9. Juni 2020, 13:54
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Assekurata: So haben Schaden- und Unfallversicherer abgeschnitten

Im Geschäftsjahr 2019 setzte sich der positive Trend in der Schaden-/Unfallversicherung weiter fort. Dabei konnte die Sparte insbesondere den robusten Wachstumskurs der vergangenen Jahre fortschreiben. Dies teilte die Rating-Agentur Assekurata auf ihrer heutigen Audio-Web-Pressekonferenz „Marktausblick zur Schaden-/Unfallversicherung“ mit.

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Profitieren konnten die Versicherer dabei von einer vergleichsweise geringen Elementarschadenbelastung, wodurch der versicherungstechnische Gewinn anstieg. Assekurata erwartet, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen des Corona-Lockdowns vor allem Industrie- und Gewerbeversicherer treffen, während die Belastungen im Privatkundengeschäft deutlich geringer zu spüren sein werden.

Geringere Elementarschäden steigern Gewinn

Ein Rückgang der Elementarschäden hat dazu beigetragen, dass die deutschen Schaden-/Unfallversicherer im Geschäftsjahr 2019 erneut einen versicherungstechnischen Gewinn verbuchen konnten. Dieser fiel mit 4,7 Mrd. € sogar nochmals besser aus als im Vorjahr (4,1 Mrd. €).

Auch beitragsseitig konnte die Branche ihren Wachstumskurs fortsetzen und die Einnahmen um 3,2 % auf mittlerweile 72,9 Mrd. € (Vorjahr: 70,7 Mrd. €) steigern. Dies konnte die nur moderat auf 53,4 Mrd. € angestiegenen Versicherungsleistungen (Vorjahr: 52,5 Mrd. €) mehr als nur kompensieren. Folgerichtig sank die kombinierte Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) von 94,1 % auf rund 93 % ab, was gerade im Vergleich zum Mehrjahresdurchschnitt 2010-2019 (96,3 %) einen sehr guten Wert darstellt.

Die gute wirtschaftliche Situation der deutschen Schaden-/Unfallversicherer zeigt sich auch im „Ertrags- und Wachstumsindikator“, einer kombinierten Betrachtung von Ertrag und Wachstum. Darin wird die Combined Ratio als branchengängige Ertragskennzahl in Relation zur Zuwachsrate nach Verträgen gesetzt. Die Größe der Datenpunkte spiegelt die Bestandsanteile der einzelnen Zweige auf Branchenebene wider.

Dabei erwiesen sich 2019 alle Zweige als sogenannte „vitale Ertragsträger“, wenngleich wachstumsseitig zum Teil nur knapp. In diese Rubrik fallen Zweige, die eine Combined Ratio unter 100 % aufweisen (oberer Bereich der Abbildung) und zugleich einen Bestandszuwachs an Verträgen zu verzeichnen haben (rechter Bereich).

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Zweige erneut als „vitale Ertragsträger“

Schadenseitig profilierten sich neben der Hausratversicherung insbesondere die Haftpflichtversicherung und die Unfallversicherung als solide Erfolgslieferanten. Zum Wachstum der Branche hat neben der Rechtsschutz- und der Haftpflichtversicherung insbesondere die Kraftfahrtversicherung beigetragen. Mit einer Com­bined Ratio, die weiterhin knapp unterhalb der 100-%-Marke liegt, blieb das Geschäft im Marktdurchschnitt auch profitabel. „Einige Versicherer operieren allerdings bei dem derzeitigen Beitragsniveau bereits nahe oder in der Verlustzone. Der Raum für marktweite Beitragssenkungen ist daher schon unter normalen Umständen äußerst gering“, gibt Dennis Wittkamp, Fachkoordinator Schaden-/Unfallversicherung der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH und Autor der Untersuchung, zu bedenken. „Durch die zunehmende wirtschaftliche Unsicherheit, nicht zuletzt infolge der Corona-Pandemie, dürfte die Mehrzahl der Versicherer jedoch ohnehin eine ertragsorientierte Zeichnungspolitik statt eines Unterbietungswettbewerbs anstreben.“
Corona mit unterschiedlichen Auswirkungen auf Zweige

