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Berufsunfähigkeit: Ein wohl kalkuliertes Risiko?

Die Deutschen verkennen das Risiko einer Berufsunfähigkeit seit Jahrzehnten und verzichten auf Absicherung. Gezielte Aufklärung und Beratung könnten helfen.

Den Traumjob verlieren? Eine Berufsunfähigkeit ist ein Szenario, dem man sich gern verschließt.

Die Deutschen spielen gern Lotto. 2016 gaben rund 7,6 Millionen Deutsche zwischen 25 und 50 Euro monatlich aus. Und 1,7 Millionen sogar mehr als 50 Euro.

Dabei liegt die Wahrscheinlichkeit für sechs Richtige mit Superzahl bei eins zu 139,8 Millionen. Die Möglichkeit, wegen gesundheitlicher Probleme berufsunfähig zu werden, dagegen bei eins zu vier.

Warum hierzulande angesichts dieses beunruhigenden Verhältnisses nur gerade einmal rund ein Viertel der Berufstätigen eine Absicherung [1] gegen Berufs- und Erwerbsunfähigkeit besitzen, die – wenn sie in jungen Jahren abgeschlossen wird – nicht mehr kostet als ein Lotto-Monatseinsatz, lässt sich kaum nachvollziehen.

Horror-Szenario für viele Beschäftigte

Für junge Menschen, für die es sich besonders lohnen würde, ist das Thema viel zu weit weg. „Sie können sich nur schwer vorstellen, aufgrund von Krankheit und Unfall nicht mehr arbeiten zu können.

Zugegeben: Wegen eines Unfalls oder einer schweren Krankheit nicht mehr arbeiten zu können, ist ein Horror-Szenario, mit dem man sich ungern befasst. Aber die Statistik spricht eine klare Sprache: Auch Job-Starter [2] sind betroffen.

Denn: Berufsunfähigkeit kann jeden treffen. Dabei lohnt es sich in zweifacher Hinsicht, die Arbeitskraft frühzeitig zu versichern. Je jünger der Antragsteller, desto reibungsloser verläuft häufig die Risikoprüfung.

Außerdem profitieren junge Kunden von besonders günstigen Prämien, die sie sich über die gesamte Vertragslaufzeit sichern“, sagt Michael Rosch, Bereichleiter Produktmanagement Leben bei HDI.

Seite zwei: Wie viele Deutsche verkennen das Risiko? [3]

Wie viele Deutsche tatsächlich das Risiko verkennen, berufsunfähig zu werden, das zeigen aktuelle Umfragen. So gaben 60 Prozent der Teilnehmer an, dass nur jeder zehnte beziehungsweise jeder fünfzehnte Arbeitnehmer in Deutschland im Laufe seines Lebens aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf an den Nagel hängen muss.

Statistisch betrachtet ist jedoch jeder vierte Arbeitnehmer [4] betroffen. Und es gibt noch weitere Fehleinschätzungen: So würde eine große Mehrheit der Teilnehmer eine Police viel zu spät abschließen.

Ganze 80 Prozent nannten den Eintritt ins Berufsleben oder die Gründung einer Familie als passenden Zeitpunkt. Jedoch sei es bereits als Schüler sinnvoll, vorzusorgen.

Viele Deutsche falsch abgesichert

Auch die geeignete Höhe der vereinbarten Arbeitsunfähigkeitsrente werde von den Teilnehmern falsch eingeschätzt. Die Faustformel laute: 80 Prozent des derzeitigen Nettogehalts inklusive Weihnachts- und Urlaubsgeld, mindestens jedoch 1.000 Euro Rente [5] sollten vereinbart werden.

Knapp die Hälfte der Teilnehmer würde sich jedoch zu gering oder falsch absichern. Gleichwohl: Von einer Marktstagnation will die Branche dennoch nicht sprechen.

Zwar sei es es richtig, dass die Gesamtzahl der Verträge bei Berufsunfähigkeitszusatzversicherungen (BUZ) und selbständigen Berufsunfähigkeitsversicherungen (SBU) bei 16 bis 17 Millionen Stück stagniert.

Seite drei: Der andere Teil der Wahrheit [6]

Der andere Teil der Wahrheit ist aber, dass die Anzahl der SBU-Verträge zu Lasten der BUZ-Verträge beständig wächst: Ende 2016 befanden sich bereits 4,3 Millionen SBU-Verträge in den Beständen der Versicherer [7], zur Jahrtausendwende waren es unter einer Million.

Anzumerken ist aber auch, dass je SBU-Vertrag im Schnitt deutlich höhere Renten versichert werden als bei einer BUZ: knapp 13.000 Euro gegenüber 7.000 Euro per Ende 2016.

Warum wird das Risiko verkannt?

Dennoch bleibt es eine wichtige Aufgabe, die Menschen von der Sinnhaftigkeit einer Absicherung ihrer Arbeitskraft zu überzeugen.

Bei der Frage, warum so viele Deutsche das Risiko Berufsunfähigkeit [8] verkennen und auf eine Absicherung verzichten, beginnt dann branchenweit das große Rätselraten, und das seit mindestens zwei Jahrzehnten.

Aus Sicht von Rosch liegt dies neben dem Preis vor allem auch an den umfangreichen Gesundheitsfragen. “Das ist auch wichtig, damit der Versicherer das Risiko realistisch einschätzen kann. Nur dann wird er in der Lage sein, dauerhaft stabile Prämien anzubieten”, so Rosch.

Seite vier: Die Kehrseite der Medaille [9]

Die Kehrseite der Medaille: Allein auf sich gestellt, befürchten viele Menschen, Fehler zu machen. Tipp des Experten: Kunden sollten sich beim Beantworten der Gesundheitsfragen von ihrem Vermittler kompetent beraten lassen.

Erwerbsunfähigkeitsversicherung als Alternative

Vorerkrankungen [10] müssen übrigens kein Problem sein“, so Rosch. Antragsteller mit kleineren gesundheitlichen Einschränkungen seien oft ohne weiteres versicherbar.

Bei gravierenden Leiden gebe es BU-Schutz gegen Risikozuschlag oder mit Leistungsausschluss. Eine Alternative ist die Erwerbsunfähigkeitsversicherung, die mit einer stark vereinfachten Gesundheitsprüfung auskommt. (dr)

Foto: Shutterstock

 

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