22. November 2019, 13:40
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Cyber Crime: „Man wundert sich über die Einfallstore“

Unternehmen geraten immer stärker in den Fokus von Cyberkriminellen. Die Schäden gehen in die Milliarden. An der Bereitschaft vorzusorgen, hapert es aber noch. Johannes Steffl, Head of Cyber Underwriting bei HDI Global, und Andreas Seidel, Senior Business Developer bei Adesso, erklären, warum viele Firmen das Thema Cybersicherheit unterschätzen.

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Johannes Steffl (li.), Head of Cyber Underwriting bei HDI Global, und Andreas Seidel, Senior Business Developer bei Adesso im Gespräch.

 

Wir erleben derzeit einen fundamentalen Wandel in der Wirtschaft. Wie umfassend ist der Umbruch?

Steffl: Jedes Unternehmen beschäftigt sich mit dem Thema Digitalisierung und fragt sich, wie sich dieser Trend auf traditionelle Geschäftsmodelle auswirkt. Die größten Unternehmen nach Marktkapitalisierung sind nicht mehr Energiekonzerne oder Automobilhersteller.

Es sind Technologiekonzerne wie Apple, Amazon und Google; in Deutschland ist es SAP. Das Wirtschaften findet zunehmend im digitalen Raum statt. Wir erleben also einen Wandel von einer materiellen hin zu einer immateriellen Wertschöpfung.

Informationen sind der Produktionsfaktor für die digitale Transformation, und diesen gilt es zu schützen. Die Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von Informationen werden zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Digitalisierung ohne Informationssicherheit kann dauerhaft nicht erfolgreich sein.

Seidel: Alles, was digitalisiert werden kann, wird in Zukunft digitalisiert und das, weil Kunden, weil Unternehmen, weil Behörden, weil die Verbraucher, weil die ganze Gesellschaft das genauso möchte. Auf diese knappe Aussage kann die Antwort auf die Frage reduziert werden, warum zunehmend Prozesse digitalisiert werden.

Die Digitalisierung wird weiter unser aller Lebens- und Arbeitswelt tiefgreifend verändern. Es werden die Unternehmen im Wettbewerb bestehen, die die Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse vorantreiben und dabei über die digitale Transformation neue Geschäftsmodelle für sich entwickeln. Wer sich dieser Herausforderung nicht stellt und nicht massiv in Digitalisierung investiert, der riskiert den Untergang seines Unternehmens.

Wir kaufen bei Amazon Produkte ein, die uns das Unternehmen binnen weniger Stunden vor die Haustür liefert. Und diese Erfahrung übertragen wir auf alle anderen Bereiche?

Seidel: Wir sehen heute Filme und hören Musik zunehmend über Streaming-Dienste. Unseren Urlaub halten wir in Fotos fest, die wir mit dem Smartphone schießen und Urlaubsgrüße versenden wir über Social-Media-Kanäle oder versenden Postkarten über Plattformdienste.

Der private Bereich ist schon voll digitalisiert und wir haben uns daran gewöhnt und finden es gut. Wir sind irritiert, wenn wir dieses digitale Erlebnis im Kontakt mit Behörden, Banken, Versicherungen, dem Handel und anderen Unternehmen so nicht vorfinden.

Für Unternehmen geht die Veränderung noch einen Schritt weiter. Sie kann zu einem völlig geänderten Geschäftsmodell führen. So verändert sich beispielsweise ein Leuchtenhersteller vom reinen Produzenten hin zu einem Dienstleister für Licht.

Dabei werden die Leuchten mit Sensorik ausgestattet, die mit einer Zentrale verbunden ist. Störungen werden an die Zentrale gemeldet und anschließend behoben. Um diese Dienstleistung anbieten zu können, müssen sich Systeme öffnen, Daten fließen, verarbeitet und geschützt werden. Produktionsstätten, Unternehmen, Dienstleister und Kunden werden miteinander vernetzt. Spätestens mit diesem Schritt gewinnt das Thema IT-Sicherheit an Bedeutung.

 

Seite 2: Wie steht es um die Datensicherheit?

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