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Nur jeder Zweite arbeitet bis zum Renteneintritt

302.000 der 759.000 Neurentner sind 2017 bis zum Eintritt in die Altersrente sozialversicherungspflichtigt beschäftigt. Die Rentenversicherung sieht einen steigenden Trend. Die Bundesregierung sieht darin Grund genug, die Anhebung der Altersgrenze zum regulären Renteneintritt weiter voranzutreiben. Warum das keine gute Idee ist.

Private Altersvorsorge ist nach wie vor existentiell wichtig.

Seit 2009 steigt die Anzahl der Personen an, die bis zum Beginn der regulären Altersrente [1] einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen. Die eingetretene Verdoppelung dieses Personenkreises stimmt die Bundesregierung positiv: “Im Ergebnis hält die Bundesregierung hält die im Jahr 2007 beschlossene Anhebung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre weiterhin für notwendig und für vertretbar.” steht im 4-Jahres-Bericht als Ergebnis dieser Entwicklung geschrieben.

Auch für die kommenden Jahre scheint der Positivtrend weiter anzuhalten. Grund dafür ist die beginnende Verrentung der Babyboomer, einer der zahlenmässig stärksten Generationen der Bundesrepublik. Insofern gilt es diesen Trend nicht zu verallgemeinern, da die geburtenschwachen Jahrgänge diese Zahlen im Verhältnis nach unten korrigieren werden.

Kein Grund zum Jubeln

Diese Entwicklung stellt jedoch keinen Grund zum Jubeln dar. Im Umkehrschluss bedeutet sie nämlich, dass heute jeder Zweite das Rentenalter nicht erreicht. In geburtenschwächeren Jahrgängen verschiebt sich diese Entwicklung so, dass auf jeden Rentner fast zwei Personen kommen, die das reguläre Rentenalter nicht erreichen.

Seite zwei: Schiefe Statistik [2]Die Novellierung der Erwerbsminderungsrente senkt zwar die Fallzahlen gegenüber 1996 leicht ab. Jedoch gilt zu beachten, dass der altersbedingte Anstieg bei der Fallzahl an Erwerbsminderungsrente in den vergangenen Jahren gleich geblieben ist. Somit sind die Personen, die heute fehlen, mitunter schon lange Jahre aus dem Erwerbsleben ausgeschieben, bevor sie eine Altersrente beantragen können.

Zugleich haben seit 2014 mehr als eine Million Menschen einen Antrag auf die vorgezogene Rente mit 63 Jahren gestellt. Die meisten dieser Anträge wurden auch bewilligt. Im Mittel seien es laut statistischem Bundesamt etwa 200.000 Fälle pro Jahr.

Führt man diese beiden Entwicklungen zusammen und rechnet die bereits vor der Altersrente ausgeschiedenen Personen wieder in die Statistik hinein, verschieben sich die vermeintlich positiven Zahlen bereits heute.

Je früher die Rente kommt, desto länger dauert das Leben

Wer die reguläre Altersrente nicht erreicht, der bezahlt Abschläge [3]. Zwar kostet die Rente mit 63 Jahren derzeit 1,3 Milliarden Euro je Monat. Dies entspricht einer Verdoppelung der bis Juni 2014 gezahlten Renten. Demgegenüber stehen die eingesparten Renten der Personen, die mit 63 Jahren in Rente gehen. 0,3 Prozent wird für jeden Monat gekürzt, den die Person früher als mit 45 Jahren Lebensarbeitszeit in Rente geht. Im Durchschnitt sind dies etwa 113 Euro pro Person. Somit sind die Mehrkosten durch langfristige Ansparungen annähernd gedeckt.

Wer sogar das 63. Lebensjahr aufgrund körperlicher Gebrechen nicht erreicht, der muss mit 754 Euro durchschnittlicher Erwerbsminderungsrente zurecht kommen. Die Altersrente sieht durch das frühe Ausscheiden aus dem Erwerbsleben häufig bescheiden aus. Private Vorsorge [4] bleibt deshalb alternativlos. (fm)

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