25. Juni 2020, 11:33
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Assekurata Marktausblick Lebensversicherung: 30 Prozent der Beitragseinnahmen entfallen auf die Allianz

Die Coronapandemie hat das Wachstum der deutschen Lebensversicherer ausgebremst. Allerdings erwartet die Kölner Rating Agentur Assekurata nur einen überschaubaren Rückgang des Neugeschäfts. Angesichts der weiter niedrigen Zinsen zeigt sich Assekurata im aktuellen „Marktausblick zur Lebensversicherung“ verwundert über die immer noch sehr hohen Kapitalanlage in festverzinsliche Wertpapiere. Zudem konzentriert sich das Neugeschäft immer deutlicher auf Allianz und Co.

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Denn das seit Jahren vorherrschende Niedrigzinsumfeld erschwere es insbesondere den Lebensversicherern, allein mit festverzinslichen Kapitalanlagen ausreichend Rendite zu erwirtschaften, um die Rechnungszinsen in den Beständen zu bedienen.

Zwar sei der Bestand an festverzinslichen Wertpapieren seit 2011 bei den von Assekurata gerateten Lebensversicherern durchschnittlich um 10,3 Prozentpunkte zurückgegangen. Allerdings waren zum Bilanzstichtag 2019 immer noch durchschnittlich 81,3 Prozent der Kapitalanlagen (nach Marktwerten) festverzinslich angelegt.

In einer Online-Befragung aus April und Mai 2020 unter 30 Kapitalanlegern von Versicherern gab allerdings gut jeder dritte Asset Manager an, die Aktien- und Immobilienquote im eigenen Unternehmen erhöhen zu wollen.

Sogar mehr als die Hälfte will den Anteil an alternativen Investments aufstocken. Im Gegenzug erwägen viele Asset Manager, den Anteil an festverzinslichen Wertpapieren zu reduzieren.

„In Anbetracht der extrem niedrigen Zinsen ist diese Anlagepolitik nachvollziehbar, zumal die Nominalzinsen seit Ausbruch der Corona-Krise noch weiter gefallen sind“, kommentiert Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei der Kölner Rating-Agentur Assekurata. Bemerkenswert: Knapp jeder fünfte Kapitalanleger plant trotz Tiefzinsen einen Zukauf an Festverzinsern, vornehmlich im Bereich von Unternehmensanleihen.

Das Kapitalmarktumfeld spiegelt sich auch in den Branchen-Ergebnissen wider. Während die Lebensversicherer im Jahr 2010 marktweit noch mehr als zwölf Milliarden Euro Rohüberschuss erwirtschafteten, liegt er aktuell nach Berechnungen von Assekurata bei knapp elf Milliarden Euro. Zu diesem Wert trägt mittlerweile das Risikoergebnis doppelt so viel bei wie die Kapitalanlage.

Angesichts der schon seit Jahren rückläufigen Kapitalmarktzinsen ist der Branchen-Rohüberschuss noch ziemlich stabil“, relativiert Lars Heermann die rückläufige Entwicklung. Dies sei zum einen den Anstrengungen der Anbieter zur Finanzierung der Zinszusatzreserve (ZZR) geschuldet, die mit außerordentlichen Kapitalanlageerträgen aus der Auflösung von Bewertungsreserven einherginge.

„Andererseits ist die stabile Ergebnislage ein Ausdruck der Bemühungen vieler Gesellschaften, die eigenen Gesschäftsfelder neu auszurichten und sich im Neugeschäft auf ertrags- und eigenmittelschonende Produkte auszurichten.“

Neuausrichtung: Das Risiko trägt künftig der Kunde

Die strukturelle Neuausrichtung wird auch anhand des Branchenwachstums deutlich. So haben die Lebensversicherer im zurückliegenden Geschäftsjahr 2019 ihren Neuzugang nach Beiträgen gegenüber dem Vorjahr um mehr als zehn Milliarden Euro gesteigert.

Nach Einschätzung von Assekurata entfallen rund 60 Prozent dieses Zuwachses auf Altersvorsorgeprodukte mit kapitaleffizienten Garantien, also insbesondere neue klassische, Index- und hybride Policen. Dieses Segment vereinnahmt mit etwa 45 Prozent zugleich die höchsten Prämienanteile im Neugeschäft, wie die folgende Abbildung verdeutlicht

„Bei genauerer Betrachtung der Branchenzahlen werden einige Besonderheiten deutlich“, ergänzt Assekurata-Bereichsleiter Heermann. „Zum einen profitierte der Markt in hohem Maße von steigenden Einmalbeiträgen, zum anderen verzeichnete besonders der Branchenführer Allianz überdurchschnittliche Neugeschäftszuwächse.“

Konzentration auf Allianz und Co.

In einer Gruppenbetrachtung entfallen mittlerweile knapp 77 Prozent der Beitragseinnahmen in der Lebensversicherung auf die zehn größten Anbieter, knapp 30 Prozent allein auf die Allianz. 2016 hatten die „Big 10“ lediglich 74,4 Prozent vereinnahmt und die Allianz 21 Prozent.

Mit Blick auf Corona geht die Rating-Agentur davon aus, dass sich die Pandemie vor allem über die Reaktionen der Kapitalmärkte auf die Bilanzen der Lebensversicherer auswirken wird. Wachstumsseitig dürfte sich das sehr hohe Neugeschäft aus 2019 vor dem Hintergrund des Lockdowns nicht wiederholen.

Jedoch ist der Grad der Betroffenheit zwischen einzelnen Gesellschaften und Geschäftsfeldern nach Einschätzung der Kölner Analysten durchaus unterschiedlich. „Viele Lebensversicherer befinden sich ohnehin seit Jahren in einem Transformationsprozess, den die Pandemie allenfalls etwas abbremsen, aber nicht stoppen wird“, glaubt Heermann.

„Nach der Corona-Krise werden besonders die Gesellschaften mit einer soliden Bilanzstruktur sowie einer modernen und digitalen Geschäftsausrichtung zu den Profiteuren gehören.“ (dr)

Foto: Assekurata

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