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Kunstversicherung: Werte schützen

Austellungen mit Werken von Picasso, Monet oder Dali sind echte Publikumsmagneten. Der Auktionsmarkt verzeichnet in Zeiten niedriger Zinsen Rekorde. Die Absicherung dieser Werte ist eine Kunst der besonderen Art.

Ein Büro mit besonderer “Art”: Gothaer-Allgemeine-Vorstandsvorsitzender Christopher Lohmann.

Wer das ein oder andere Vorstandsbüro kennt, dürfte neben Erinnerungsstücken sicher schon auch mal einen Blick auf das ein oder andere Kunstwerk erhascht haben.

Spannend wird es, wenn die Wände plötzlich mit Werken großer zeitgenössischer Künstler wie Keith Haring und Gerhard Richter, dem aktuell teuersten noch lebenden Künstler, geschmückt sind.

In dem Moment kommt dann doch die berechtigte Frage auf, ob dies zur üblichen Ausstattung eines Vorstandsbüros bei der Gothaer [1] gehört. Natürlich nicht!

Kunstwerke aus Schadenfällen

Denn auch ein Unternehmen wie die Gothaer geht verantwortlich mit den zur Verfügung stehenden Mitteln um und investiert – aber in die Digitalisierung [2] und IT.

Was also hat es mit Haring und Richter auf sich? Nun, die Gothaer ist einer der führenden Kunstversicherer in Deutschland und beide Werke stammen aus Schadenfällen.

Besonders am Herzen liegt mir das Werk von Gerhard Richter, weil diese Arbeit einen besonderen historischen Bezug hat. Bei der Version “Schwarz, Rot, Gold” aus dem Jahr 2015 handelt es sich um eine Sonderedition zum 25. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung.

Seite zwei: Beschädigung über Allgefahrendeckung versichert [3]

Was könnte besser passen zu einem Unternehmen [4] wie dem unseren, das im thüringischen Gotha gegründet wurde und in zwei Jahren sein 200-jähriges Jubiläum feiert?

Wenn man es nicht weiß, sieht man die winzige Beschädigung an der rechten oberen Ecke nicht. Restauriert werden konnte das Werk aufgrund seiner Materialbeschaffenheit leider nicht. Der tatsächliche Wert liegt daher nun bei null Euro.

Zum Glück für den Besitzer war der Schaden über eine Allgefahrendeckung versichert, die Risiken von Nagel zu Nagel abdeckt – also auch den Transport und alles, was damit zusammenhängt. Tatsächlich ist das kein Einzelfall.

Kunst bewegt und wird bewegt

Vielmehr ereignen sich die meisten Schadenfälle im Kunstbereich, während die Kunst auf Reisen ist, sprich wenn verpackt und verladen wird, während des An- und Abtransports sowie des Ausstellungsauf- und Abbaus. Die Kunst kennt keine Grenzen, sie ist ständig in Bewegung.

Ob im Kunsthandel oder Galeriegeschäft, in den sogenannten Blockbuster-Ausstellungen der großen Museen der Welt oder in Privatsammlungen, Kunst bewegt und wird bewegt.

Die Herausforderung an die Kunstversicherung [5] besteht darin, die damit einhergehenden Risiken richtig einzuschätzen. Das ist nicht immer einfach und bedarf einer gewissen Expertise, die sich durch das Zusammenspiel von verschiedenen Experten auszeichnet.

Jedes Risiko ist individuell

Bei der Gothaer wurde dafür in den letzten 15 Jahren ein Netzwerk aus Kunstspediteuren, Gutachtern, Restauratoren und Sicherungstechnikern aufgebaut, das im Zusammenspiel mit unserem Underwriter-Team und der spezialisierten Schadenabteilung auf die Anforderungen unserer Kunden abgestimmt ist.

Jedes Risiko ist individuell, die Versicherungskonzepte sind daher in der Regel maßgeschneidert. Ob ich eine junge, sich gerade auf dem Markt etablierende Galerie oder aber eine international tätige Galerie mit Dependancen im Ausland versichern möchte, erfordert unterschiedliche Lösungen im Deckungsumfang.

Zu den Kunden der Gothaer zählen neben Museen, Galerien, Auktionshäusern auch Firmen- und Privatsammlungen, Stiftungen sowie Family Offices [6].

Seite drei: Immense Kaufkraft am Kunstmarkt [7]

Der Wirtschaftsfaktor Kunst ist enorm und wird in der Marktstudie, die Clare McAndrew im Auftrag von Art Basel und UBS erstellt hat, weltweit mit einem Volumen von 63,7 Milliarden Dollar beziffert, wovon 1,3 Milliarden Dollar auf den deutschen Markt entfallen.

Die Kaufkraft ist immens, Investitionen in Kunst sind auch aufgrund fehlender Alternativen attraktiv, der Auktionsmarkt verzeichnet immer neue Rekorde, die Umsatzzahlen der größeren Galerien steigen. Deren Anzahl wird in Deutschland [8] auf rund 700 geschätzt.

Auch die Anzahl der Kunstmessen ist weltweit exponentiell gestiegen. Jedes Jahr kommen neue hinzu, im November wird beispielsweise eine weitere Kunstmesse in Singapur eröffnet.

Transport wird zur Herausforderung

Experten schätzen die Zahl der Messen mit internationalem Anspruch auf 180 und kommen auf 22 Top-Kunstmessen. Das heißt: Jede dritte Woche findet an einem anderen Ort der Welt ein hochkarätiges Event für Kunst statt.

