- Finanznachrichten auf Cash.Online - https://www.cash-online.de -

Bertelsmann-Studie: Beiträge zur Pflege werden deutlich steigen müssen

Der Beitragssatz zur Pflegeversicherung dürfte  in den kommenden Jahrzehnten deutlich steigen. Nach Berechnungen des Forschungsinstituts Prognos im Auftrag der Bertelsmann Stiftung ist mit einem Anstieg von derzeit gut drei Prozent auf knapp fünf Prozent bis 2050 zu rechnen. Die Politik wird die  Finanzierungsgrundlagen neu justieren müssen. Zudem stellt die Studie die Dualität aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung in Frage.

Deutschland wird älter. Und die Kosten für die Pflege werden auf die jünger Generation deutlich durchschlagen. Die Bertelsmann-Studie rechnet mit einem Anstieg auf fünf Prozent bis 2050.

 

Die Bevölkerung werde immer älter, der Pflegebedarf steige kontinuierlich und die Pflegekräfte würden besser entlohnt – das alles lasse die Pflege-Ausgaben deutlich zunehmen, betont die Bertelsmann-Stiftung hieß es in Gütersloh. “Der Wechsel der geburtenstarken Jahrgänge von der Gruppe der Beitragszahler in die der Empfänger von Pflegeleistungen wird die Situation zusätzlich verschärfen.”

Der Ausgleich zwischen den Generationen im Umlagesystem der Sozialen Pflegeversicherung droht aus der Balance zu geraten, warnt die Studie. Aus den Berechnungen lässe sich ableiten, dass die Finanzierungsgrundlage neu ausgestaltet werden sollte.

Angesichts des prognostizierten finanziellen Bedarfs reicht der jetzige Pflegevorsorgefonds für die zu bewältigende Finanzierungsaufgabe nicht aus. Auch die von der Versicherungswirtschaft vorgeschlagene Stärkung der Privatvorsorge ist nach Ansicht der Bertelsmann-Stiftung nicht zielführend.

“Wir brauchen bei der Pflege einen neuen Generationenausgleich innerhalb des solidarischen Umlagesystems. Denn auch an der Vorsorge müssen alle nach ihrer Leistungsfähigkeit beteiligt werden”, sagt Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann- Stiftung. Daher hat die Stiftung die Möglichkeiten der Finanzierung in der Sozialen Pflegeversicherung insbesondere mit Blick auf ihre  Belastung für die jeweiligen Generationen untersucht.

Die beste Möglichkeit, um den steigenden Ausgaben zu begegnen und zugleich mehr Gerechtigkeit zwischen den Generationen zu schaffen, besteht der Studie zufolge darin, eine vorgezogene, moderate Anhebung des Beitragssatzes mit einem über die Jahre steigenden Zuschuss aus Steuermitteln zu verbinden. Dieser Bundeszuschuss läge zu Beginn bei jährlich 9,6 Milliarden Euro und würde bis 2050 auf 24,5 Milliarden Euro ansteigen.

 

Seite 2: Dualität wird in Frage gestellt [1]

Die zunächst überschüssigen Mittel könnten dann in den bereits existierenden Pflegevorsorgefonds fließen und dazu dienen, den Beitragssatz bis 2050 stabil bei 3,5 Prozent zu halten. Durch den Ausbau des Fonds würden die künftigen Generationen am wenigsten zusätzlich belastet.

Leistungsfähigkeit aller Versicherten berücksichtigen

Die Einführung eines Zuschusses aus Steuermitteln würde nicht nur dazu führen, dass die Beitragszahler entlastet werden, sondern auch dazu, dass Besserverdienende stärker als bisher mit herangezogen würden.

Diese sind heute oftmals privat versichert und müssen sich daher nicht an dem Solidarausgleich der Sozialen Pflegeversicherung beteiligen. “Unabhängig davon müssen wir uns bei der Pflege- wie bei der Krankenversicherung fragen, ob die Aufspaltung in ein gesetzliches und privates Versicherungssystem noch zeitgemäß ist”, so Mohn.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte bereits einen breiten Dialog zur künftigen Finanzierung der Pflege angekündigt. Bis Mitte 2020 will er einen Vorschlag vorlegen. Angesichts immer weiter steigender Kosten wächst der Druck, die Finanzierung umzubauen. (dpa-AFX) (dr)

Foto: Shutterstock