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Betriebsrentner werden ab 1. Januar deutlich entlastet

Millionen Betriebsrentner werden ab dem 1. Januar deutlich entlastet. Eingeführt wird ein neuer Freibetrag für die gesetzliche Krankenversicherung von 159,25 Euro, wie Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag in Berlin bekräftigte. Ein entsprechendes Gesetz sollte am Nachmittag im Bundestag beschlossen werden. “Damit entlasten wir alle Betriebsrentner”, sagte Spahn.

Jens Spahn

Erst ab dem Freibetrag werden künftig Krankenkassen-Beiträge auf die Betriebsrente fällig. Zu zahlen ist der Beitragssatz der jeweiligen Krankenkasse inklusive Zusatzbeitrag. Der Freibetrag ersetzt die bisherige Freigrenze in Höhe von 155,75 Euro. Bisher müssen Betroffene auf die komplette Betriebsrente den Beitrag bezahlen, wenn die Rente über der Freigrenze liegt.

Spahn erläuterte, ein Drittel der Betriebsrentner werde gar keinen Beitrag für die Krankenkasse mehr zahlen, weil ihre Bezüge unter dem Freibetrag lägen. Ein weiteres Drittel werde höchstens noch den halben Beitragssatz zahlen müssen. Und ein drittes Drittel werde um 300 Euro im Jahr an Beiträgen entlastet.

Heute müssen die Empfänger der Altersbezüge unter anderem den vollen Satz für die Krankenkasse zahlen, derzeit 14,6 Prozent – und nicht nur den Arbeitnehmeranteil von 7,3 Prozent. Dazu kommen der Zusatzbeitrag von derzeit im Schnitt 0,9 Prozent und die Beiträge für die Pflegeversicherung (3,05 Prozent plus 0,25 Prozentpunkte für Kinderlose). Für die Beiträge zur Pflegeversicherung ändert sich nichts, hier gilt weiterhin die Freigrenze.

Positives Feedback gab es von der Versicherungswirtschaft. So begrüßte das Rentenwerk, ein Konsortium aus den fünf Versicherern, Barmenia, Debeka, Gothaer, Huk-Coburg und Die Stuttgarter  den im Bundestag verabschiedeten Plan der Regierung, Betriebsrentner zu entlasten.

 

Seite 2: Brandbeschleuniger für Altersarmut [1]

„Wir halten den Beschluss des Bundestags für ebenso richtig wie notwendig. Er belohnt Arbeitnehmer, die fürs Alter gespart haben. Und er sendet ein deutlich hörbares Signal: Ohne Betriebsrenten geht es auch künftig nicht“, sagt Paul Stein, Mitglied der Vorstände der Debeka. „Zugleich müssen nun Sozialpartner, Politik und Versicherer gemeinsam der neuen Betriebsrente auf die Sprünge helfen.“

Vor gut zwei Jahren hatte die Bundesregierung die betriebliche Vorsorge reformiert; das neue Sozialpartner-Modell, die sogenannte Nahles-Rente, wartet seither auf den Durchbruch bei den Tarifpartnern.

Dieses Modell erlaubt es, Gelder der Arbeitnehmer in ertragreichere Anlagen zu investieren, etwa in Aktienfonds. „Das ist in Zeiten negativer Zinsen ein Muss“, so Stein. „Denn eines ist klar: Erstens sollten deutlich mehr Beschäftigte als heute Betriebsrenten abschließen, und zweitens sollten dabei Aktien eine Rolle spielen. Sonst wirkt der Mix aus Mini-Zinsen, Inflation und mangelnder Vorsorge künftig wie ein Brandbeschleuniger für Altersarmut.“ (dpa-AFX/Jörg Droste Cash. )

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