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Weniger Pensionsverpflichtungen deutscher Unternehmen

Der Wert der Pensionsverpflichtungen der Dax 30-Unternehmen ist im Jahr 2018 von 380,8 auf etwa 366 Milliarden Euro gesunken. Im gleichen Zeitraum sank das Pensionsvermögen im IFRS-Abschluss von 258,0 auf etwa 246 Milliarden Euro.

Unternehmen im Dax 30 haben Deckungsgrad der Pensionsverpflichtungen von 67 Prozent.

Der Deckungsgrad der Pensionsverpflichtungen ist mit etwa 67 Prozent zwar gegenüber dem Vorjahr (69 Prozent) leicht gesunken, liegt aber im Vergleich zu den vorherigen Jahren immer noch auf überdurchschnittlichem Niveau. Dies sind die Ergebnisse einer Hochrechnung des Beratungsunternehmens Mercer auf Basis der bis dato veröffentlichten Geschäftsberichte der Dax 30-Unternehmen für das Jahr 2018.

Rechnungszins hat nur wenig Anteil an Entlastung bei Pensionsverpflichtungen

Im Jahr 2018 haben die Commerzbank [1] und ProSiebenSat.1 Media den Dax 30 verlassen, Covestro und Wirecard [2] wurden neu aufgenommen. Dadurch sank der Verpflichtungswert um 5,4 Milliarden Euro auf 375,4 Milliarden Euro. Ende 2018 lag der Wert mit etwa 366 Milliarden Euro um rund zehn Milliarden oder etwa 2,5 Prozent unter dem so angepassten Vorjahreswert.

Dem Absinken der Verpflichtungen in Höhe von 2,5 Milliarden aufgrund der Zinsänderung wirkten diverse Effekte, vor allem Akquisitionen und Veräußerungen, entgegen, wodurch die Verpflichtungen deutlich unter das Niveau von 2017 sanken. In 2019 ist ein Anstieg der Pensionsverpflichtungen zu erwarten, da die geplante Veräußerung von Innogy zwar bereits von RWE erfasst wurde, E.On diese Verpflichtungen in 2018 allerdings noch nicht aufführt.

Keine Trendwende beim Rechnungszins

“Von einer deutlichen Trendwende beim Rechnungszins [3] kann daher nicht gesprochen werden“, erläutert Thomas Hagemann, Chefaktuar von Mercer
Deutschland. Der Rechnungszins nach der Mercer Yield Curve, einem Verfahren zur Herleitung des Rechnungszinssatzes nach IAS 19, ist im Jahr 2018 für eine Duration von 15 Jahren von etwa 1,9 auf etwa 2,0 Prozent und für eine Duration von 20 Jahren von etwa 2,1 auf etwa 2,2 Prozent gestiegen.

“Die tatsächliche Zinsveränderung in den einzelnen Unternehmen hängt von der Bestandszusammensetzung und dem gewählten Zinsermittlungsverfahren ab. Im Schnitt haben die Dax 30-Unternehmen den Rechnungszins ebenfalls um etwa 0,1 Prozentpunkte erhöht”, so Hagemann weiter.

Zunächst nur bilanzielle Bewertungen

Ohne eine Änderung beim Rechnungszins und ohne die Veränderung bei der Zusammensetzung des Dax beziehungsweise der Dax-Konzerne wären die Verpflichtungswerte nahezu unverändert geblieben, weil Dienstzeit- und Zinsaufwand 2018 in etwa genauso groß waren wie die getätigten Zahlungen.
Zu beachten ist, dass es sich bei dem Rückgang der Pensionsverpflichtungen zunächst nur um eine rein bilanzielle Bewertung handelt.

Die Verpflichtungen selbst sind i. d. R. nicht zinsabhängig, d. h. die späteren Versorgungszahlungen werden durch die Niedrigzinsphase im Allgemeinen und die aktuelle kurzfristige Entlastung im Besonderen grundsätzlich nicht beeinträchtigt. Die bilanziellen Effekte aus der Zinsänderung werden zudem erfolgsneutral erfasst, belasten also nicht das Unternehmensergebnis.

Seite zwei: Schwieriges Aktienjahr führt zur Reduktion des Pensionsvermögens [4]

Durch die geänderte Zusammensetzung des Dax 30 sank das Pensionsvermögen um gut sechs auf 251,9 Milliarden Euro. Dieses Vermögen ist im Laufe des Jahres 2018 weiter deutlich auf etwa 246 Milliarden Euro gesunken, was vor allem auf die geplante Veräußerung von Innogy durch den RWE Konzern sowie das vergangene Aktienjahr zurückzuführen ist.

