellten. Warum dieser Befund kein Grund für eine Neiddebatte darstellt.

Rente: Dem 3-Säulen-Modell für Angestellte fehlt die Effizienz.

Die Deutsche Rentenversicherung [1] und das Bundesarbeitsministerium haben eine neue Studie beauftragt. Thema: Wie sieht die Rentenanwartschaft von Freiberuflern und Beamten aus? Wenig verwunderlich ist, dass schon bei 40-Jährigen ein Versorgungsanspruch von 1000 Euro und mehr je Monat besteht. Dies ist ein im Volksmund viel diskutiertes Thema. Vergessen wird bei der Studie jedoch, dass Beamte auch zum mittleren Dienst zählen. Hier sehen Gehälter und auch Versorgungsansprüchen entsprechend niedriger aus. Die Differenz von fast 500 Euro im Vergleich zu Angestellten lässt sich jedoch nicht wegdiskutieren.

Wesentlich interessanter an dieser Studie ist der Umstand, dass auch berufsständische Versorgungswerke ähnliche Renten ermöglichen: 821 Euro dürfen Frauen mit 40 Jahren als Rente erwarten und 890 Euro beträgt der Versorgungsanspruch für Männer. Diese Zahlen belegen, dass bifunktionale Systeme derzeit besser funktionieren als das Drei Säulen Modell für Angestellte [2] dies tut.

Seite zwei: Die Lösung der Politik sieht unterschiedlich aus

Die Reaktion der Politik auf diese Studie fällt unterschiedlich aus: Während Markus Kurth, Bündnis ‚90 / Die Grünen, argumentiert, der Beamtenstatus bringe auch gewisse Einschränkungen wie den Verzicht aufs Streikrecht mit sich, fordert Matthias Birkwald, Die Linke, eine Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze zur Einführung einer allgemeinen Rentenversicherung in die alle einkommensabhängig einbezahlen.

Einig sind sich beide Rentenexperten jedoch darin, dass es keinen Grund für Neid geben sollte. Ein Absenken der Beamtenpension führe nicht gleichzeitig zum Anstieg der Rente, warnt Matthias Birkwald im Handelsblatt.

Die Forderung der politisch eher links ausgerichtet Parteien orientiert sich am österreichischen Modell. Die oben gezeigte Grafik zeigt, dass die Verzinsung der Sparguthaben dazu führt, dass annähernd für jeden gesparten Euro ein weiterer Euro an Verzinsung hinzu kommt. Im Ergebnis entsteht eine Erhöhung des Rentenniveaus. Matthias Birkwald, Die Linke, argumentiert dazu, dass die Anhebung des Rentenniveaus um fünf Prozent wichtig sei.

Sonderweg SPD: Die Genossen rufen nach der Betriebsrente

Ralf Kapschack (SPD) sieht die Pflicht zur Vorsorge weiterhin im 3-Säulen-Modell verankert. So könne die betriebliche Altersvorsorge [3] als Teil von Tarifverträgen flächendeckend vereinbart werden. Dadurch könne auch der Widerstand von Unternehmen gegen das Angebot einer betrieblichen Versorgung im Alter gebrochen werden. Sollte dies nicht ausreichen, so Kapschack im Gespräch mit dem Handelsblatt weiter, werde man Unternehmen dazu verpflichten.

Ähnlich positionierte sich vergangene Woche der Sozialminister Nordrhein-Westfalens, Karl-Josef Laumann (CDU). Überraschenderweise anders positioniert sich der Bundessozialminister, Hubertus Heil (SPD). Sein dringendstes Thema ist die Altersvorsorgepflicht von Selbstständigen. Solange Uneinigkeit über die politische Ausrichtung zur Rente herrscht, wird die private Altersvorsorge über das 3-Säulen-Modell für Arbeitnehmer alternativlos bleiben, um das Risiko von Altersarmut zu begrenzen. (fm)

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