28. Mai 2020, 11:19
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Allianz vergleicht weltweit Rentensysteme: Deutschland nur auf Platz 26

Deutschland wurde 2019 zum vierten Mal in Folge Exportweltmeister. Doch während sich die Wirtschaft im internationalen Vergleich bärenstark präsentiert, ist das deutsche Rentensystem nur Mittelmaß. Platz 26 von 70 im ersten Global Pension Report der Allianz zeigt, dass die Politik nach der Coronakrise auch in Sachen Rentereform endlich die Hausaufgaben erledigen muss.

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Die Allianz hat ihren ersten „Global Pension Report“ veröffentlicht, der mit Hilfe des eigenen „Allianz Pension Index“ (API) insgesamt Rentensysteme rund um den Globus analysiert. Der Index folgt einer einfachen Logik: Er beginnt mit der Analyse der demographischen und fiskalischen Grundvoraussetzungen und fährt dann fort, die beiden Hauptdimensionen eines jeden Rentensystems zu untersuchen: Nachhaltigkeit und Angemessenheit.

Der Index ruht daher auf drei Sub-Indizes und berücksichtigt insgesamt 30 Parameter, die Werte zwischen eins und sieben annehmen können, wobei eins den besten Wert bezeichnet. Mit der gewichteten Summe aller Parameter weist der API jedem der analysierten 70 Länder einen Wert zwischen eins und sieben zu und erlaubt so eine umfassende Einschätzung des jeweiligen Systems.

“Rentenreformen sind in den letzten Jahren etwas in den Hintergrund gedrängt worden, erst von der Klimafrage, heute durch die Corona-Pandemie“, sagte Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Allianz. „Aber wird die Demographie ignoriert, droht eine Rentenkrise. Ohne Gerechtigkeit und Ausgleich zwischen den Generationen fehlen essentielle Grundbedingungen für eine stabile Gesellschaft, die allen eine faire Chance gibt.“

Die Dramatik des bevorstehenden demographischen Wandels lässt sich am besten anhand des Altersquotienten (Anteil der Menschen, die 65 Jahre und älter sind, an der Erwerbsbevölkerung) zeigen: bis zum Jahr 2050 wird er um 77 Prozent auf 25 Prozent steigen – und damit schneller als in den 70 Jahren davor.

In vielen Entwicklungsländern wird sich der Altersquotient in den nächsten drei Jahrzehnten verdoppeln, in Europa und Amerika benötigte diese Entwicklung noch mehr als doppelt so lange. Das bekannteste Beispiel ist China, wo  der Altersquotient von 17 auf 44 Prozent ansteigen dürfte. In den Industrieländern dagegen ist vor allem die absolute Höhe problematisch, in Westeuropa zum Beispiel wird er auf 51 Prozent klettern.

Diese Entwicklung wird im ersten Sub-Index des API aufgenommen, die die Ausgangsbedingungen misst: finanziellen Spielraum und demographischen Wandel. Wenig überraschend schneiden dort  viele Entwicklungsländer in Afrika und Asien relativ gut ab, da dort die Bevölkerung noch jung und öffentliche Defizite und Schulden eher niedrig sind. Auf der anderen Seite erzielen europäische Länder wie Portugal oder Italien die schlechtesten Werte: eine alte Bevölkerung trifft auf hohe Schulden.

„Für die meisten Industrieländer trifft der alte schottische Witz zu: Wenn ich ein stabiles Rentensystem bauen würde, würde ich sicherlich nicht von hier starten“, sagte Michaela Grimm, Autorin des Reports. „Und das beschreibt noch die Situation vor der Corona-Pandemie und dem dadurch ausgelösten Tsunami neuer Schulden. Eine Folge der gegenwärtigen Krise wird es ohne Frage sein, dass wir unsere Anstrengungen zur Reform der Rentensysteme verdoppeln müssen. Was es eventuell noch an finanziellen Spielräumen gab, ist unwiderruflich fortgespült worden.“

Der zweite Sub-Index des API ist die Nachhaltigkeit und misst, wie Systeme auf den demographischen Wandel reagieren. Gibt es eingebaute Stabilisatoren oder fällt das System auseinander, wenn eine sinkende Zahl an Einzahlern einer immer größeren Zahl an Rentenempfängern gegenüber steht?