Dabei sind die Auswirkungen von Corona branchenweit sehr differenziert zu betrachten. Zunächst dürfte das Neugeschäft in Zeiten der strikten Kontaktbeschränkungen über alle Zweige deutlich eingebrochen sein. „Die wenigsten Leute werden sich in diesen Zeiten Gedanken über den Versicherungsschutz gemacht haben“, erläutert Wittkamp. Einzig in der Cyberversicherung zog das Neugeschäft in dieser Zeit spürbar an. „Hier hat die massive Ausweitung der mobilen Arbeit dafür gesorgt, dass sich viele Unternehmen stärker mit ihren IT-Risiken auseinandergesetzt und sich zeitnah einen Versicherungsschutz zugelegt haben.“

Mit Blick auf die Schadensituation sind neben der Betriebsschließungs- und der Kreditversicherung besonders die Rechtsschutz- und die Veranstaltungsausfallversicherung von den Auswirkungen der Corona-Maßnahmen spürbar betroffen. „Neben dem Bereich Arbeitsrecht wird es gerade auch auf dem Gebiet der Betriebsschließung zu einem Anstieg der Rechtsstreitigkeiten kommen“, vermutet Wittkamp. Absehbar sind darüber hinaus auch deutlich zunehmende Schäden im Bereich der D&O-Versicherung als Folge einer signifikant ansteigenden Zahl von Insolvenzen. Wo entsprechende Absicherungen vorliegen, werden Insolvenzverwalter womöglich versuchen, die ehemaligen Geschäftsleiter in die Haftung zu nehmen.

Positive Auswirkungen auf die Schadenbelastung erwartet er hingegen aufgrund der teilweise stark rückläufigen Zahlen von Verkehrs-, Sport- und Freizeitunfällen. Hierdurch profitierten vor allem Unfall-, Hausrat-, Privathaftpflicht- oder auch Kfz-Versicherungen. Aus diesem Grund werden der Sparten- und noch viel mehr der Kundenmix entscheidend dafür sein, wie die einzelnen Unternehmen sich 2020 infolge der Corona-Maßnahmen behaupten. Assekurata geht davon aus, dass Gesellschaften mit Schwerpunkten in Gewerbe und Industrie schwerer betroffen sind als Privatkundenversicherer.
Corona dürfte den Wachstumskurs bremsen

Die unsichereren wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie erschweren einen verlässlichen Branchenausblick auf das Geschäftsjahr 2020. Denn der weitere Geschäftsverlauf wird maßgeblich davon abhängen, in welcher Form und wie schnell sich die gesamtwirtschaftliche Situation wieder normalisiert.  „Auch unter der Annahme, dass bereits im dritten Quartal eine massive wirtschaftliche Erholung einsetzt, werden die wirtschaftlichen Spuren des Lockdowns am Jahresende deutlich zu erkennen sein“, prognostiziert Wittkamp. „Selbst in diesem Falle rechnen wir nur mit einem äußerst geringen marktweiten Beitragswachstum. Realistischer erscheinen Szenarien, die am Ende auf kein beziehungsweise ein negatives Wachstum hinauslaufen.“ Ertragsseitig dürften die Folgen im Geschäftsjahr 2020 für die Branche hingegen weniger gravierend sein. „Die Zeiten neuer Rekordergebnisse sind zwar vorerst vorbei, aufgrund der positiven Auswirkungen der Kontaktbeschränkungen auf Schäden und Provisionszahlungen rechnen wir allerdings nicht damit, dass ein großer Teil der Versicherer in die Verlustzone rutscht“, erklärt Wittkamp.

Foto: Shutterstock

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