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Drei Fragen an: Amar Banerjee, Swiss Life Deutschland

Kaum ein Risiko wird von den deutschen Arbeitnehmern so sehr unterschätzt wie die Berufsunfähigkeit. Cash. sprach mit Amar Banerjee, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Versicherungsproduktion von Swiss Life Deutschland über das Thema BU-Absicherung.

Amar Banerjee: “Wer einmal berufsunfähig geworden ist, muss das nicht zwangsläufig bis zum Renteneintritt bleiben.”

Cash.: Etwa jeder Vierte Berufstätige muss im Laufe seines Arbeitslebens die eigene Erwerbstätigkeit einschränken oder ganz aufgeben. Trotzdem wird die BU-Absicherung gerade von jungen Menschen vernachlässigt. Was kann die Branche dagegen tun?

Banerjee: Wir müssen das Bewusstsein bei den jungen Menschen dafür schärfen, dass die eigene Arbeitskraft mit das Wertvollste ist, was sie unbedingt versichern sollten, schließlich erwirtschaftet man damit im Laufe eines durchschnittlichen Berufslebens mehrere Millionen Euro.

Wir müssen jungen Menschen [1] erklären, dass eine Berufsunfähigkeit jeden treffen kann, ganz egal, ob man einen Bürojob hat oder einer körperlich anstrengenden Tätigkeit nachgeht.

Dies gilt insbesondere für junge Menschen, die nicht einmal den spärlichen Schutz der gesetzlichen Rentenversicherung genießen, solange sie die Wartezeiten nicht erfüllt haben.

Wer sich also frühzeitig gegen das Risiko einer Berufsunfähigkeit [2] absichert, handelt verantwortungsbewusst, um auch in schwierigen Zeiten finanziell selbstbestimmt leben zu können.

Wenn wir die jungen Menschen ernst nehmen und ihnen diese Argumente in einem auf Augenhöhe geführten Beratungsgespräch mitgeben, bin ich überzeugt, dass wir zur Verbreitung der Absicherung der Arbeitskraft beitragen können.

Seite zwei: Warum so viele psychische Erkrankungen? [3]

Cash.: In zahlreichen Berufsgruppen sind psychische Erkrankungen heute die häufigste BU-Ursache – Tendenz steigend. Welche Ursachen hat diese Entwicklung?

Banerjee: Es ist in der Tat sehr schwierig, eindeutige Rückschlüsse für diese Entwicklung zu ziehen. Tatsächlich zeigt uns der rapide Anstieg psychischer Leiden [4] aber deutlich auf, wie wichtig es ist, dass sich die Menschen unabhängig vom Berufsbild gegen den Verlust ihrer Arbeitskraft absichern.

Seit Jahren sind psychische Leiden auf dem Vormarsch und mit 37 Prozent die häufigste Ursache für eine Berufsunfähigkeit. Allein in den letzten zehn Jahren registrieren wir in diesem Segment eine Zunahme um 40 Prozent.

Ein möglicher Teilaspekt für diese Entwicklung könnte der positiv zu bewertende, öffentliche Diskurs im Umgang mit psychischen Erkrankungen sein.

Diskussionen über Burnout oder Forderungen nach einer besseren Work-Life-Balance sind in den Medien täglich präsent. Damit steigt wohl auch die Bereitschaft der Betroffenen, Hilfsangebote anzunehmen.

Weiterhin gibt es auch die Vermutung, dass sich im gleichen Atemzug das Diagnoseverhalten durch die Ärzteschaft verändert hat: Wurden früher psychische Erkrankungen hinter anderen Diagnosen versteckt, so wird mit diesem Thema nun auch bei der Diagnosestellung offener umgegangen.

Wie eine aktuelle Swiss-Life-Studie zeigt, schaffen Männer deutlich häufiger den Sprung aus der Berufsunfähigkeit zurück ins Berufsleben als Frauen. Woran liegt das?

Banerjee: Wer einmal berufsunfähig [5] geworden ist, muss das tatsächlich nicht zwangsläufig bis zum Renteneintritt bleiben. Im glücklichen Fall einer vollständigen oder teilweisen Genesung, zum Beispiel mit Hilfe von Therapien, Reha-Maßnahmen oder Umschulungen können die Menschen wieder in das Berufsleben zurückkehren.

Dass dies Männern langfristig betrachtet scheinbar häufiger gelingt als Frauen, könnten in den unterschiedlichen BU-Ursachen liegen.

Da Frauen deutlich häufiger aufgrund von Psyche berufsunfähig werden, ist hier eine rasche Rückkehr in das Berufsleben deutlich unwahrscheinlicher als bei anderen Ursachen, da psychische Erkrankungen oftmals eine jahrelange Krankheitsdauer nach sich ziehen.

Interview: Benjamin Müller

Foto: Swiss Life Deutschland

 

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