Kunst wird also bewegt. Die Herausforderungen an Transportlogistik, Verpackung, Planung von Auf- und Abbauzeiten, Sicherheitspersonal nehmen zu, begleitet von dem Faktor Zeitdruck.

Natürlich haben auch die Städte [9] erkannt, dass sie ihre Attraktivität mit Großausstellungen steigern können. Namen wie Picasso, Monet oder Dali sind echte Publikumsmagneten.

Seite vier: Museen rüsten weltweit auf [10]

Deshalb werden in den Museen und großen Ausstellungshäusern immer häufiger Blockbuster mit einem Versicherungsvolumen [11] von mehreren hundert Millionen Euro realisiert.

Aber auch die mittelgroßen und kleineren Museen haben aufgerüstet und ziehen nach mit anspruchsvollen Programmen. Aktuell ist hier das Ausstellungsprogramm Kunst & Kohle der Ruhr-Kunst-Museen zu nennen, an dem 17 Museen teilnehmen.

Thema ist hier der endgültige Ausstieg aus der Kohleförderung und eine damit das Ende einer 250-jährigen Industriegeschichte.

Individuelle Absicherung für jedes Kunstwerk

Gleichzeitig steigt die Anzahl von Museums- und Ergänzungsbauten. Allein in Deutschland zählt man mehr als 6.000 Museen mit über 300 Millionen Objekten.

Kommunen sind dafür bekannt, dass sie gern mal ein Ausstellungsprojekt mit Kunst im öffentlichen Raum planen. Dass die Voraussetzungen für die Versicherung [12] hier abweichen von der üblichen Allgefahrendeckung ist nachvollziehbar.

Eine Skulptur aus Beton oder Stahl mit 300 Kilogramm Eigengewicht im Stadtgarten oder eine Aluminiumskulptur von Jeff Koons am Potsdamer Platz fordert ein anderes Deckungskonzept als die eines mittelalterlichen Altars, einer Videoinstallation oder einer Rauminstallation mit mehr als 1.000 Objekten.

Seite fünf: Wettbewerber drängen auf den Markt [13]

All diese Zahlen zeigen, dass der Kunstmarkt auch für Versicherer und Makler attraktiv ist, zumal die Kunstversicherung nach wie vor als eine der ertragreichen Sparten gilt.

Auch vor diesem Hintergrund drängen trotz hoher Volatilität und weichen Beitragssätzen aktuell weitere Wettbewerber in den Markt.

Größere private Sammlungen gelten dabei nach wie vor als das beste Risiko. Vor allem dann, wenn die Sammlung mit großem persönlichen Engagement aufgebaut und eine Inventarisierung vorgenommen wurde, die auch die Herkunft der Werke dokumentiert und der Schatz wie ein Augapfel gehütet wird.

Ansatzpunkte für Vermittler

Im Vordergrund steht in den meisten Fällen die Versicherung des rein stationären Risikos. Von der Möglichkeit, Transporte mitzuversichern, wenn dann doch einmal ein Kunstwerk für eine Ausstellung ausgeliehen werden soll, wird eher selten Gebrauch gemacht.

Gerade bei Privatsammlungen und kleineren Galerien finden sich auch viele Ansatzpunkte für Vermittler [14], um in diesem wachsenden Markt Fuß zu fassen.

Natürlich bedarf es einer gewissen Affinität zum Thema Kunst und einer guten Vernetzung in der Region. Viele Kommunen unterhalten Galerien, Kunstvereine sind oft ein kultureller Fixpunkt einer Stadt.

Seite sechs: Auch Mittelstand engagiert sich [15]

Nicht selten engagieren sich auch mittelständische Unternehmen in Sachen Kunst und im Beratungsgespräch ergibt es sich dann auch immer wieder, dass der Geschäftsführer oder Inhaber Kunst sammelt oder in den Geschäftsräumen Ausstellungen stattfinden.

Auch aus der Beratung zu einer Geschäfts- oder Hausratversicherungherauskanneine Kunstversicherung die Folge sein oder umgekehrt.

Erworbene Werte schützen

Ist der Bedarf erst einmal identifiziert, unterstützen Spezialversicherer wie die Gothaer Vermittler dann auch mit ihrem Know-how bei der Analyse des konkreten Risikos und Versicherungsbedarfs.

Das Bestreben, Werte zu schaffen und zu bewahren ist das Credo für die Kunstwelt. Als Versicherer [16] versteht man sich in diesem Kontext als kompetenter Partner von Sammlern, Museen und Galerien.

Unser Ziel ist es, die erworbenen Werte zu schützen. Denn das Schützen von Werten ist als Versicherungsverein mit bald 200-jähriger Erfahrung Teil unserer DNA. Und wenn dann doch mal was passiert, kann es sogar vorkommen, dass ein Richter Einzug in mein Büro hält. Kunst bewegt.

Autor Dr. Christopher Lohmann ist Vorstandsvorsitzender der Gothaer Allgemeine AG.

Fotos: Gothaer Versicherungen, Shutterstock

 

Mehr Beiträge zum Thema Kunst:

Generali: Neue Kunstversicherung in München [5]

Generali: “Drei Geschäftsfelder – Drei Marken” [17]

Riester-Zulage: Probleme für Künstler und Publizisten [18]