16. Juli 2020, 11:26
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Allianz Research: 2. Covid-19-Welle bremst Tempo der Erholung

Seit April 2020 operiert die Weltwirtschaft mit einer Auslastung von nur 70 bis 80 Prozent, und diese Situation wird aufgrund lokaler Beschränkungen und Auflagen zur Bekämpfung neuer Covid-19-Ausbrüche voraussichtlich bis zum vierten Quartal 2020 andauern. Allianz Research erwartet für dieses Jahr ein Minus in der globalen Wirtschaftsleistung um 4,7 Prozent. Für 2021 sehen die Analysten dann die Rückkehr auf den Wachstumspfad und ein Plus von 4,8 Prozent.

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Die Ausbreitung des Coronavirus wirkt sich deutlich auf die globale Wirtschaft aus.

“Wir befinden uns mitten in dieser Krise, der Phase 2 des Virus, mit lokalen und leichten Beschränkungen; verglichen mit der schweren großen Lockdown-Rezession wird diese Phase lang, holprig und darwinistisch sein und je nach Land, Sektor und Anlageklasse sehr unterschiedliche Auswirkungen haben”, sagte Ludovic Subran, Chefökonom der Allianz.

Im Vergleich zu anderen Ländern waren die Beschränkungen in Deutschland relativ kurz und weniger streng. Zusammen mit der geringeren Abhängigkeit vom Dienstleistungssektor hat Deutschland daher gute Voraussetzungen, sich schneller als die meisten europäischen Länder zu erholen.

Am wichtigsten war nach Auffassung der Allianz Experten jedoch das umfassende fiskalische Hilfspaket (fast 35 Prozent des BIP in Form öffentlicher Garantien und direkter Hilfen), das entscheidend dazu beigetragen hat, die wirtschaftlichen Auswirkungen von Covid-19 zu begrenzen.

Dies erklärt zu einem großen Teil, warum die Insolvenzen in Deutschland bis Ende 2021 voraussichtlich nur um zwölf Prozent steigen dürften, während der Anstieg für die Eurozone insgesamt mit plus 31 Prozen mehr als doppelt so hoch ausfallen dürfte.

“Auch wenn Deutschland die Pole-Position für die Erholung der Wirtschaft inne hat, steht eine schnelle Rückkehr zum Tagesgeschäft nicht an: Obwohl der private Konsum in Deutschland dank des zusätzlichen Rückenwindes durch die Mehrwertsteuersenkung und den Kindergeldbonus auf einem V-förmigen Erholungskurs ist, werden die Aussichten der exportabhängigen deutschen Wirtschaft durch die schleppende und asynchrone Konjunkturerholung der Weltwirtschaft und damit auch des Handels gedämpft”, so Subran.

Alles in allem dürfte die deutsche Wirtschaft nach einem Rückgang von sieben Prozent im Jahr 2020 im Jahr 2021 nur um 4,5 Prozent zulegen. Angesichts der nur allmählichen Erholung wird das deutsche BIP erst zur Jahreswende 2022/23 das Vorkrisenniveau erreichen.

Die monetären und fiskalischen Stimuli als Reaktion auf die Covid-19-Krise beliefen sich im Jahr 2020 auf mehr als 18 Billionen US-Dollar, das 1,3-fache des chinesischen BIP. Die geldpolitischen Impulsindizes von Allianz Research zeigen Rekordniveaus in den USA, der Eurozone und Großbritannien; China hingegen ist noch weit von den Rekordsummen nach der Finanzkrise von 2009 entfernt.

Inzwischen summiert sich die globale fiskalische Unterstützung seit März 2020 auf 10,4 Billionen USD (Zwölf Prozent des globalen BIP). Je nach Land liegen die Hilfen zwischen drei und 18 Prozent des BIP.

Die Höhe der Hilfen und die Wirksamkeit der automatischen Stabilisatoren werden laut Allianz Research den künftigen Erholungskurs der einzelnen Länder bestimmen. Deutschland, die Niederlande, die Schweiz und Österreich dürften sich schneller erholen, während Japan, die USA, Spanien, Großbritannien und Italien wahrscheinlich noch mehr fiskalische Hilfen benötigen werden.

Europa dürfte sein Vorkrisen-BIP-Niveau erst Ende 2022/23 erreichen, während China und die USA dieses Niveau ein Jahr früher erreichen könnten, abhängig vom Management der zweiten Welle. Alles hängt ab von der Stärke der weiteren Unterstützung der Erholung zusammen mit gezielten Hilfen für die am stärksten betroffenen Sektoren bis Jahresende. “Angesichts höherer Solvenzrisiken im 2. Halbjahr 2020 und 2021 erwarten wir einen Anstieg der weltweiten Insolvenzen um plus 35 Prozent in 2020-21”, sagte Subran.

Das Volumen des Welthandels dürfte im Jahr 2020 um 15 Prozent zurückgehen, gefolgt von einer Erholung von acht Prozent im Jahr 2021 und 4,1 Prozent im Jahr 2022. Die Exportverluste von 4,5 Billionen USD im Jahr 2020 werden sich sehr unterschiedlich auf die einzelnen Länder und Sektoren verteilen.

Im Vergleich zum Warenhandel, der bis Ende 2022 voraussichtlich wieder das Niveau von vor der Krise erreichen wird, wird die Erholung im Dienstleistungssektor wesentlich länger dauern (2023 bei Reise- und Transportdienstleistungen). Der Energiesektor wird am stärksten betroffen sein mit Exportverlusten von 733 Milliarden US-Dollar, gefolgt von Metallen (-420 Milliarden US-Dollar) und an Automobilhersteller gebundene Transportdienstleistungen (-270 Milliarden US-Dollar). (dr)

Foto: Shutterstock

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