6. Oktober 2020, 12:08
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Allianz-Studie: Corona bringt neue Risiken für Versicherungen

Weniger Unfälle, aber mehr Cyber-Attacken: Die Corona-Pandemie hat nach Einschätzung der Allianz langfristige Auswirkungen auf Versicherungen.

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Die Risiken von Hackerangriffen steigen, wenn viele Arbeitnehmer in vergleichsweise schlecht gesicherten Heimbüros auf Firmennetzwerke zugreifen.

Im ersten halben Jahr der Corona-krise sind in manchen Bereichen des Firmenkundengeschäfts die Sach- und Haftpflichtschäden zurückgegangen, weil es weniger Unfälle gab. Das berichtet die Allianz-Industrieversicherungstochter AGCS in einer am Dienstag in München veröffentlichten Studie. Auf der anderen Seiten steigen die Risiken von Hackerangriffen, wenn viele Arbeitnehmer in vergleichsweise schlecht gesicherten Heimbüros auf Firmennetzwerke zugreifen.

Nach einer Schätzung der britischen Versicherungsbörse Lloyd’s könnte Covid-19 für die Branche in diesem Jahr weltweit Kosten von 110 Milliarden Dollar bedeuten. Die AGCS selbst hat bislang 450 Millionen Euro für Coronaschäden zurückgestellt. Der Großteil davon entfällt auf die Ausfallversicherung von Filmen, Fernsehproduktionen und Großveranstaltungen, wie AGCS-Vorstandsmitglied Thomas Sepp erläuterte.

Einen starken Rückgang der Schäden um mehr als die Hälfte gab es dagegen in der Luftfahrt-Versicherung: Da der Flugverkehr im Frühjahr weitgehend zum Erliegen kam, gab es nicht nur weniger Schäden an Flugzeugen und Flughäfen – es gab auch sehr viel weniger Unfälle von Passagieren auf Flughäfen und in Flugzeugen.

Die schwere Krise der Luftfahrt könnte nach Einschätzung der AGCS-Fachleute aber langfristig sogar Auswirkungen auf die Sicherheit haben, wenn Flughäfen, Wartungsfirmen und Fluggesellschaften Personal abbauen und erfahrene Mitarbeiter vor die Tür setzen: Das könne insgesamt “zum Verlust von Knowhow und auch Praxis führen”, sagte AGCS-Schadenmanager Philip Cremer.

Veränderte Risiken durch mobiles Arbeiten

Auf dem US-Versicherungsmarkt habe es im ersten Halbjahr einen überproportional hohen Anteil von Cyberschäden gegeben, sagte Sepp. Nach Industriestatistiken handelte es sich bei mehr als 40 Prozent dieser Schäden um Online-Erpressung per Ransomware. Die Täter legen Firmennetzwerke mit Verschlüsselung lahm und verlangen hohe Summen für die Freischaltung. “Das ist ein Trend, den sehen wir mit Sorge”, sagte Sepp.

Mobiles Arbeiten kann demnach aber auch ohne Hackerangriffe veränderte Risiken für Arbeitgeber und Versicherungen bedeuten, etwa wenn Arbeitnehmer bei Arbeitsunfällen im Heimbüro verunglücken. Dass die Unternehmen rund um den Globus ihre Belegschaften jemals wieder in früherem Ausmaß in ihre Büros zurückschicken, glauben die Allianz-Fachleute nicht: “Ich glaube, diese Schwelle ist überschritten, und die wird sich nicht weiter zurückdrehen lassen”, sagte Sepp. (dpa-AFX)

Foto: Shutterstock

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