Der europäische Aktienmarkt startete 2018 mit Verlusten, hauptsächlich getrieben durch die sich eintrübenden Wirtschaftsindikatoren. Danach sah es im Jahresverlauf positiver aus. Insbesondere der nordamerikanische Aktienmarkt überraschte mit hohen Renditen im dritten Quartal. Die internationalen Handelsspannungen führten jedoch dazu, dass das Aktienjahr 2018 insgesamt negativ geschlossen hat.

Festverzinsliche konnten Aktienverluste nicht ausgleichen

Bei Renditen von minus zehn Prozent für europäische Aktien und minus fünf Prozent bei nordamerikanischen Aktien konnten auch die festverzinslichen Wertpapiere, die teilweise positiv rentierten, die Verluste nicht ausgleichen. Auch von den sogenannten Schwellenländern gab es in 2018 keinen positiven Renditebeitrag. Die geschätzte Gesamtrendite der Dax 30-Unternehmen lag bei ca. minus 1,5 Prozent.

Die Reduktion des Pensionsvermögens wäre jedoch noch größer ausgefallen, hätten die Unternehmen nicht zusätzliche Zuführungen zu den Planvermögen geleistet. In 2018 lagen diese schätzungsweise bei etwa 3,5 Milliarden Euro über den Auszahlungen.

Keine Pflicht zur Bildung von Pensionsvermögen

“Im Vergleich zur restlichen Wirtschaft in Deutschland sind die Verpflichtungen der Dax 30-Unternehmen sehr gut mit Pensionsvermögen bedeckt”, kommentiert Jeffrey Dissmann, Senior Investment Consultant bei Mercer. Zu beachten ist, dass es in Deutschland keine Pflicht gibt, Pensionsvermögen zu bilden.

Aufgrund der gesetzlichen Insolvenzsicherung durch den Pensions-Sicherungs-Verein a. G. besteht auch keine Notwendigkeit, die Versorgungsberechtigten über Pensionsvermögen abzusichern. Die Bildung von Pensionsvermögen geschieht also auf rein freiwilliger Basis. Dennoch entscheiden sich immer mehr Unternehmen für die Ausfinanzierung und damit für die Bildung von eigenem Pensionsvermögen.

Seite drei: Unternehmen müssen ihre Portfolios 2019 auf Kreditausfälle vorbereiten [5]

Auch wenn es letztes Jahr Zeichen für einen Aufwärtstrend beim Rechnungszins gab, bleibt das Zinsniveau in der Eurozone weiterhin unter dem historischen Durchschnitt. Das Risiko, dass dieser Zins wieder sinken wird, besteht weiterhin. Somit sind auch zinsbedingte Erhöhungen des Verpflichtungsumfangs nicht ausgeschlossen. Dadurch werden die Unternehmen immer stärker dazu gezwungen, modernere Zusageformen ohne Garantien – insbesondere Zinsgarantien – zu wählen.

Reine Beitragszusagen künftig im Fokus

“Reine Beitragszusagen werden in der Zukunft vermehrt im Fokus stehen, auch wenn die durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz geschaffenen neuen Möglichkeiten von den Tarifpartnern im Jahr 2018 noch nicht genutzt wurden”, erklärt Hagemann.

Die Weltwirtschaft bewegt sich momentan auf das Ende des aktuellen Kreditzyklus zu, der in der Regel klar definierte Phasen durchläuft. Mit dem steigenden Schuldenniveau der Unternehmen steigen auch die Risiken, wodurch sich das Kreditausfallrisiko erhöht.

Von Anlegern wird Handlungsbereitschaft erwartet

“Wir erwarten auch weiterhin politische Entscheidungen, die sich für die Unternehmen kurzfristig positiv auswirken werden, sowie unterstützende makroökonomische Bedingungen. Jedoch gilt es schon jetzt, Wertpapierportfolien so anzupassen, dass Ausfälle möglichst minimiert werden können”, so Dissmann.

“Ähnlich wie 2018 werden auch in diesem Jahr politische Konflikte äußert relevant für den Kapitalmarkt sein. Die gegenläufige Entwicklung des Anleihen- und Aktienmarkts, die zunehmend restriktivere Geldpolitik der Zentralbanken und die möglichen politischen Konflikte der großen Volkswirtschaften sind Themen, die von Kapitalanlegern Aufmerksamkeit und Handlungsbereitschaft fordern.” (fm)

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