Eine wichtige Stellgröße in diesem Zusammenhang ist das Rentenalter. 1950 konnte ein 65 Jahre alter Mann in Nordamerika oder Europa erwarten, bis zu seinem Tod noch etwa 12,5 Jahre im Ruhestand zu verbringen; heute liegt diese Zahl bereits bei 17,6 Jahren und bis zum Jahr 2050 wird sie auf 20,8 Jahre ansteigen.

In der Konsequenz verschiebt sich damit das Verhältnis der Zeitspannen von Erwerbsleben und Ruhestand signifikant. Länder, die das Rentenalter oder Rentenleistungen an die Lebenswertwartung koppeln, wie beispielsweise die Niederlande, haben daher ein nachhaltigeres Rentensystem als solche Länder, in denen die weitere Erhöhung des Rentenalters ein politisches Tabu darstellt.

Der dritte Sub-Index des API analysiert die Angemessenheit des Rentensystems, also die Frage, ob das System einen angemessenen Lebensstandard im Alter sicherstellt. Wichtige Stellschrauben sind der Abdeckungsgrad – also wie groß ist der Anteil der Erwerbsbevölkerung und der Menschen im Rentenalter, die vom System erfasst werden? – die Rentenhöhe – also wieviel Rente (gemessen am Durchschnittseinkommen) bezieht ein durchschnittlicher Rentner? – und schließlich die Existenz einer zweiten, kapital-gedeckten Säule und weiterer Quellen für Alterseinkommen.

Insgesamt ist der durchschnittliche Wert für Angemessenheit (3,7) leicht höher als der für Nachhaltigkeit (4,0). Laut Allianz ein Hinweis darauf, dass viele Rentensysteme ein größeres Gewicht auf die Wohlfahrt der heutigen Rentnergeneration legen als auf die der zukünftigen Beitragszahler. Die Länder, die hier am besten abschneiden, sind entweder Länder, die immer noch großzügige staatliche Rentensysteme haben, zum Beispiel Österreich oder Italien, oder Länder mit einer starken zweiten und dritten Säule, wie die Niederlande und Neuseeland.

Niedrigzinsen setzen kapitalgedeckte Systeme unter Druck

Kapitalgedeckte Systeme sind aufgrund der dauerhaft niedrigen Zinsen allerdings unter erheblichen Druck geraten. Die Corona-Krise hat die Situation noch einmal verschärft. „Das Niedrigzinsumfeld hat sowohl Pensionsfonds als auch Lebensversicherer dazu gezwungen, sich Alternativen Anlagen zuzuwenden“, sagte Cameron Jovanovic, der das Team für globale Rentenlösungen bei der Allianz SE leitet.

„Alternative Anlagen erlauben es dabei den Anbietern, eine Illiquiditätsprämie zu vereinnahmen, die gut zur Langfristigkeit ihrer Verpflichtungen passt. Eine andere Strategie besteht darin, nicht Renditen hinterherzujagen, sondern Risiko aus dem Portfolio zu nehmen; sogenannte Langlebigkeits-Swaps, Risikotransfers oder kreative Rückversicherungslösungen sind Mittel, Risikopositionen zu optimieren.“

Werden die Werte aller drei Sub-Indizes zusammengenommen, ergibt sich der Gesamtwert des API: Schweden, Belgien und Dänemark sind dabei die drei Länder mit den relativ besten Rentensystemen weltweit (siehe Tabelle).

Deutschland, auf der anderen Seite, steht auf Rang 26: In punkto Angemessenheit (3,0) und Nachhaltigkeit (3,5) liegt Deutschland im internationalen Vergleich noch im oberen Mittelfeld. Der eigentliche Schwachpunkt des deutschen System sind die Grundvoraussetzungen (4,8).

Fazit des Reports für Deutschland: Auch wenn frühere Reformen das System stabiler machten, kann sich Deutschland angesichts des bevorstehenden demographischen Wandels nicht auf seinen Erfolgen ausruhen, vor allem angesichts der jüngsten Einführung von neuen und teuren Leistungen. Die Debatte um die Rente wird daher nach Corona wieder auf die politische Tagesordnung zurückkehren. Das Fenster für wichtige Maßnahmen schließt sich jedoch schnell. Rentenreformmüdigkeit ist das letzte, was sich Deutschland leisten kann. (dr)

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3 Kommentare

  1. Leider werden Kommentare zensiert und nicht veröffentlicht. Wer kritisch ist nicht Staatskonform. Daher bringe ich meine persönliche Meinung nicht zum Ausdruck. Hier die politisch angepasste Version. Toll! Danke für den Beitrag. Wir haben den Artikel in unserem Team weitergegeben und demokratisch ausgewertet. In unserer Diskussion haben wir alle staatlich uns zur Verfügung stehenden Informationen zusammengetragen und versucht auszuwerten. Das Fazit ist: wir sind froh in der BRD zu leben. Die Welt wird spürbar bunter und wir alle sind uns einig. Was sind Zahlen. In keinem anderen Land wird so gut für die Menschen gesorgt. Jede Form zum Erhalts des Lebens wird genutzt. Es gibt genug zu Essen und zu Trinken. Alle Menschen sind glücklich. Nur das Beste aus der elitären Gesellschaft regiert uns. Nur so kommen wir zu den wirtschaftlichen und sozialen Erfolgen. Abweichler werden konsequent aufgespürt und angemessenen Methoden zum Umdenken gebracht. Wir bedanken uns für den Beitrag. Und fragen uns gleichzeitig wer oder was ist Schweden?

    Kommentar von Ridschie Blanko — 1. Juni 2020 @ 10:20

  2. Hallo,
    ich habe den Eindruck, das die Statistiker die letzten Entwicklungen nicht berücksichtigt haben.Da Sie auch nicht erwähnt werden,kommen halt Zweifel auf.
    Die da wären:
    Durch die Flüchtlingsaufnahme ab 2015 muss sich ja der Bevölkerungsdurchschnitt verjüngt haben.
    2050 soll jeder Rentner/in 20,8Jahre seine Rente erleben.Diese Zahl müsste eher rückläufig sein.
    Die Menschen werden immer dicker und kranker.Allein die Diabetis ist massiv auf dem Vormarsch.Bewegungsarmut usw.
    Die heutigen sehr alten Menschen haben den Krieg, Hunger und viele Krankheiten überlebt.
    Diese Auslese gibt es nicht mehr.

    Kommentar von Uwe Mörsfelder — 31. Mai 2020 @ 22:24

  3. Der Bericht und die Forderung nach Reformen ist zwar nett und schön, aber so lange Deutschland die Politik am “Umlagesystem” von Adenauer festhält und nicht endlich zu einem kapitalgedeckten System welcher Couleur auch immer umschwenkt, bleibt es immer eine Verwaltung der Mangelwirtschaft “Gesetzliche Rentenversicherung” mit einem “saumäßigen” Ergebnis.
    Die Realität ist nämlich, dass die Höhe der Regelaltersrente laut “Rentenbericht 2018” durchschnittlich ganze 638 Euro monatlich betragen im Jahre 2018 hat.
    Das durchschnittliche Brutto-Einkommen der gesetzlich Versicherten lag 2018 bei 3156 Euro monatlich, wobei man berücksichtigen sollte, dass etwa 40% bis 50% aller Vollzeit-Beschäftigten maximal 2500 Euro Brutto “verdienen” und somit diese Arbeitnehmer/innen nach der heutigen Rentenformel eine Rente von vielleicht 500/600 Euro monatlich (abzgl. KV-Beitrag) zu erwarten haben.
    Die Frage stellt sich somit, worüber wir eigentlich hier diskutieren (sollten) und ob wir dafür eine derartige “Indexierung” brauchen?!

    Kommentar von Siegfried Mai — 31. Mai 2020 @ 12:00

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